Vom Acker bis Hawaii

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Hans-Joachim Burger hatte mitten in einem Münsterer Feld seine Funkstation aufgebaut.

Münster - 24 Stunden lang funken und dabei möglichst viele Länder erreichen, das war das Ziel beim bundesweiten 24-Stunden-Wettbewerb der Funker in Münster. Von Jasmin Frank

Lastende Hitze senkt sich über die Münsterer Felder. Die Luft flimmert und so mancher Spaziergänger mag sich im ersten Moment fragen, ob das, was er da auf einem abgeernteten Acker in der Nähe des sandsteinernen Feldkreuzes nahe des Gersprenzstadions sieht, Realität ist oder eine Sinnestäuschung: Zahlreiche Kabel, Drähte und Schnüre sind an zwei riesige Masten gespannt und bieten einen kuriosen Anblick - wie eine Zirkuskuppel ohne Zeltplane.

Zwei hohe Masten, zwischen denen die Antennen gespannt sind, verbinden die Funker mit dem Rest der Welt.

„Wir sind hier eine von über 70 Stationen der Klasse Low Power in der Bundesrepublik, die an einem Funkwettbewerb teilnehmen. Insgesamt sind es sogar noch mehr, etwa 250 Stationen“, erläutert Hans-Joachim Burger. Der Babenhäuser mit dem Rufzeichen DF9ZP verbrachte gemeinsam mit seinem Münsterer Vereinskollegen Joachim Bandrack – Rufzeichen DK8ZB – das gesamte Wochenende im Münsterer Feld, denn sie hatten eine durchaus anstrengende Aufgabe zu bewältigen: 24 Stunden lang funken und dabei möglichst viele Länder erreichen.

„Ich liebe solche Wettbewerbe, das macht mir einfach sehr viel Spaß. Im Schnitt erreichen wir bis zu 150 Länder“, informiert Burger. Das Zweierteam wechselt sich alle sechs bis acht Stunden ab und arbeitet durchgängig auf fünf Frequenzen, insgesamt erzielen sie so bis zu 1 000 Verbindungen. Je länger der Wettbewerb läuft, desto schwieriger wird es für die Teilnehmer, noch neue Ziele zu erreichen. Gewertet wird mit Multiplikatorenpunkten pro erreichtem Land und jeweiliger Frequenz.

Ein anderes Wetter als andere Menschen beobachten

„Wir müssen uns dabei auch an den Tag- und Nachtverhältnissen orientieren, denn manche Frequenzen funktionieren nachts besser als tagsüber und umgekehrt“, erklärt der Babenhäuser. Schon morgens hat er von Münster aus Hawaii erreicht, eines der Ziele, das per Funk eben nur zu bestimmten Tageszeiten zu kontaktieren ist. Burger und Bandrack sind im Ortsverein „F27 Main Taunus“ organisiert, der zum Deutschen Amateur Radio Club gehört und etwa 150 Mitglieder zählt.

Die Männer sind nicht nur von den Wettbewerben fasziniert, sondern auch von der Technik und den zahlreichen Kenntnissen, die für Funker einfach dazu gehören. „Wir beobachten ein anderes Wetter als andere Menschen, denn für uns ist das Funkwetter von Bedeutung, dazu zählen vor allen Dingen die Sonnenflecken, die eine Auswirkung auf die Frequenzen haben“, weiß Burger. Das Besondere an seiner in Münster aufgebauten Anlage ist, dass sie unabhängig vom Stromnetz läuft und somit auch für Notfälle geeignet wäre.

„Das gesamte Thema Funk ist einfach spannend und deshalb freuen wir uns in unserem Verein auch, wenn mehr junge Leute dazukommen und sich von der Vielseitigkeit des Funkens faszinieren lassen“, wirbt Burger.

Wie DF9ZP und DK8ZB bei ihrem Wettbewerb abgeschnitten haben, werden die Funker erst in etwa acht Wochen erfahren, denn die Auswertung der Daten dauert einige Zeit.

Quelle: op-online.de

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