Vom Warten auf Bagger

Kritische Randbemerkungen vor der Verabschiedung

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Sie haben die Schulzeit auf der Aue hinter sich gebracht: 229 Schüler wurden gestern in der Gersprenzhalle verabschiedet. Schulleiterin Sabine Behling erinnerte nicht nur an Höhepunkte.

Münster - 229 Schüler der Jahrgänge 9 und 10 verabschiedete die Schule auf der Aue, eine Kooperative Gesamtschule, gestern in der Gersprenzhalle. Umrahmt von Festansprachen und Musik setzte Schulleiterin Sabine Behling auch politische Akzente. Von Thomas Meier 

Den Reigen der Reden eröffnete Bürgermeister Gerald Frank, der trotz engen Terminkalenders den Weg in die warme Halle fand. Er berichtete den Aue-Abgängern von seiner Arbeit mit dem Gemeindevorstand, um für politisches Engagement zu werben. Letzteres mache „einen Riesenspaß“ in Münster. Im kleinen Vorstand, der über alle Aufträge im Volumen von über 10 000 Euro zu beraten habe, engagierten sich die Mitglieder in erster Linie für den Ort, dann käme erst die Partei. Man könne nicht früh genug mit der Politik beginnen, kam Frank auf 70 Jahre Frieden im Land zu sprechen, der auch politischem Handeln geschuldet sei. Sich dafür einzusetzen, sei keine Selbstverständlichkeit. Frank riet den Abgängern, sich mal ein Geschichtsbuch zu schnappen und über Freiheitskämpfer nachzulesen. Großer Beifall wurde dem Bürgermeister zuteil, der die Schüler auch einlud, seine monatlichen Sprechstunden zu besuchen, als er seine ausführliche Ansprache beendet hatte.

2011 und 2012 sind die gestern Verabschiedeten an die Schule auf der Aue gekommen. „2012 wurde die pädagogische Planung für die Sanierung der Schule fertiggestellt und seitdem warten wir gemeinsam auf die Bagger und den Beginn des Umbaus“, wandte sich die Schulleiterin kämpferisch an die Versammelten. Gebaut worden sei in der Schulzeit der Abgänger ein sehr gelungenes naturwissenschaftliches Gebäude: „Ihr konntet schon in hochmodernen Labors und Fachräumen in Physik, Chemie und Biologie unterrichtet werden,“ sagte Behling, dafür habe es aber auch viel Provisorisches und Ausweichklassenräume gegeben.

In die Schulzeit fiel auch das Ende von G8. Behling: „Ein Politikum, mit dem vor vielen Jahren Wahlkampf gemacht wurde, mit dem zunächst Stimmen gewonnen, aber auch wieder verloren wurden.“ Ihren Glauben an die Demokratie habe diese Entwicklung gestärkt, setzte sie ein Aufrufezeichen. Gesetze seien veränderbar und gingen vom Volke aus: „In diesem Sinne ist die Rückkehr zu G9 gelebte Demokratie“.

Abschlussfeier der Schule auf der Aue in Münster: Bilder

Musikalisch umrahmt wurde die Abschlussfeier an der Aue vom großen Schulorchester, das unter der Leitung von Carnelia Krones steht.

Über diesen Weg kam Behling zu den einzelnen Abschlüssen, denn eine Klasse G10 wurde gestern verabschiedet, ab dem nächsten Schuljahr werden alle Gymnasiasten wieder nach zehn Schuljahren aus der Aue entlassen. Von 39 Hauptschülern haben 36 den Abschluss erreicht, davon 24 den qualifizierenden, mit dem im nächsten Jahr der Realschulabschluss gemacht werden kann. Die 10. Hauptschulklasse verlassen zwölf Schüler mit dem Realschulabschluss, davon zwei mit qualifizierendem Abschluss. Erstmals vergab die Aue-Schule auch berufsorientierte Abschlüsse (BO) der Förderschule: „Der Beweis für gelebte Inklusion an unserer Schule.“ Von 81 Realschülern erreichten 76 den mittleren Bildungsabschluss, davon 29 den qualifizierenden, der Zugangsvoraussetzung für die gymnasiale Oberstufe ist. Aus dem Gymnasialzweig verabschiedete man 72 Schüler des Jahrganges 9 und 16 des Jahrganges 10. Da sie aber keine Schulabgänger sind, bekommen sie ihre Zeugnisse erst nächsten Freitag und haben noch eine Kultur- und Sportwoche vor sich. Ein ökumenischer Abschlussgottesdienst leitet am Montag die Verabschiedung ein. Doch bereits heute Abend steigt als Höhepunkt des Abschluss-Reigens der von den Eltern organisierte Abschieds-Ball in der Gersprenzhalle.

Quelle: op-online.de

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