Im Mekka der freien Theaterszene

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Matthias Pees

Frankfurt - Fast ein Vierteljahrhundert führte Dieter Buroch das Künstlerhaus Mousonturm, prägte den Ruf einer führenden Avantgarde-Bühne Deutschlands, Als Buroch in Ruhestand ging, hinterließ er eine Lücke, die Niels Ewerbeck füllen sollte. Von Carsten Müller

Doch der Selbstmord des Neu-Intendanten kurz nach Spielzeitbeginn riss das Haus in der Waldschmidtstraße aus allen Zukunftsträumen.

Felix Semmelroth (CDU) steht noch unter dem Eindruck der wenige Monate zurückliegenden Tragödie. Dem Frankfurter Kulturdezernenten war dies bei der Vorstellung von Matthias Pees, dem neuen Geschäftsführer und Intendanten, der vom Magistrat zum 1. August 2013 berufen wurde, anzumerken. Semmelroth zeigte sich gleichermaßen überzeugt, dass Pees, der ein umgebautes und renoviertes Haus übernimmt, die Nähe zu verschiedensten Künsten wahren und die projektorientierte Förderung der freien Szene auf den Weg bringen wird. „Mögliche Friktionen“, so der Kulturdezernent, nicht ausgeschlossen.

Der 1970 in Georgsmarienhütte geborene Pees erhält einen auf fünf Jahre befristeten Vertrag und bringt unterschiedlichste Erfahrungen mit. Er war Theaterkritiker, Dramaturg, selbstständiger Produzent und zuletzt Chefdramaturg der Wiener Festwochen.

Mousonturm bietet ideale Bedingungen

Mit seiner personellen Ausstattung und der vorhandenen Infrastruktur biete der Mousonturm ideale Bedingungen, der freien Tanz- und Performance-Szene als Produktionsplattform zu dienen, sagte Pees. „Frankfurt als Mekka der freien Szene“ und „Brücke in die Welt der internationalen Performance-Szene“ benötige aber auch entsprechende Förderstrukturen, die er gemeinsam mit Stadt, Land, Sponsoren und Künstlern erarbeiten möchte. Wichtig ist dem neuen Intendanten auch eine Fortführung des „Tanzlabor 21“, dessen Existenz nur bis 2015 finanziell gesichert ist. Einen „Thinktank“ will er mit den Akteuren bilden und zukünftig eine intensive Produktionspartnerschaft mit dem Tanzhaus NRW eingehen.

Pees, der als Produzent im subventionsfreien Theaterbetrieb Brasiliens arbeitete und dort seine Frau kennen lernte, mit der er eine 13-jährige Tochter hat, freut sich auf Frankfurt mit seinem „spannenden Ausbildungsumfeld“. Seine globalen Kontakte will er nutzen, um den Mousonturm „interkontinental zu erweitern“ und mit der freien Szene in Tokio, Sao Paolo und New York zu vernetzen. „Diese Städte stehen wie Frankfurt für ökonomische Dominanz“. An solchen Orten werde die Zukunft von Demokratie und Kapitalismus verhandelt. Frankfurts Internationalität unterstreicht auch die SMS-Gratulation seines brasilianischen Schwiegervaters: „Herzlichen Glückwunsch, Matthias! Direktflug!“

Quelle: op-online.de

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