Nichts schuldig bleiben

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Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt bei ihrer humorvoll-engagierten Ansprache zur Verabschiedung der Aue-Schüler.

Münster - Endlich konnte die Schule auf der Aue wieder einmal einen „Großen Bahnhof“ in der Gersprenzhalle halten, deren lange Sanierung so viele Monate dunkle Schatten über den doch empfindlich gestörten Schulbetrieb legte. Von Thomas Meier

Auch davon war gestern Mittag die Rede, doch galt die Veranstaltung ganz der feierlichen Verabschiedung von 228 Schülern der Jahrgänge 9 und 10. Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt erinnerte in ihrer engagierten und auch kritischen Rede daran, dass dieser Jahrgang wohl der letzte starke mit mehr als 200 Schülern sei, die neuen Jahrgangsbreiten lägen bei 160 bis 180 Schülern.

Den festlichen Reigen eröffnete das Schulorchester mit einem Stück aus der Feuerwerkmusik Händels, der Ansprache der Direktorin folgten welche des Schulelternbeirates und des Schulsprechers Marvin Werner. Später schlossen sich Grußworte kirchlicher Vertreter und des Schulfördervereins an.

Die 228 Schüler freilich harrten eher der Zeugnisse, die es aber erst nach der Abschiedsfete in den Klassenzimmern gab. In drei Bildungsgängen wurden Abschlüsse oder Übergänge vergeben. Von 38 Hauptschülern auf der Aue erreichten sieben den Hauptschulabschluss und 30 den qualifizierenden Hauptschulabschluss, der zum Erreichen des Realschulabschlusses in ein bis zwei Jahren qualifiziert. Vielfältige Prüfungen waren dafür zu absolvieren. Sie begannen bereits im Herbst mit Projekten in Kleingruppen.

Sieben Schüler verabschiedete Behling-Schmidt aus der Hauptschule in einen Lehrvertrag, alle anderen wechseln in weiterführende Schulen oder in die hauseigene H10 zur Erreichung der Realschulreife. In der aktuellen 10. Hauptschul-Klasse haben alle 14 Schüler den Realabschluss erreicht, sieben davon sogar den qualifizierenden Realschulabschluss, der zum Besuch der gymnasialen Oberstufe qualifiziert.

Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt bei ihrer humorvoll-engagierten Ansprache zur Verabschiedung der Aue-Schüler.

86 Realschüler legten ihren mittleren Bildungsabschluss erfolgreich ab, davon 49 den qualifizierenden (57 Prozent). Neben drei- bis vierstündigen schriftlichen Prüfungen in den Hauptfächern mit Themen wie englische Veranstaltungsplanung oder Termen- und Parabelberechnungen gab es Einzelpräsentationsprüfungen, die laut Schulleiterin „teilweise an Proseminararbeiten der Universitäten erinnerten“. Atomenergie und alternative Energiegewinnung seien darin genauso diskutiert worden wie Menschenrechte im Fach Politik und Wirtschaft. „Oder auch der Einfluss von Coco Chanel auf das Bild der Mode der damaligen Frau im Fach Kunst“, sagte die Direktorin. 31 Schüler aus diesem Block beginnen nun eine Lehre, alle anderen besuchen weiterführende Schulen der Sekundarstufe II.

Aus dem gymnasialen Zweig gratulierte die Schulleitung vier neunten Klassen mit über 90 Schülern zur Versetzung in die Eingangsstufe der gymnasialen Oberstufe. Ihnen rief Behling-Schmidt zu: „Ich freue mich darauf, euch in drei Jahren bei eurem Abitur wieder zu sehen.“ Und sie hatte diesen Abgängern noch etwas mitzugeben, eine Lebensweisheit, die sie zuvor auch schon Abiturienten angedeihen ließ. Sie bemühte nicht Goethe oder Schopenhauer, ihre Weisheit entspringt vielmehr den neuzeitlichen Punk-Denkern „Die Ärzte“, die da in ihrem Lied „Deine Schuld“ in die Welt herausrufen: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt so ist wie sie ist. Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bliebe.“

Quelle: op-online.de

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