Mittels Wortkunst in den Weltraum

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Ein Mann, ein Buch: Für eine banale Lesung ist sich das Multitalent Frank Schätzing zu schade.

Frankfurt - Er kann schreiben, sich in Szene setzen, komponieren – und er sieht gut aus. Letzteres zeigt er als Unterwäschemodell in einer Anzeigenkampagne. Von Maren Cornils

Kein Wunder, dass Frank Schätzing mit Büchern wie „Der Schwarm“ zum Publikumsliebling avancierte und nun auch noch eine neue Unterhaltungsform erfunden hat: das Literatainment. Was das ist, erfuhren die Zuhörer in der Alten Oper Frankfurt. Der Kölner füllt mit einer nach seinem aktuellen, 1400 Seiten starken Sci-Fi-Wälzer „Limit“ benannten Multimedia-Show die Säle. Es ist eine wilde Mischung aus Edutainment, Zukunftsforschung, Lesung und Comedy – und darin liegt ihre Schwäche. Ein charismatischer Bestsellerautor reicht nicht, um den roten Faden zu erkennen. Es gelingt ihm im Verlauf des mal unterhaltsamen, mal unentschlossenen Abends aber, das begeisterte Publikum mit lässiger Präsentation in den Bann zu ziehen.

Dabei ist der Einstieg klassisch. Nachdem die Zuschauer mittels einer riesigen Kinoleinwand und zu Klängen aus dem Hause Schätzing durch die Atmosphäre geschwebt sind – Filmmaterial stellten ZDF, National Geographic und die ESA zur Verfügung –, tritt der Autor auf die leere Bühne, in der Hand nur sein Buch und eine Leselampe. Von Vic Thorne und seinem unglücklichen Ende 36 000 Kilometer über der Erde ist die Rede, von humanoiden Robotern, Heliumabbau und Raumanzügen mit Steuerdüsen. 20 Minuten später steht Thorne im Mittelpunkt einer perfekt nachgestellten Nachrichtensendung des Jahres 2025, ein Stilmittel, das einen Blick in eine Zukunft erlaubt, in der China, Russland und die USA um die Edelgasvorräte auf dem Mond streiten, Herzverpflanzungen Standard sind und Katzen nachts grün leuchten.

Kurzweilige Stippvisite im Weltraum

Da offenbart sich, dass Schätzing Witz hat. So steht der 1. FC Köln seit Monaten ungeschlagen an der Spitze der Fußball-Bundesliga. Oder er lässt den mittlerweile 121-jährigen Jopi Heesters in die Filmrolle von Methusalems jüngerem Bruder schlüpfen. Nebenbei erfahren die Zuschauer, warum der Roman nicht in ferner Zukunft, sondern im recht nahen Jahr 2025 spielt: „Ich glaube, die Leute kaufen lieber ein Buch, das in einer Zeit spielt, in der sie noch leben.“

Dann aber begibt sich Schätzing auf philosophische Pfade, sinniert über die Beeinflussbarkeit der Zukunft, über Zukunftsangst – dafür muss ein Zukunfts-Rap herhalten – und den Hang der Deutschen zum Pessimismus. Dazwischen serviert der Unterhalter Erkenntnisse wie „39 Prozent aller Deutschen lesen täglich ihr Horoskop“ oder rätselt, wie Sex im Weltall aussieht. Doch das muss man dem für akribische Recherche bekannten Autor lassen: Schätzing überrascht mit technischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen zur Weltraumforschung und schlägt immer wieder gekonnt den Bogen zu seinem Epos.

„Limit“ ist eine kurzweilige Stippvisite im Weltraum, die dank multimedialer Elemente an Besuche im 3D-Kino erinnert. Dass auch aus dem Buch gelesen wird, mag Fans der Schätzingschen Wortkunst freuen. Eine einfache Lesung anstelle dieses bunt zusammengewürfelten Programms hätte den Großen Saal aber vermutlich ebenso gefüllt.

Quelle: op-online.de

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