Abschiebung empört Beirat

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Großes Interesse an der ersten Sitzung des neuen Münsterer Ausländerbeirates zeigten rund 50 Bürger.

Münster - Der Ausländerbeirat Münster ist empört über einen Abschiebebescheid des Kreises. Die Ausländerbehörde will Ende des Monats zwei seit etlichen Jahren in Münster lebende Kosovaren des Landes verweisen. Von Thomas Meier

Und er beschloss nicht nur, die Betroffenen bei ihrem rechtlichen Einspruch dagegen zu unterstützen. Er wird auch ein Gesuch an den Petitionsausschuss des Landes richten. Per Eilantrag soll die drohende Abschiebung verhindert werden.

Zu seiner ersten öffentlichen Sitzung nach der Konstituierung hatte am Mittwochabend der Ausländerbeirat ins Storchenschulhaus eingeladen, und dem neuen Gremium war ein beachtlicher Erfolg beschert: Schlag 19 Uhr ging die Tür im Versammlungsraum unterm Dach auf und wollte sich nicht mehr schließen. Über 50 Gäste interessierten sich für den Fall. Und vor den Augen und Ohren zahlreicher ausländischer Mitbürger verfolgten auch Vertreter von Kirchen, Verwaltung und Parteien die Beschlussfassung des erst am 7. November vergangenen Jahres gewählten Gremiums.

Die Moderation der Beiratssitzung oblag Hülya Lehr, der im Ausländerbeirat noch Mirza Shafqat Baig, Mubashar Ahmad Sraa, Vittorio Pannone und Raja Ahmad angehören. Sie freute sich über die große Resonanz der Versammlung, zu der auch etliche Münsterer Bürger ohne Migrationshintergrund fanden.

Amt wirft den Kosovaren fehlende Integration vor

Die Geschichte, um die es dabei geht, ist alltäglich. In ihrer Schlichtheit gar anrührend, aber eben profanes Alltagsgeschäft. Da floh eine gebrechliche Mutter mit ihrem Sohn aus dem zusammenbrechenden Jugoslawischen Vielvölkerstaat. Die beiden verschlug es nach Münster. Hier hatten sie von Oktober 2004 bis Februar 2006 den Status von Asylbewerbern. Später wurden ihnen jeweils Aufenthaltstitel für je sechs Monate erteilt.

Und eben diese Aufenthaltstitel wurden den Betroffenen, die nicht namentlich genannt wurden, Mitte Februar von der Ausländerbehörde des Kreises per Verfügung entzogen. Grund: Sie hätten das deutsche Sozialsystem ausgenutzt und sich der Integration verweigert.

Gemeinsam mit dem Anwalt der Kosovaren schilderte Lehr, wie sich der Fall dem Ausländerbeirat darstellt. Demnach hatten der schwer vom Krieg traumatisierte Sohn und die gehbehinderte Mutter einst Asylantrag gestellt, weil sie in ihrer Heimat lebensgefährdenden Bedrohungen ausgesetzt gewesen seien. Hatte der Sohn im Laufe der Zeit erfolgreich einen Integrationskurs (mit Spracherwerb) absolviert, so sollte dies seiner nicht des Lesens kundigen Mutter verwehrt bleiben.

Angeblich aus Liebe die Auflagen verletzt

Die alte Frau, behindert und Analphabetin, war auf dem Arbeitsmarkt nie unterzubringen, der kriegsverletzte und an Epilepsie leidende Sohn hatte bislang nur kurzfristige Minijobs, bezog ansonsten Staatshilfe. Mit letzterer sind Auflagen verbunden, gegen die der junge Mann verstieß. Er hatte eine Landsmännin kennen- und lieben gelernt, die allerdings in der Schweiz lebt. Um Papiere für die Heirat zu bekommen, wandte er sich zwar zunächst ans für solche Dinge zuständige Serbische Konsulat, doch half dies nichts.

Er reiste sowohl in die Schweiz als auch in seine Heimat, obwohl er hier stets sagte, dies könne, wolle und dürfe er nicht. Sein Pech: Die Beziehung mit der in der Schweiz lebenden Kosovarin endete im Streit, laut Anwalt auch aus verletztem Ehrgefühl heraus habe sie den in Münster Lebenden bei den Behörden angeschwärzt.

Der Ausländerbeirat sucht nun mit den Betroffenen und dem Anwalt nach „einer humanitären Lösung“, wozu die Beschlüsse dienen sollen. Von der Gemeindevertretung war in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Erster Beigeordneter Norbert Schewe gekommen. Er sagte, für eine Unterstützung der Kommunalpolitiker sei der Zeitrahmen zu knapp und riet den Weg über den Petitionsausschuss. Thomas Lay von der ALMA unterstützte dies und sagte zu, den Fall in seiner Fraktion einzubringen. Pfarrer Bernhard Schüpke versicherte, die Angelegenheit zu verfolgen und wohlwollend zu begleiten.

Der Ausländerbeirat werde den Fall im Auge behalten, erklärte Hülya Lehr.

Quelle: op-online.de

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