Megastädte und Globalisierung im Blick

In Herrmanns Arbeiten korrespondieren Module.

Dass die Globalisierung eins der bestimmenden Themen in der Kunst ist, beweisen die Gemälde von Marina Herrmann. Ein Besuch in New York und ein Aufenthalt in Frankfurt inspirierten die Kölnerin zu einer Serie mit Hochhaus-Motiven. Von Claus Wolfschlag

„Ich habe eine andere regionale Anmutung erfahren als in New York, was stark mit der Spiegelung des Stadtbilds in den Fassaden zu tun hatte.“ Der Vergleich bildete den Ausgangspunkt des Projekts „StandOrte“, für das sie nach Shanghai, Tokio, Dubai und Sao Paulo reiste.

Herrmann sieht sich nicht als Fotokünstlerin, schließlich hat sie 1994 in München ihr Studium der Grafik und Malerei beendet. Aufnahmen von Fassadendetails hat sie digital bearbeitet und mit Gouache übermalt. Diese Foto-Gemälde, auf Holzkörper gezogen, bilden den Ausgangspunkt für das Gesamtkonzept. Denn weitere quadratische und rechteckige Module sind dem Fixpunkt zugeordnet. Eine Art geometrisches Spiel also, zumal die Erweiterungen entweder malerisch Bezug auf das Ursprungsfoto nehmen oder die Maserung des Holzes aufgreifen.

„Marina Herrmann: Einblicke – Arbeiten zur Architektur“, bis 10. September in der Videor Art Foundation, Carl-Zeiss-Straße 8, Rödermark. Geöffnet Montag bis Donnerstag 9 bis 17.30, Freitag bis 17 Uhr.

Die Veränderung der Stadtbilder und die Frage nach der Erhaltung regionaler Kulturfaktoren stehen thematisch über den Gemälden. Dekorativ sind sie für Betrachter, die sich an urbaner Ästhetik laben. Verschwommene Architekturausschnitte fügen sich perfekt ins Ambiente einer zeitgenössischen Bar ein. Hochformate mit Spiegelungen nächtlicher Wolkenkratzerfassaden, etwa die „4 Towers Frankfurt“ von 2006, befriedigen vertikale Gelüste – Krisenbewusstsein zum Trotz.

Quelle: op-online.de

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