Mosaik aus Momentaufnahmen

Frankfurt - Groß geworden ist er mit dem Portrait einer Generation, die mit Nutella, Sesamstraße und Raider aufwuchs. Von Maren Cornils

Für sein fünftes Buch, „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ hat sich Florian Illies einer Zeit angenommen, die ihn zwar seit langem ungeheuer fasziniert habe, wie er im Literaturhaus Frankfurt gestand, die aber beinahe 100 Jahre zurückliegt. Als Abnabelung von seinen früheren Werken möchte der Autor die Jahreschronik dennoch nicht verstanden wissen. Im Gegenteil: Wie auch sein Erstlingswerk sieht Illies im literarischen Revue passieren lassen die Möglichkeit, eine Generation mit dem Wissen der Gegenwart zu erklären, Stimmungen, Trends, Denkweisen und Ereignisse neu zu interpretieren und viele winzige Mosaiksteinchen zu einer Epochen-Chronik zusammen zu setzen.

„Welcher Geist bestimmt diese Zeit, welche Energien flossen damals. Das hat mich interessiert“, gesteht Illies, der überzeugt ist: „Das Jahr 1913, das Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, mag zunächst unspektakulär erscheinen. Doch in diesem Jahr deutete sich vieles an, was Einfluss auf die kommenden Jahre haben würde.“ In einem am Medium Film orientierten Montageprinzip reiht er Momentaufnahme an Momentaufnahme. Herausgekommen ist zwar kein stilistisches Meisterwerk. Illies gelingt es jedoch, ein Jahr zum Leben zu erwecken, das in der Geschichtsschreibung bislang keine besondere Berücksichtigung fand.

Quelle: op-online.de

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