Kammeroper Frankfurt bringt Verdis „Rigoletto“ auf die Palmengarten-Bühne

Von Menschen und Leidenschaften

Die Frankfurter Kammeroper ist, zumindest was ihre populäre Sommersaison in der Konzertmuschel des Frankfurter Palmengartens anlangt, als musikalisches Komödientheater bekannt. In diesem Jahr hat sie sich mit Verdis „Rigoletto“ erstmals eines tragischen Stoffes angenommen.

Man durfte gespannt sein, wie der Buffo-Fachmann Rainer Pudenz, Regisseur und Gründer der Kammeroper, mit dem dramatischen Schwergewicht aus dem Jahr 1851 umgehen würde. Tragik mit Klamaukeffekten am Rande? Zum Glück nicht. Womöglich liegt im Dramatischen gar die wahre Stärke von Pudenz. Jedenfalls ist ihm eine sehr eindrückliche Inszenierung gelungen.

Die Schraffuren der blau grundierten Seitenprospekte von Bühnenbildnerin Cornelia Gaertner deuten ein gewitterhaft bewegtes Umfeld schon lange vor der Gewitterszene des dritten Aktes an. Die „gute“ Gesellschaft freilich, von Margarete Berghoff in modernistisch-kabaretthafte Garderobe gekleidet, befindet sich in Champagnerlaune. Der Herzog von Mantua schwingt permanent den Golfschläger. Rigoletto, sein Hofnarr, verhöhnt die gehörnten Opfer seines notorisch erotischen Jagdsport treibenden Herrn.

Im von Francesco Maria Piaves Libretto ist Rigoletto ein Buckliger. Bei Pudenz handelt es sich um einen Greis. Alter allein ist dieser Lesart nach schon Behinderung genug. Pudenz erzählt mit klarem und nüchternem Blick auf den Menschen und seine Leidenschaften. Der junge Dirigent Hogen Yun sorgt mit dem bestens präparierten Orchester für einen lyrisch-zarten, im rechten Moment aber auch scharf konturierten Klang. Starke Wirkungen erzielt auch der Chor. Der unheldische Titelheld wurde am Premierenabend von Johannes M. Kösters gesungen, einem herausragenden Sängerdarsteller, der mit seinem bemerkenswert differenzierten Porträt des Verletzlichen im Schelmenkleid allein einen Gutteil der Aufführung trug. Etwas mehr von dieser Tiefe würde man dem Premierenherzog Antonio Rivera wünschen, der ein gesanglich durchaus souveräner Tenor ist. Von der Anlage der Figur her, ist mit ihm aber doch ein Komödiant eingewandert, was aber mit Blick auf das Gesamtbild kaum mehr als ein Schönheitsfehler ist. STEFAN MICHALZIK

Quelle: op-online.de

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