Airbrush-Kunst aus der Pistole geschossen

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Mareike Biek als selbstinszenierte Vampierdame, das Foto/cmposing stammt von Jürgen Wald aus Mainz.

Altheim - Sie nennt sechs Pistolen ihr Eigen und zielt seit 2007 auf so ziemlich alles, was ihr vor die Düse kommt. Zunächst war es nur speziell verstärktes Papier, dann die eigene Mülltonne im Hof am Haus in Altheim. Von Thomas Meier

Es folgten die Spielekonsole der Nichte, Straußeneier und schließlich legt sie seit geraumer Zeit auch auf sich selbst an: Mareike Biek ist Airbrusherin mit Haut und Haar. Ihr außergewöhnliches Hobby brachte der 33-Jährigen schon einen Bekanntheitsgrad weit über die Grenzen Altheims ein. Und beim jüngsten „Zombiewalk“ in Frankfurt trug sie nicht nur ihre eigene, airbrush-geschminkte Haut schockierend zu Markte, sondern verschönerte auch gleich noch einige Freundinnen, die mit der Künstlerin dem Publikum so richtig realitätsnah das Fürchten lehren wollten.

1978 in Dieburg geboren und aufgewachsen, wurden Mareike Biek die Buntstifte wohl gleich mit in die Wiege gelegt. Allerdings nicht von den Eltern, denn in ihrer Familie verspürt nur die gelernte Altenpflegerin den Drang zum Malen. „Bei mir war das Faible einfach da, die anderen haben damit nichts am Hut.“

Stifte und Pinsel hatten ausgedient

Doch Stifte und Pinsel hatten in dem Moment ausgedient, als die Kreative vor vier Jahren erstmals von einem Bekannten an die Airbrush-Technik herangeführt wurde. „Der hatte die ganze Ausrüstung und lieh sie mir auch“, strahlt sie heute noch.

Eigentlich kommt das „Luftbürsten“ aus dem Autolackierermetier. „Etliche Künstler stehen dieser Ausdrucksart ablehnend gegenüber, weil wir mit unserer Technik ja den Malgrund nicht berühren“, sagt Mareike Biek kopfschüttelnd.

Mareike Biek mit monochromem Porträt, gesprüht auf spezielles Airbrush-Papier.

Pünktchen, Pünktchen, Komma, Strich - dies waren die Anfänge an der geliehenen Sprühpistole, erinnert sich die Brusherin, die viel probierte und immer noch am Austüfteln ist. Im Internet stieß sie schnell auf Foren und Blogs, hier holte sie sich Anregungen und Tipps. Bald schon war nichts mehr sicher vor der begeisterten Sprüherin, die heute neben den sechs Pistolen auch zwei Kompressoren (davon einer tragbar), zahlreiche Utensilien und ein Riesen-Sortiment an Farben besitzt.

Wirklich auf alles Sprühen

Dass man wirklich auf alles Sprühen kann, probierte sie gar an sich selbst aus. Freilich mit spezieller Kosmetik-Farbe. Giftige Lösungsmittel, wie sie beim Lackieren etwa von Motorhauben zur Anwendung kommen, dürfen beim Bodypainting nicht benutzt werden. Doch auch wenn die dermatologisch getesteten Schmink-Farben frei von Giften sind, sollte man beim Auftragen dennoch eine Schutzmaske tragen. „Auch bei dieser Technik werden Aerosole frei, die sich in der Lunge absetzen könnten“, weiß die Kompressor-Queen.

Eigentlich sind Tiere und Natur die Themen künstlerischer Auseinandersetzung Bieks. Doch mit den Jahreszeiten einher kommen nicht nur Frühling, Sommer Herbst und Winter, dazwischen gibt es noch Halloween und Fastnacht. Im vergangenen Jahr wagte sie sich erstmals mit einer Freundin zum „Zombiewalk“ nach Frankfurt. Und fiel dort gleich auf. „Unglaublich, welchen Zuspruch unsere Kriegsbemalung bekam“, sagt Biek. Fotografen sprachen die beiden Südhessinnen an und fragten nach Fotoshootings. Und schnell wurde aus dem anfänglichen Spaß am Bodypainting viel mehr.

Mareike Biek und ihre Kunstfertigkeiten buchen

Mittlerweile kann man Mareike Biek und ihre Kunstfertigkeiten buchen. Ein Kreis engagierter Hobbyfotografen aus dem Mainzer Raum brachte sie auf die Idee, denn: „Farben und Equipment für mein Hobby sind recht kostspielig.“

Und so „verziert“ die Wahl-Altheimerin seit geraumer Zeit auf Wunsch Leute für Partys, Kostümbälle oder eben für Fotografen und spezielle Körperbilder. Einer im sechsten Monat Schwangeren etwa sprühte sie ein Bullauge auf den Bauch, hinter dessen Scheibe ein munteres Baby bereits den Ausgang sucht. Feengleich entsteigt auf einem anderen Bild eine eigentlich Entblätterte über-und-über mit Feigenblättern bemalt einem Blätterhaufen im Wald. Und auch ihr Mann musste schon mal den Arm hinhalten für eine Szene, grad als wäre sie aus den Körperwelten Gunther von Hagens entsprungen. Freilich skelettierte sie ihren Schatz nicht, sondern besprühte ihn nur kunstfertig.

Mit Modeliermaterialien, Kunstblut und natürlich Airbrushfarbe auf der Haut schafft sie Untote, dass es einen schaudert. Die Damen und Herren weilen freilich allesamt noch unter den Lebenden und sind wohlauf, doch auf ihrer Homepage www.farbengewitter.de warnt Biek trotzdem: „Die Masken wurden rein für Foto-shootings gemacht, und sollen keinesfalls als Gewalt verherrlichend anzusehen sein.“

Das Airbrushen bleibt ihr ein Hobby, sagte die Altenpflegerin, die in dieser Arbeit in Darmstadts Elisabethenheim ihre wahre Berufung sieht. Kontakt können Interessenten über ihre Homepage mit ihr aufnehmen.

Quelle: op-online.de

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