Wo dem Morgen graut

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Arbeit aus der aktuellen Serie „Häfen (Harbours)“ von Sven Johne

Das Zusammenwirken von Text und Bild steht im Mittelpunkt der Arbeiten von Sven Johne, dessen Fotografien wie Schnappschüsse wirken oder sachlich-dokumentarische Anmutung haben. Ihre Spannung wird durch die textliche Ebene erzeugt. Von Anke Steinfadt

Farbfotografien von Badenden im türkisblauen Meer wirken wie Urlaubserinnerungen. Erst die Bildunterschrift stört den Frieden. Johne gibt wie im Polizeibericht Strandabschnitt, Datum und Uhrzeit an. Das Wissen darum, dass die Bilder auf der Insel Lampedusa entstanden sind, trübt das Idyll. Lampedusa ist zum Synonym für Flüchtlinge aus Afrika geworden, welche die italienische Regierung im Gegensatz zu Touristen nicht mit offenen Armen empfängt. Ausgangspunkt für die Themenwahl des 1976 auf Rügen geborenen Johne, der vor dem Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst einige Semester Germanistik und Journalistik studiert hat, sind Pressemeldungen – über Schiffskaperungen wie über das Auftauchen von Wölfen in deutschen Wäldern oder die spektakuläre Flucht eines DDR-Bürgers über die Ostsee.

Bekannt sind Johnes Schwarz-Weiß-Fotografien von Meeresoberflächen. Friedlich öffnet sich die weite See dem Betrachter, wäre da nicht der überlagernde Text: Schilderungen von Schiffbrüchigen nach Unglücksfällen auf offenem Meer. Die Serie „Ship Cancellation“ aus dem Jahr 2004 offenbart Gründe für reale Schiffsuntergänge in Methoden, die darauf abgezielt hatten, Gewinn zu maximieren.

„Sven Johne – Berichte zwischen Morgen und Grauen“ und „Deutsche Börse Photography Prize 2010“ im Frankfurter Kunstverein, Markt 44. Geöffnet bis 25. Juli Dienstag bis Sonntag, 11 bis 19 Uhr.

Die aktuellste Arbeit „Häfen (Harbours)“ wurde eigens für die Ausstellung produziert. Sie besteht aus fünf Bildern, die verschiedene Ansichten einer Hafenanlage vor Großstadtsilhouette zeigen. Die großformatigen, mit Pinsel nachbearbeiteten Aufnahmen befassen sich inhaltlich ebenfalls mit einer Facette gesellschaftlichen Scheiterns, ragen formal jedoch heraus.

Parallel zur Einzelausstellung werden die Gewinner des „Deutsche Börse Photography Prize 2010“ präsentiert. Während Anna Fox den britischen Alltag enthüllt und Zoe Leonhard sich mit Architektur auseinander setzt, verfolgen Donovan Wylie und Sophie Ristelhueber einen dokumentarischen Ansatz.

Quelle: op-online.de

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