20 000-Euro-Defizit und schwierige Hunde

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Beate Laudien und dem Tierheim Münster fehlen die Einnahmen, die auch durch die Hunde aus Spanien erwirtschaftet worden sind.

Münster - Spanische Hunde, falsche Impfpässe – die Vorwürfe waren heftig, die vor rund drei Jahren aus dem Veterinäramt des Landkreises aufs Münsterer Kreistierheim niedergeprasselt sind. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt das Verfahren eingestellt. 

Wie es heute um Mensch und Tier an der Munastraße bestellt ist, darüber hat sich OP-Redakteur Alexander Klug mit der Leiterin des Tierheims, Beate Laudien, unterhalten.

Vor ein paar Tagen hat der Tierschutzverein den alten Vorstand zum neuen gemacht. Ist Ruhe eingekehrt im Münsterer Westen, Frau Laudien?

Ja und nein. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Tierschutzverein eingestellt, scheinbar haben die Beweise für ein Verfahren nicht ausgereicht. Aber wir haben eine sehr schwere Zeit hinter uns, die den Verein und das Tierheim schwer mitgenommen hat. „Ruhig“ ist etwas anderes.

Inwiefern?

Es klafft ein Loch von 20000 Euro in der Kasse, im vergangenen Jahr hatten wir nicht mehr 56000, sondern nur noch 36000 Euro zur Verfügung. Und auch für uns sind Energie und Wasser teurer geworden. Wir haben schon gespart, wo es geht, Personal entlassen. Dieses Defizit kann der Verein nicht tragen, unsere 16 Mitgliedkskommunen werden sich bewegen müssen. Sie haben seit Jahren die Beiträge nicht erhöht und vor allem die Aufnahme sogenannter gefährlicher Hunde kostet Geld und setzt mehr geschultes Personal voraus, das wir nicht haben. Es kann passieren, dass unser Geld nicht einmal bis Ende des Jahres reicht.

Welche Rolle spielen dabei die Hunde aus Spanien?

Da von dort keine Tiere mehr kommen, können wir auch keine vermitteln, diese Einnahmen fehlen. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Die hat sich hier vorher keiner in die eigene Tasche gesteckt. Davon haben wir jeden Euro wieder ins Tierheim investiert. Einnahmen gehen in gleich doppelter Hinsicht verloren: Zum einen hat die Vermittlung der beliebten spanischen Tiere Geld in die Vereinskasse gebracht. Zum anderen haben die spanischen Hunde Besucher ins Tierheim gebracht, die auch die Vermittlungschancen der anderen, deutschen Hunde erhöht hat.

Wie das?

Von denen, die vorbeikommen, ist unter 50 vielleicht auch mal einer, der uns einen nicht ganz so einfachen Hund abnimmt. Denn unter den Tieren bei uns ist die Quote der schwer vermittelbaren recht hoch, da wir ja nur solche Tiere im Heim haben, die die Besitzer aus irgendeinem Grund nicht mehr wollten, die gefunden oder von der Verwaltung eingezogen wurden. Nur mit Schäferhunden, Rottweilern und Kampfhunden in den Zwingern kann man kaum jemanden begeistern. Wir fragen uns auch, warum viele andere Heime in der Umgebung weiterhin ausländische Hunde in den Zwingern haben dürfen, nur wir nicht.

Wie gestaltet sich der Umgang mit schwierigen Hunden?

Es gibt eben eine Menge Vorschriften: Nur speziell geschultes Personal darf sich um sie kümmern, viele können sich die Haltung eines solchen Tieres wegen der in manchen Orten hohen Steuer auf Kampfhunde nicht mehr leisten. Und die Gemeinden denken, dass in ihrem Beitrag zum Verein Kreistierheim die Unterbringung ihrer Kampfhunde enthalten ist. Das funktioniert nicht.

So mancher in Münsterer Rathaus und Kreisveterinäramt hat bei der Vorstandswahl des Tierschutzvereins auf einen Wechsel gehofft. Der kam nicht. Warum?

Weil das eine Angelegenheit des Vereins ist und von niemandem sonst. Das Kreisveterinäramt hat uns im Januar einen Brief geschrieben und eine neue Vereinsspitze innerhalb von vier Wochen gefordert. Darauf sind wir nicht eingegangen. Und wenn im Münsterer Rathaus jemand kritisiert, ich könne nicht gleichzeitig Vereinsvorsitzende und Tierheimleiterin, also meine eigene Angestellte sein, der muss mir erklären, wie ein Bürgermeister gleichzeitig Bürgermeister und Chef des Vereins Kreistierheim sein kann. Da müsste ja eigentlich der eine dem anderen sagen, dass er mehr Geld ausgeben muss. Ein weiterer Grund ist ganz einfach: Es gibt schlicht kaum Leute, die für ein solches Amt zur Verfügung stehen.

Sie wollen aber trotzdem weitermachen?

Wenn die Voraussetzungen stimmen, sehr gerne. Ein super Team hab ich schon.

Kreistierheim in Zahlen

  • Der Tierschutzverein hat 390 Mitglieder.
  • Im Heim leben 25 Hunde (voll besetzt); auderdem Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen.
  • Der Verein Kreistierheim hat den Tierschutzverein Münster mit der Bewirtschaftung des Heims an der Munastraße beauftragt.
  • Dem Verein Kreistierheim gehören 16 Kommunen an, darunter Münster und Eppertshausen.
  • Jahresbudget: 36000 Euro vom Verein Kreistierheim.

Quelle: op-online.de

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