Ausstellung „Wunderkind“

Meisterwerke des Frühbarock

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Hochaltar in der Schlosskirche

Aschaffenburg - Das Aschaffenburger Schloss Johannisburg ist heuer 400 Jahre alt. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten erfährt auch der Bildhauer Hans Juncker Würdigung mit einer eigenen Ausstellung. Von Reinhold Gries

Der um 1582 in Walldürn geborene und um 1624 gestorbene Bildhauer Johannes (Hans) Juncker kann auf eine Stufe mit den niederländischen und italienischen Bildhauern seiner Zeit gestellt werden. Die zwischen Spätrenaissance, Manierismus und Frühbarock zu verortenden Werke des Sprosses einer unterfränkischen Bildhauerfamilie gehören zum Besten, was süddeutscher Frühbarock hervorbrachte. Das belegen an die 100 Exponate der Schau „Wunderkind. Der Bildhauer Hans Juncker“ im Schlossmuseum und Schlosskapelle ebenso wie Hauptwerke in der Stiftskirche.

Anbetung der Hirten, Alabasterrelief aus dem Jahr 1610.

Unter Schlossbaumeister Georg Ridinger war Juncker für die Bauplastik des gewaltigen Renaissanceschlosses zuständig. Davon zeugen Sandsteinköpfe wie der über dem Hauptportal und sein Wappen an der Schlossmauer für den Bauherrn, den Mainzer Erzbischof und Reichserzkanzler Johann Schweikard von Kronberg. Die figurale Ausstattung der Schlosskapelle, von Portalfiguren über die Kanzel bis zum Alabaster-Kolossalwerk des 1614 fertiggestellten Hochaltars, ist allein Junckers Werk.

Dazu sieht man erstmals Bildwerke, die seit den Kriegsverwüstungen 1945 verschollen oder zerstört waren und nun aufwändig aus Bruchstücken zusammengefügt worden sind. Andere Sakralskulpturen aus Walldürner, Miltenberger, Mainzer und Würzburger Kirchen sind als Leuchtinstallation anwesend und bilden mit Dokumenten zur Schlossbaugeschichte und dem Stiftskirchenparcours einen noch nie da gewesenen Überblick übers Lebenswerk. Der freilich Fragen offen lässt, denn viele von Junckers Dokumenten sind im Dreißigjährigen Krieg verbrannt.

Restaurierte und neu teilvergoldete Originale

Was man an restaurierten und neu teilvergoldeten Originalen sieht, ist beeindruckend genug. Schon in der Miltenberger Steinwerkstatt seines Vaters Michael Juncker fiel der Sohn 1598 als 16-Jähriger mit einem Hochaltar in Darstadt bei Würzburg auf, den er selbstbewusst signiert hat. Von da an galt er als „Wunderkind“. Seine Eintrittskarte in die Residenzstadt Aschaffenburg löste Juncker 1602 mit der Stiftskanzel. In Kombination von Sand- und Tuffstein mit Junckers bevorzugtem Material Alabaster knüpft die Kanzel an Darstadt an - und ans Figurenwerk des verlorenen Hochaltars. Wie der Bildhauer aus steinernen Patronen des Fußes die Kanzelskulptur herauswachsen lässt bis hin zu feinen Reliefs zu Samson, Christus in der Vorhölle und Jesu´ Himmelfahrt, beeindruckte das Stiftskapitel dermaßen, dass Juncker weitere Aufträge zur Stiftskirche erhielt – auch als Restaurator. Einiges ist verloren, anderes in Epitaphien-Fragmenten im Schlossmuseum zu sehen.

Junckers Magdalenenaltar von 1617/20 ist wieder goldgefasst im Seitenschiff zu sehen. So kann man sich aus der Nähe ins Motiv der Büßerin in der Einöde sowie die virtuose Alabasterkunst und süße Weichheit des Juncker-Stils vertiefen – auch im Vergleich mit der expressiven Kreuzigungsgruppe des Bruders Zacharias Juncker.

Die Schau „Wunderkind. Der Bildhauer Hans Juncker“ in Schlossmuseum (täglich geöffnet von 9 bis 18 Uhr) und Stiftskirche Aschaffenburg (täglich geöffnet von 8 bis 18 Uhr) ist noch bis 7. September zu sehen.

Hauptauftraggeber – schon in der Mainzer Zeit - war Schweikard von Kronberg, dem der Bildhauer eine Stifterskulptur widmete. Nach der Heirat mit einer Aschaffenburgerin war Juncker ab 1606, auch von seiner dortigen Werkstatt, fast nur in Schloss und Stiftskirche tätig. Sein Glanzstück wurde der Hochaltar der Schlosskapelle mit 30 vollplastischen und 150 Relieffiguren. Bis 1905 galt der Altar als Werk eines großen Italieners, es ist ohne Vergleich in Deutschland um 1600. Auch an der Kanzel und Portalfiguren sieht man: Junckers Figuren erhalten mehr Volumen, werden bewegter und „barocker“ samt überstreckten Gliedern. Innigkeit weicht gegenüber virtuosem Licht- und Schattenspiel zurück.

Kontraste tun sich auch auf im Vergleich des intimen Alabasterreliefs „Anbetung der Kindes“ mit dem Prachtkamin, den Hans und Zacharias Juncker mit ihrem Vater für Weikersheims Schloss formten. So ersteht in Aschaffenburg eine ganze Bildhauerdynastie wieder auf.

Quelle: op-online.de

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