Irene Dische

Metropole im Auge des Außenseiters

Frankfurt als Megacity zu bezeichnen ginge entschieden zu weit. So begnügt sich das Mainmetropölchen beim Literaturfest „Metropolitan“ mit der Gastgeberrolle und überlässt den Vortritt sechs richtig großen Städten – New York, Johannesburg, Barcelona, Bombay, Istanbul und Paris. In vier Tagen stellen derzeit sechs Autoren an sechs unterschiedlichen Orten Bücher vor, die in einer dieser Städte spielen.

Die Idee stammt von Michael Hohmann, als Programmchef der Romanfabrik mit dem Auftakt betraut.

Mit Irene Dische hat er eine glückliche Wahl getroffen. In hervorragendem Deutsch präsentiert die Amerikanerin ihr Werk „Ein Job“, in dem sie New York mit den Augen eines fast außerirdisch zu nennenden Wesens sieht: Killer Alan ist Kurde, spricht kein Englisch, und sein Auftrag ist die Tötung einer Familie.

„Mit so viel Getöse wie ein Schatten ging er seiner Wege“, charakterisiert Dische ihre Figur. Formulierungen wie diese und Sinn für Humor heben ihre Kriminalgroteske über die Unterhaltungsebene hinaus. Urkomisch die Szene, wie Alan im Café einen Donut bestellt und gegen das Rauchverbot verstößt; skurril die Beschreibung des U-Bahn-Mords; sehr gewagt und doch elegant die Schilderung erster sexueller Erfahrungen des Protagonisten mit Eseln, Hühnern und Schafen.

Zwei Kollegen hätten diese heikle Passage lektoriert, gesteht Dische. In den USA ist der Text trotzdem bislang unveröffentlicht, in Deutschland jetzt zum zweiten Mal herausgekommen. Die Neuübersetzung des Frankfurters Reinhard Kaiser belässt allen Körperteilen wie im Original ihre kurdischen Namen. Das erhöht den poetischen Reiz ...

MARKUS TERHARN

http://www.metropolitan-ffm.de

Quelle: op-online.de

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