Expertin fürs italienische Fach

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Die Kostüme von Christian Lacroix haben es der Sopranistin angetan.

Frankfurt - Als Aida oder Madame Butterfly tourt sie durch die Opernwelt. Jetzt leiht Micaela Carosi ihren lyrisch wie dramatisch hochkarätigen Sopran einer großen Schauspielerin der Pariser Comédie Francaise des 18. Jahrhunderts. Von Klaus Ackermann

Als unglücklich liebende „Adriana Lecouvreur“ ist die italienische Primadonna in der gleichnamigen Oper ihres Landsmanns Francesco Cilea (1866-1950) zu erleben. Regie führt der Franzose Vincent Boussard, die musikalische Leitung hat Carlo Montanaro, gern gesehener Gastdirigent der Oper Frankfurt. Premiere ist am Sonntag um 18 Uhr.

Adriana Lecouvreur habe mit ihrer ausdrucksvollen Deklamation die damalige Schauspielkunst revolutioniert, sagt Carosi, die Pariser Diva im Opernbereich mit der legendären Sängerin Maria Callas vergleichend. In Cileas Opernversion sei Adriana eine sehr leidenschaftliche Frau, die es nicht aushalte, den Geliebten teilen zu müssen. Diese Hochspannung zwischen den Protagonisten zu schaffen, daran habe Regisseur Broussard besonders intensiv gearbeitet, wie er die Theater-auf-dem-Theater-Situation ausspiele.

So zeige er eingangs eindringlich den historischen Hintergrund: Ein langer Flur in der Comédie Francaise, die Sänger kommen in Kostümen der Lecouvreur-Zeit aus ihren Garderoben. Allmählich verwandele sich die Szenerie, inspiriert von den Moden der 1960er Jahre. Dazu hat der Modedesigner Christian Lacroix Kostüme geschaffen, für die Carosi unverblümt schwärmt: „Die sind kaum zu toppen. Und so muss ich mir schon jetzt überlegen, was ich bei der Premierenfeier trage“.

Für die Musik des Veristen Cilea brauche man eine sichere Gesangstechnik, so Carosi. Wechsele doch hier binnen Sekunden das Lyrische ins Dramatische – mit der Ausdrucksschärfe eines expressionistischen Bildes. Man müsse schon viel Verdi und Puccini gesungen haben, um Cilea zu verinnerlichen. Daran mangelt es bei der aus Rom stammenden Primadonna nicht, seit sie zum 100. Todestag Verdis in Busseto unter der Regie von Franco Zefirelli die Aida sang, preisgekrönter Start einer internationalen Karriere.

Denn für den sympathischen Gesangsstar, der einer Künstlerfamilie entstammt, „muss man in der Sprache leben, die man singt, um sie richtig zu verstehen“. Richard Wagner hat bei Carosi keine Chance, die schon als Zwölfjährige, nach dem Besuch von Bellinis „Puritaner“ wusste, dass sie Opernsängerin werden will und die in Rom neben Gesang auch Literatur und Musikgeschichte studiert hat. Dort lebt sie mit ihrem Gatten und zwei Söhnen, die sie während ihrer internationalen Gastspiele natürlich vermisst. So zählt der Anruf beim Ehemann kurz vor dem Premierenauftritt zu den eisernen Ritualen der Opernfrau. Und einmal – in Paris, wo sie die Butterfly in der Robert-Wilson-Inszenierung sang – konnte sie ihn richtig überraschen: Mit der frohen Botschaft, dass sie schwanger sei …

Quelle: op-online.de

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