Meister und seine Jünger

Frankfurt - Das Frankfurt-LAB präsentiert sich im Zuge des Cutting-Edge-Move-Festivals als provisorisches Zentrum für den Bühnentanz. Von Stefan Michalzik

Der japanische Choreograf Ushio Amagatsu variiert in dem mit seinem Ensemble Sankai Juku entwickelten Butohtanzstück „Tobari – As if an inexhaustible flux“ das klassische Butoh-Motiv einer Transformation der menschlichen Seele.

Wie Tempeljünger mit ihrem Meister mutet der Kreis der acht Tänzer an. Ihre Körper sind mit Reispuder geweißt, sie haben kahle Schädel und sind meist in helle Tuniken oder orangefarbene Lendenschurze gehüllt. Im Hintergrund wie auch auf einer runden schwarzen Scheibe am Boden blinkt ein Sternenhimmel auf. In einem Ritual soll offenbar eine kosmische Verbindung hergestellt werden.

Der Oberkörper ist das Zentrum der tänzerischen Aktion. Die Bewegungen streben dem Himmel zu, basierend auf einer starken Erdung. Die Arme und die Hände sind die Mittel einer rituellen Gebärdensprache.

Butoh versteht sich als „Tanz der Dunkelheit“, auch im Sinne eines Vordringens in verborgene Zonen des Bewusstseins. In wechselnden Formationen vom Ensemble über Dreier- und Vierergruppen bis zum Solo des Meisters spielt sich eine gleitende Abfolge von in abgestuft fahles Licht getauchten Szenen ab.

Amagatsu nähert den Butoh dem westlichen Blick an. Von der fesselnden Kraft expressionistischer Ausdrucksformen und den starken Grimassen ist fast nichts mehr zu sehen. Gleichwohl geht von der ungebrochenen Schönheit dieses filmmusikalisch abgefederten Stücks eine gewisse Faszinationskraft aus.

Quelle: op-online.de

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