Abend mit Starkbier und Schweinshaxe

Münster - Die Paulaner-mönche erfanden einst das Salvator-Bier und führten damit die Starkbierzeit in ihrem Kloster am Fuße des Nockherbergs ein. Von Michael Just

Wer aber glaubt, dass man dem Starkbieranstich nur in Bayern frönt, der irrt: Ein kleines Wandervolk in Münster erweckt die „fünfte Jahreszeit“, wie sie in Bayern oft genannt wird, auch in hiesigen Gefilden zum Leben. Am Samstag Abend hieß es auf zum „Salvatorabend“ ins Vereinsheim von „Frisch Auf“.

Zwar verzichtet man hierzulande auf das sogenannte „Politiker-Derblecken“, wie es bei den bayerischen Nachbarn Tradition ist, dafür konzentrierte man sich auf Schmankerl wie gegrillte Haxen, Schweinekrustenbraten, Weißwürste und natürlich den rötlich schimmernden Gerstensaft. Über einen Getränkehändler wurde das Salvator vorbestellt, dazu hatte man mit Alleinunterhalter „Bucky 97“ ein bekanntes Original jenseits des „Weißwurstäquators“ engagiert. Mit zünftiger Volksmusik und dem einen oder anderen Schlager sorgte er für Oktoberfeststimmung und bescherte den Gastgebern – ganz in Anlehnung an ihren Deckenschmuck – einen weiß-blauen Himmel. Es wurde getanzt, geschunkelt und die Stimmung stieg merklich, was nicht zuletzt auch an den süffigen Eigenschaften des Starkbiers lag.

Den Salvator-Anstich genossen die Münsterer nicht alleine, wie ein großer Tisch mit 25 Gästen aus Langstadt zeigte. Die befreundete Schützengesellschaft war nachmittags mitsamt ihrem Vorsitzenden Harry Blamitzer in die Gersprenzgemeinde gewandert, zurück ging es mit Taxi oder Bus. Die Nähe zu Bayern spürte man bei den Langstädtern deutlich: „Vor drei Wochen waren wir in Groß-Ostheim bei den Starkbierwochen. Wir sind regelmäßige Grenzgänger“, erzählt der Vorsitzende. Als halbe Bayern sehe man sich trotzdem nicht: „Vielmehr als Osthessen“, lacht Blamitzer. Vom bayerischen Abend schwärmte auch „Frisch Auf“-Pressewart Bodo Lerch: „Wo bekommt man denn in dieser Gegend sonst frisch gezapftes Salvator?“, fragt er – freilich rhetorisch. Wie er verrät, bleibt vom heutigen Abend immer noch mit Absicht ein Rest übrig: „Das schmeckt dann am 1. Mai nochmal so gut.“

Wer sich genau umschaute, entdeckte im Vereinsheim auch zwei zünftige Burschen in Lederhosen: Wilfried Legler und „Frisch Auf“-Chef Karlo Rosskopf. Rosskopf ließ sich seine Lederhose in Berchtesgaden maßschneidern. Mittlerweile ist er dort sieben bis achtmal im Jahr und die Stadt ist zu seiner zweiten Heimat geworden. „Meine Hose ist zwar original bayerisch, stellt aber trotzdem keine Original-Tracht dar“, erzählte er. Das liege daran, dass die dortigen Trachtenvereine schwarze Lederhosen tragen. Wie er ergänzt, sei die braune Ausfertigung von ihm aber gewollt: Zwar könne sich jeder in Berchtesgaden ohne Probleme eine Original-Tracht kaufen, Rosskopf sieht es aber, wie er sagt, als eine Form des Respekts, dass die schwarzen Lederhosen alleine Einheimischen und Trachtenvereinen vorbehalten bleiben sollten. Unberührt davon ist aber seine Einstellung zum bayerischen Bier: „Das trinken wir natürlich trotzdem gerne.“

Quelle: op-online.de

Kommentare