Menschen und Orte

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Claus Delvaux’ fotorealistische Gouache „Westhafen“

Frankfurt - Die 1857 gegründete Frankfurter Künstlergesellschaft (FKG) ist eine der ältesten noch aktiven Künstlervereinigungen der Welt. Ohne ihre klassisch-modernen Wurzeln zu verleugnen, hat sie dabei nicht die Kraft zur Erneuerung verloren. Von Reinhold Gries

Man sieht es jetzt beim FKG-Gastspiel im Museum Giersch, wie das Spektrum von traditionsbezogener Gegenständlichkeit und Abstraktion zu „Neuen Medien“ erweitert wird. Das Niveau der gezeigten Arbeiten ist durchgängig hervorragend, wenngleich sich Arbeiten wie Klaus Kreuzers gespachtelte Frankfurt-Metropolen-Visionen und Marianne Sauers Bretagne-Gemälde einen Teufel um Kunsttheorien scheren.

„Tessa“ von Willi Schmidt

Über alle Zweifel erhaben sind Aquarelle wie „Mit Figur“ und „Vegetation“ des verstorbenen Heinrich Steiner, große Tradition des deutschen Expressionismus in prächtigem Kolorit fortsetzend. Dagegen wirken Klaus Kappels neoimpressionistische Sommerwiesen und Wolkenstudien fast schon konservativ. Das große Ganze einer Landschaft bringen Norbert Komorowskis leuchtende Farbflächen auf den Punkt, während sich Ursula Dittmanns kraftvolle Malerei vom Gegenstand völlig löst. Die abstrakt-expressive Dynamik ihrer Zeichensprache und Farbenmusik wirkt ebenso befreit wie Inge Helsper-Christiansens weiträumige Namib-Serie, gemalt aus Ölfarbe und Wüstensand.

Derweil sich in der Tradition verhaftete Zeichner und Maler wie Siegbert Jatzko und Kurt Sauer mit der Architektur gotischer Kirchen und der Gestalt fossiler Funde befassen, gehen jüngere keineswegs hin zu weiterer Abstraktion: Jörg Eyfferths durchnummerierte Glas-Serie ergötzt sich in kühler Malerei an Eleganz und Transparenz der Stillleben-Objekte.

„Frankfurter Künstlergesellschaft 2011“ bis 4. September im Museum Giersch, Schaumainkai, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag bis Donnerstag 12-19 Uhr, Freitag bis Sonntag 10-18 Uhr.

Claus Delvaux verblüfft mit schräg ins Bild wachsenden Frankfurter Hochhäusern aus Gouachefarben. Die HfG-Absolventin Ursula Zepter kombiniert und überblendet In facettenreichen Digitalcollagen Steilansichten aus Frankfurt und Offenbach zu „Main-Town-Feeling“. Einen Kontrast zu solcher Üppigkeit bilden Leonore Poths fast minimalistische, aber treffende Zeichnungen zu Frankfurt-Offenbacher Stadtlandschaft. In wenigen vereinfachenden Strichen und Farbakzenten erfasst die HfG-Künstlerin die gesamte Raumtopographie. Klaus Puth aus Mühlheim schwelgt in seinem „Simplicissimus“-Welttheater dagegen in zeichnerischer Üppigkeit. Thomas Zachs Tusch-Zeichnungen zu hiesigen Mainauen oder der Wetterau widmen sich mehr dem Elementaren, fernab jeder „Heimatkunst“.

Eine Klasse für sich sind die Bildhauer der Region. Das beginnt bei Edwin Hüllers klassisch-schönen Marmorskulpturen „Mädchen nach dem Bade“ und „Altes Paar“, geht über Willi Schmidts wundervoll ausgewogene Terrakotten und Keramiken bis zu Hermann zur Strassens Bronzen. Die Riege der Meister setzt Clemens Strugalla mit „Flensburger Studie“ oder „Stuttgarter Baumsäule“ aus Sand- und Tuffstein fort. Achim Ribbecks Menschenbilder bringen dazu das Ausrufezeichen, das man eigentlich hinter die gesamte Ausstellung stellen kann: sehr sehenswert!

Quelle: op-online.de

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