Mousonturm-Aktion „Evakuieren“

Kunst erschließt die Region

Auf Entdeckungsreise: Der japanische Künstler Akira Takayama recherchierte unter anderem in Fechenheim für sein Projekt. - Fotos: Mousonturm/Bernauer

Frankfurt - Der japanische Künstler Akira Takayama hat im Auftrag des Frankfurter Mousonturms eine Kunstaktion entwickelt, die das Rhein-Main-Gebiet zumindest symbolisch zusammen rücken lässt. Von Eugen El 

Eine Katastrophe hat das Rhein-Main-Gebiet nicht heimgesucht. Wenn man in diesen Tagen auf Plakate und Hinweise mit dem Titel „Offenbach evakuieren“ stößt, dann ist man vielmehr dazu eingeladen, einer künstlerischen Aktion beizuwohnen. Der japanische Künstler Akira Takayama hat sie in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm entwickelt. Zwischen Wiesbaden und Hanau kann man bis 5. Oktober an diversen Touren teilnehmen, die zu Installationen, Performances und Aktionen führen.

Takayamas Ziel ist es, die seiner Ansicht nach zerstreuten und unzusammenhängenden Städte des Rhein-Main-Gebiets mithilfe der bestehenden öffentlichen Nahverkehrsstrecken miteinander zu verbinden. Auch sollen die Teilnehmer eine Gelegenheit dazu bekommen, vertraute Orte neu zu erleben, aus dem Alltag zu fliehen. Gleichwohl beschäftigt sich ein Teil der Beiträge mit realer Flucht und Evakuation.

Startpunkt für jeden Interessenten ist die Webseite www.evakuieren.de. Dort muss man zuerst einige überraschende Fragen beantworten, anhand derer man im nächsten Schritt eine Tour vorgeschlagen bekommt. Zu jeder Tour gehört eine Karte mit Anweisungen zu Ort, Zeit und Voraussetzungen der Teilnahme. Die meisten Aktionen sind kostenlos, allerdings fallen Gebühren für die Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr an.

Eine Station in Offenbach

Die Nahverkehrsstrecken spielen eine Schlüsselrolle.

Auch Offenbach ist Station einiger Touren. Dort, wie unter anderem auch in Hanau, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden und Frankfurt, hat Takayama mit Künstlern zusammengearbeitet, die eigene Projekte beigesteuert haben. Oft geht es darum, sich an Orte zu begeben, die man sonst nicht betritt, neue Dinge auszuprobieren, sich Situationen auszusetzen. Als Teilnehmer weiß man letztendlich nur in etwa, was einen erwartet: Neugierde, Offenheit und ein wenig Wagemut sind daher angebracht. So erzählt eine von Takayama konzipierte Installation vom Schicksal der Bewohner der japanischen Kleinstadt Futaba, die nach dem Atomunfall in Fukushima komplett evakuiert wurde. Den Umgang mit dem eigenen Körper kann man indes an vier als etwas unseriös geltenden Orten in unmittelbarer Nähe des Hanauer Hauptbahnhofs erleben.

„Evakuieren“ ist ein komplexes künstlerisches Experiment, das auf die Partizipation der interessierten Bevölkerung angewiesen ist. Im besten Fall könnte es tatsächlich eine symbolische Einheit zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden des Rhein-Main-Gebiets stiften.

Zumindest auf der Ebene der Verkehrsinfrastruktur besteht diese Einheit längst. Jeder Student weiß die Vorzüge des RMV-Semestertickets zu schätzen, mit dem man problemlos zwischen Hanau, Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden pendeln kann. Dass es für „Evakuieren“ und auch darüber hinaus kein spezielles RMV-Ticket gibt, ist daher sehr schade. Die Fahrt zwischen Offenbach und Frankfurt ist nicht günstig, von den weiteren Strecken gar nicht zu sprechen. Die an sich spielerische und anregende Aktion demonstriert daher unfreiwillig die verkehrspolitischen Schwachstellen des Rhein-Main-Gebiets.

„Evakuieren“ bis 5. Oktober im Rhein-Main-Gebiet. Informationen unter www.evakuieren.de.

Quelle: op-online.de

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