Von Ängsten und der Ex

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„Ariwiedätschi“ lautete das Programm, mit dem Maddin auf Einladung des SV Münster zu Gast war.

Münster ‐ Manchmal ist „Maddin“ alias Comedian Martin Schneider vergesslich: Dann läuft für ein Bad drei Stunden der Wasserhahn und setzt die Wohnung unter Wasser. Mit Blick auf den steigenden Pegel erfolgt der erste Schock, als ihm die Donald Duck Sammlung aus dem Kleiderschrank entgegenschwimmt. Von Michael Just

Zur Beruhigung gibt’s sechs Tafeln Schokolade: „Das ist gut gegen das Gehirn“, ist er sich sicher. Aus dem Zuckerschock im Oberstübchen resultiert die Idee, mit dem multifunktionsfähigen Staubsauger die Wassermassen einfach aufzusaugen. Als die Technik versagt, erfolgt der Anruf in puncto Garantie direkt beim chinesischen Hersteller und eine weitere Weisheit: „Die vielen Überschwemmungen in China kommen daher, weil die Staubsauger nichts taugen.“

Am Donnerstag präsentierte der SV Münster in der Kulturhalle Martin Schneider. Der gebürtige Hesse aus Burgholzhausen gastierte mit seinem Programm „Ariwiedätschi“. Mittlerweile ist der Comedian durch zahlreiche Fernsehauftritte bekannt. Seine Markenzeichen sind nicht nur seine besonders ausgeprägte Gesichts- und Mundform, sondern auch die gedehnte Aussprache mit der eigenwilligen Betonung, bei der aus dem Aschenbecher schnell ein „Aschebeschääär“ wird.

Wahnwitzige Alltagsgeschichten

In Münster widmete sich Maddin vor allem der Trennung von seiner großen Liebe Janine. Verpackt in wahnwitzige Alltagsgeschichten erzählte er diese aus dem Blickwinkel einer äußerst einfachen Seele, die in dem alten Häuschen seiner Oma mit 300 Meter entferntem Plumpsklo lebt.

Auch in Münster konnte Schneider viele Lacher auf sich vereinen. Vor allem die Kombination seiner markanten Körperzüge und der infantilen Figur des Maddin, der sich köstlich absurd als erotischen „Womanizer“ – beziehungsweise „Schnecke-Checker“ – ansah, sorgte immer wieder für Erheiterung. Über dieses Grundmaß an Albernheiten kam Schneider über seine zwei Stunden Spielzeit aber nicht hinaus. So waren die meisten Gags auf dem immer gleichen Strickmuster eines kindlichen Maddin aufgebaut, der mit seinen allgegenwärtigen Phobien immer noch den Nikolaus fürchtet. Fast monoton wirkte auch der stetige Verweis auf seine Freundin Janine, deren Name im zweiten Teil derart inflationär auftauchte, dass man ihn manchmal nicht mehr hören konnte. Simpel seine erotische Lyrik: „ABC, die Katz liegt im Schnee. Geht der Schnee weg, liegt die Katz im Dreck.“ Etwas mehr Tiefgang, als er über das Ende des Weltalls philosophierte („Was kommt dann? Eine Wand? Und hinter der Wand?“), blieb die Ausnahme. Das meiste waren Erzählungen aus seinem Leben.

Programm mittlerweile zwei Jahre alt

Durch die Fernsehbekanntheit des Comedian wussten die meisten Besucher aber was sie erwartete. Das Fazit unter seine Show zog Schneider im Programm unbewusst selbst: „Manchmal tut‘s weh“, sagte er bei seinen Erörterungen zum Thema „Intelligenz“. Nicht befriedigend war für den Veranstalter die Resonanz mit rund 250 Besuchern. Das mag einerseits an dem Programm Schneiders liegen, das mittlerweile über zwei Jahre alt ist. Wie Wilfried Legler vom Förderverein des SVM sagt, lasse man sich davon aber nicht entmutigen und werde weiterhin als Veranstalter auftreten. Zum geplanten Pfarrerkabarett und der Neuauflage des Kikeriki-Theaters lädt der Traditionsverein dann in der zweiten Hälfte des Jahres beziehungsweise 2011 ein.

Quelle: op-online.de

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