Mordserie im Mittelalter

Offenbach - Ein erfolgreicher Roman, kongenial verfilmt: Braucht es diesen Stoff noch auf der Bühne? Im Falle von „Der Name der Rose“ lautet die Antwort: Ja! Von Markus Terharn

Mit einer packenden Inszenierung nach dem Weltbestseller von Umberto Eco eröffnete das Westfälische Landestheater die Saison der Theateressenz im Offenbacher Capitol. Tatsächlich gaben einige Zuschauer an, die Geschichte nicht zu kennen. Sie durften mitknobeln, wer hinter der grausigen Mordserie in einem italienischen Kloster des Jahres 1327 steckte und was sein Motiv war. Doch auch wer die Lösung wusste, kam auf seine Kosten.

Den Begriff vom „finsteren Mittelalter“ nahm Regisseur Reinhardt Friese als Aufhänger. Gern ließ er im Dunkeln und im Nebel agieren, spärlich erhellt von Kerzen, Fackeln und am Ende Flammenherden. Selten war die Anwesenheit eines Feuerwehrmanns sinnvoller. Diese düstere Atmosphäre unterstrich Ausstatterin Annette Mahlendorf mit angedeuteten Architekturelementen. Vier Techniker sorgten für Licht- und Toneffekte sowie Musik. Mit Hilfe von Headsets war trotzdem jedes Wort verständlich.

Dass die Mönche, fast alle mit Kutten und Tonsuren, unterscheidbar waren, verdankte sich einer differenzierten Charakterisierungskunst. Als detektivischer Franziskaner William von Baskerville ließ Burghard Braun schneidenden Scharfsinn mit Ansätzen intellektuellen Hochmuts aufblitzen. Seinem Novizen Adson verlieh Franz Lenski jugendliche Unbekümmertheit und Frische. Eisige Kälte strahlte Markus Rührer als Inquisitor Bernardo Gui aus. Unter den Brüdern fielen auf: der unheimliche Alte Jorge (Vesna Buljevic), der in Zungen redende Halbwahnsinnige Salvatore (Guido Thurk) und der unter Folterandrohung zusammenbrechende Remigius (Roni Merza) sowie als attraktiver Kontrast das Mädchen (Julia Gutjahr).

All das ließ sich, wie Dramaturg Christian Scholze im Einführunsvortrag verheißen hatte, auch „rein als Krimi genießen“. Seine klugen Ausführungen beleuchteten indes den Umgang mit Zeichen sowie die Hintergründe, den Streit um die Armut Jesu sowie die Frage, ob er gelacht habe. So war der Abend auch ein geistiger Gewinn – garniert mit einem Kompliment: Von den mehr als 100 Spielorten der Truppe sei das Capitol „der schönste Saal, in dem wir gastieren“. Das hört der Offenbacher gern...

Quelle: op-online.de

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