Menschen und Landschaften

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Einsame Großstädter malt Gabriele Nold.

Äußere Bilder sind auch innere Bilder. Das zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung „Ortswechsel“ des Bunds Offenbacher Künstler (BOK) im Foyer der Industrie- und Handelskammer. Grundlage der malerischen Positionen sind oft Schnappschüsse, „gestohlene Bilder“, wie die Darmstädterin Gabriele Nold sagt, deren Spektrum von IHK-Räumen über Waldlandschaften und Gartenhäuser bis Tokio reicht.  Von Reinhold Gries

Stadtpanoramen sucht man in ihrer großformatigen Serie „Station Tokio“ (2006-2009) vergebens. Hochhäuser und Bahnhofspfeiler sind als Bildelemente einkomponiert oder verlieren sich in vitalen Farbfeldern. Im Mittelpunkt steht der Mensch, in der Bahn dösend, knallfarbenes „Überlebensgepäck“ zwischen die Beine geklemmt, nebeneinander und beziehungslos mit dem Rücken zum Betrachter am Kiosk.

Eincollagierte Fotos präzisieren urbanes Niemandsland nur scheinbar. Details wie Gewandfalten, Strümpfe, eine gelbe Mütze, eine knallrote Tasche, das Madonnengesicht einer jungen Frau sind delikat ausgearbeitet.

Viele Gesichter bleiben unkenntlich. „Mir kommt es auf die Konstellationen meiner Figuren im Raum an“, meint die Griesheimerin. Hervorragend sind ihre Kleinformate, pittoreske Hinterhöfe aus Berlin und Zwingenberg italienischen und japanischen Gassen gegenüberstellend sowie Gebäudeteile zum Spiel aus Form und Farbe fügend.

Trappelende Füße erzählen

Pelusa Petzel, Chilenin mit österreichischen Vorfahren, begründet ihren Hang zu Gestreiftem, Gepunktetem und Getigertem: „Ich bin im Urwald geboren.“ Ihr mit Acryl auf exotisches Gewebe oder Chinaseide gemalter Bild dschungel gründet auf Rundgängen durch IHK-Büros, wo ihr viele Dinge auffielen: Tassen und Becher, Schuhe und Scheren, Pflanzen und Mitbringsel. In freier Anordnung ist alles in fantasievolle Ornamentik eingewebt. Trappelnde Füße erzählen, was sich über IHK-Flure bewegt. Ein Zifferblatt steht für den Faktor Zeit, spielerisch vernetztes technisches Gerät für Kommunikationsdickicht.

„Ortswechsel“ in der IHK Offenbach, Frankfurter Straße 90. Bis 4. Juni werktags 8 bis 18, samstags 9 bis 15 Uhr.

Von anderer Atmosphäre leben die dichten Schattierungen und Farbwolken des Senefelderpreisträgers Richard Köhler. In der mit Pigmentacryl auf Leinwand gesetzten Serie „Mischwald A – K“ fließen Tupfer und Pinselspuren in Blau und Grün ineinander. Fensterartig öffnen sich Ein- und Durchblicke. Wie sich Visionäres und Meditatives mit Elementarem und Kosmischem mischt, erinnert bei Monteverdi-Liebhaber Köhler an die Polyphonie italienischer Renaissancemusik.

Die Bildwelt des Offenbachers Ralph Zoller ist zupackender, wenn er sich der Gartenhauskolonie am Buchhügel widmet. Was den einen als ästhetisches Ärgernis gilt, wird bei ihm zu kleinen Vorstadtvillen mit Pergolen und Säulchen, Fensterrahmungen und Türbekrönungen. Um seine visuelle Feldforschung zu steigern, baut er virtuos gemalte Stadtrandbehausungen zu farbig gefassten Wellpappe-Wandobjekten aus. Der „Dachverständige“ Zoller will das nicht werten. Mit leiser Ironie dokumentiert er, was Bedürfnisse vieler Innenstadtbewohner befriedigt.

Quelle: op-online.de

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