Meister der Mitteilung im Porträt

Frankfurt - Als „Bruder von“ und „Sohn von“ Thomas Mann, einem noch Größeren, sind sie geläufig – und waren doch selbst namhafte Schriftsteller. Von Markus Terharn

Weshalb sie sich mit Heinrich und Klaus Mann befasst hatten, legten Inge Jens und Uwe Naumann im Literaturhaus Frankfurt überzeugend dar: Weil sich in beider Viten deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts epochal spiegele. Und weil beide Meister einer hochentwickelten Mitteilungskultur seien.

Der von Literaturwissenschaftlerin Jens und Rowohlt-Programmleiter Naumann herausgegebene Band „Klaus Mann – Lieber und verehrter Onkel Heinrich“ ist viel mehr als ein Briefwechsel. Auszüge ließen nacherleben, wie der Neffe den Onkel erst über dessen Werk, dann auch persönlich kennen und schätzen lernte. Sie begleiteten beide ins US-Exil, wo der Ältere sich schwer tat, der Jüngere wegen seiner Homosexualität, Drogensucht und politischen Einstellung suspekt war. Und schlossen mit bewegenden Zitaten aus dem letzten Text, den Heinrich vor seinem Tod 1950 anfing, aber nicht vollenden konnte. Über Klaus, der sich ein Jahr zuvor das Leben genommen hatte, urteilte er liebe- und respektvoll: „Es ist zu sagen, dass dies ein reiner Mensch war.“

Die Verfasser der Romane „Professor Unrat“ und „Der Untertan“ beziehungsweise „Symphonie Pathétique“ und „Mephisto“ zu lesen lohnt sich: Das war ein Fazit dieses von dem Journalisten Dierk Wolters moderierten Abends. Dies aber bitte, so das andere, nicht durch die Brille von Thomas Mann, zu dem beide ein zwiespältiges Verhältnis hatten. Der Nobelpreisträger kam gegen jede Gewohnheit nur am Rande vor...

Quelle: op-online.de

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