Aufgeblasene Fimszenen ohne Erkenntnisgewinn

Frankfurt - Der biblischen Legende nach schuf Gott die Welt in sechs Tagen. Ganz so lang brauchen norton.commander.productions für den Aufbau ihres szenischen Abbilds zwar nicht. Von Stefan Michalzik

Gehörig Zeit vergeht aber schon, bis die vier teils zottelbärtigen Männer des Dresdner Ensembles unter Zuhilfenahme tosender Kompressoren Tannenbäume, Lämmer, Hühner, Kühe, Löwen und allerlei anderes aufblasbares Getier auf der Bühne aufgerichtet haben.

„Wie süß!“, flüstert bei der Uraufführung des Stücks „X Gebote“ im Frankfurter Mousonturm eine Frauenstimme im Publikum. Die sich lange dahinziehende stumme Schau der Possierlichkeiten mag einen allerdings auch zum Blick auf die Uhr anregen. Es vergeht einige Zeit, bis Adam und Eva auftauchen, beide im Militarylook. Der verhängnisbringende Apfel prangt knallrot an einer Palme.

Ratlosigkeit. Da tut sich nichts ernstlich, es dauert nur. Das seit Mitte der neunziger Jahre aktive Autorenregieduo um das Ehepaar Harriet Maria und Peter Meining bedient sich immer wieder des Mediums Film, meist in einer sinnstiftenden Weise. Diesmal drillt der mit einer Kapitänsuniform angetane Schauspieler und einstige Defa-Star Hermann Beyer als patriarchalischer Gottvater mit Zitaten aus Stanley Kubricks Antikriegsfilmklassiker „Full Metal Jacket“ in einer nachtleeren Shoppingmall seine Familie. So sehr, dass diese bei der wie immer großartig auf den Punkt hin agierenden Irm Hermann in die phrasenträchtige Therapeutenstunde gehen müssen, wo unter anderem Judas – der gut zehnjährige Sohn der Meinings – von seinem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom spricht. Aufgeblasen auch diese Filmszenen. Kein Erkenntnisgewinn. Bloß kabarettistischer Kakao in karnevalistischer Kostümierung.

Nach der Pause formiert sich das Ensemble zur Band und dekliniert John Lennons „Imagine“ ironisch quer durch den Stilgarten von Disko bis Industrial. Das ist mal mehr und zum großen Teil weniger originell; es offenbart jedoch, dass sich mit diesem schauspielerischen Dilettantentrupp etwas hätte anfangen lassen. Oh ja: Hier soll es nun um das siebte Gebot „Du sollst nicht töten“ gegangen sein. Tja.

Die Beschäftigung des Meiningschen Familienbetriebs mit den zehn Geboten ist auf drei Jahre angelegt. Das gibt Anlass zu Befürchtungen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Gabi Schoenemann/pixelio.de

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