Jan Seghers stellt Krimi vor

Mord und Kunstraubverknüpft

Der Tradition des weltliterarischen Einstiegs bleibt Jan Se ghers treu: Im ersten Satz, „Lange Zeit war sie spät schlafen gegangen“, nimmt sein vierter Marthaler-Krimi „Die Akte Rosenherz“ Bezug auf den Anfang von Marcel Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“. Mit seinen Geschichten um den Hauptkommissar hat sich der Frankfurter Autor eine große Fangemeinde erschrieben.

Voll ist die Stadtbibliothek Offenbach. Dort stellt Matthias Altenburg, wie der Schriftsteller im Bücherturm bürgerlich heißt, sein Werk vor, das kunstvoll eine Handlung aus der Gegenwart mit einem Erzählstrang aus der Vergangenheit verquickt. Ihm assistieren Frank Geisler und Sarah C. Baumann vom t-raum-theater.

Dem ersten Kapitel, das 1966 einsetzt, räumt er viel Platz ein. Um Lebefrau Karin Nieber gall geht es, die eigentlich Rosenherz heißt und das älteste Gewerbe der Welt ausübt. Die Zuhörer begleiten sie in der mit verteilten Rollen gelesenen Passage durch ihre letzten Stunden: Parallelen zum Fall Nitribitt sind beabsichtigt.

Ein harter Schnitt katapultiert die Zuhörer ins Jahr 2005. Marthaler hat seinen Auftritt, eine Kollegin, alte Bekannte. Neu ist: Der streitbare, zum Einzelgängertum neigende Polizist hat sich (seine Tereza ist schwanger) in den Innendienst versetzen lassen. Ruhiger wird es aber nicht. So werden die Zuhörer Zeugen einer rasanten Verfolgungsjagd, an deren Ende der Transporter, in dem Tereza ein Städel-Gemälde zum Flughafen bringen will, brutal überfallen wird. Ein weiterer Zeitsprung versetzt Marthaler ins Obdachlosenasyl, wo er auf einen Hinweis stößt, der in die Vergangenheit führt...

Was der Mordfall Rosenherz mit dem Kunstraub zu tun hat – die Antwort bleibt der Autor am Ende der gut einstündigen Lesung schuldig. Er habe länger nach den Akten zum Fall Matura geforscht, der ihn angeregt habe, lässt sich Seghers entlocken und erzählt, wie spannend die Lektüre von neun Riesenkartons Material gewesen sei. Nicht nur da hat er Freude an der Recherche bewiesen. „Man schreibt immer über irgendetwas, von dem man nichts versteht, und das heißt, man muss nachforschen und sich mit Personen unterhalten, die sich darin auskennen“, gesteht er auf die Frage, ob ein Kunsttransport tatsächlich so abläuft.

Weitere Fragen gibt es nicht. Und so beschließt der Autor – „das hatte ich wirklich noch nie“ – den Abend signierend. MAREN CORNILS

Quelle: op-online.de

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