Meister der stilvollen Gelassenheit

Frankfurt - Max Goldt strahlt die Behaglichkeit eines Lebens in geordneten Bahnen aus. Schon ewig gastiert er immer um Weihnachten herum mit seinen Lesungen in Frankfurt, früher im Mousonturm, seit dem vergangenen Jahr ist er ins Schauspiel umgezogen. Von Sebastian Hansen

Ein volles Haus ist immer garantiert, auch diesmal wieder. Es ist ein Sammelsurium aus älteren und neueren Texten, das Max Goldt liest. Der angekündigte Titel - in diesem Fall „Die Chefin verzichtet“, so heißt auch das neueste Buch - spielt traditionell keine Rolle, erst am Schluss kam eine Petitesse aus diesem Band.

Der in Berlin lebende Schriftsteller kann einerseits großartig albern sein, bisweilen tangiert er den Rand des Neodadaismus, in seinen Nonsensdialogen etwa. Dann wieder kommt eine gewisses Maß an soziologischer Studie ins Spiel, beispielsweise wenn er groteske Kommentare - User-Rezensionen - von Hotelportalen im Internet sammelt.

Gleichzeitig ist Max Goldt ein humoristisch agierender Nachfolger Knigges. Zivilisation, so heißt es in einem seiner sprachkritischen Texte, beruhe auf sanfter Kontrolle und Korrektur, angefangen im familiären Kreis. Nicht gut kommt jene philologische Auffassung weg, derzufolge sprachliche Marotten in die Wörterbücher aufgenommen werden sollen, mit dem Argument, Sprache sei nun einmal ein lebendiger Organismus.

Ein Nostalgiker ist er nicht

Häufig besinnt sich Max Goldt auf Dinge oder Worte, die aus der Mode gekommen sind. Ein Nostalgiker ist er indes nicht. Er steht vielmehr in einer eigentümlichen Weise über den Erscheinungen der Zeit. Wohlschmeckend. Schmackhaft. Diese Wörter sind so schlicht wie unaufdringlich, sie bieten keinen Anlass zum Zweifel an ihrer Verständlichkeit. Und sie klingen viel schöner als das schnöde „lecker“, das viele Leute andauernd verwenden.

Besonnenheit ist Max Goldt eine Zier, als der Gemeinschaft zuträglicher Teil des Stilbewusstseins. Gelassen gilt es den Auswüchsen und Merkwürdigkeiten in der Welt und den Medien zu begegnen. „Es geht um stilvolle Zurückhaltung.“ Eine Lesung von Max Goldt sollte man alljährlich besuchen. Über die amüsanten Stunden hinaus schärft seine Prosa den Blick. Es ist nicht allein der geschliffene Spott, um den es bei ihm geht. In seinem literarischen Stirnrunzeln lässt sich ein gewisses Wohlwollen ausmachen. Seine nachdrückliche Milde scheidet Goldt von den eilfertigen Schreiern des Kabaretts und der Satire.

Quelle: op-online.de

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