Alice Hoffmann mit Soloprogramm „Zeichen der Zeit“

Beim Striptease fällt die Kittelschürz’

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Aber bitte mit Sahne: Alice Hoffmann als Kuchenvertilgende Hilde Becker mit sahnephilosophischen Betrachtungen.

Münster - Neben vielen Aktivitäten ortsansässiger Vereine tragen mehr und mehr auch bundesweit bekannte Künstler durch ihre Auftritte in Münsters Kulturhalle zur Kräftigung des kulturellen Profils der Gemeinde bei. Jüngstes Zeugnis dafür legte Alice Hoffmann ab, die in der Comedy-Fernsehserie „Familie Heinz Becker“ als Hilde, Ehefrau von Heinz, einen bundesweiten Bekanntheitsgrad erreichte. Von Peter Panknin 

In Koblenz geboren, im Saarland aufgewachsen, absolvierte Alice Hoffmann ein Schauspielstudium in Saarbrücken und spielte zunächst verschiedene Rollen am dortigen Landestheater. Mit und nach dem Fernsehen kamen Auftritte auf den Kabarett-Bühnen, zuletzt mit erfolgreichen Solo-Programmen. „Die Zeichen der Zeit“ ist so ein Programm, in dem eine auf den Haushalt beschränkte, liebevolle Mami mit einer gewissen Naivität das Leben etwas einfacher zu haben scheint. In den Texten sind aber durchaus scharfe Spitzen verborgen, die durch kunstvoll im Dialekt dargebrachte Versprecher meist gut verhüllt sind.

Hoffmann trägt ihre Texte nicht nur als Monolog vor, sondern agiert interaktiv mit dem Publikum. So fordert sie den für die Bühnenbeleuchtung verantwortlichen Hausmeister auf: „Udo, mach mal e bissje Licht, ich will die da unten mal sehen.“ Die Frage, wer denn nicht aus dem Saarland komme, erwies sich als falsch gestellt, denn es meldeten sich (fast) alle Zuschauer. Nach Umkehrung der Fragestellung gab sich tatsächlich eine einzige Person als Saarbrücker zu erkennen.

Hoffmann hat die Rolle der Hilde Becker weiterentwickelt und sich vorgestellt, was denn so aus einer Frau Mitte 50 werden würde, wenn sie plötzlich alleine dastehen würde. „Wisse Se, wenn man kee Mann mehr hat, kommt mer halt zum Denke.“ Einige Ergebnisse dieses Nachdenkens teilte sie dann sehr unterhaltsam, ohne moralischen Zeigefinger, aber durchaus bedenkenswert, dem Publikum mit. Sie hat nun nicht nur Zeit zum Nachdenken, sondern auch zum Lesen. Gerne sind das Bücher über „Wie halte ich mich fit“ und kommt zur Erkenntnis, dass sie dafür keine teuren Gerätschaften oder Fitnessstudios braucht. Mit riesigem Heiterkeitserfolg demonstriert sie den Zuschauern, wie die Frau von heute unter Zuhilfenahme eines Bügeleisens („notfalls noch durch Wasserfüllung beschwert“) den Bizeps trainieren kann. Ein einfaches Nudelholz dient ihr zur Stärkung der Bauchmuskulatur und strapaziert gleichzeitig die Lachmuskulatur des Auditoriums. Teure, aus Glasfaser gefertigte Stöcke zum Nordic-Walking brauche man auch nicht. Erst einmal nahm die Traumfrau auf der Bühne einen Umweg über das chinesische Kochgeschirr „Wok“, um auf den Begriff „Walking“ zu kommen, um dann zu erklären, „zwei umgedrehte Besen tun´s auch“.

Verwendet sie zunächst im Dialekt gesprochene Begriffe für Sachen oder Handlungen, versucht sie dann mittels „ihrem besten Hochdeutsch“ zu vermitteln, was gemeint sei. Versprecher bleiben dabei natürlich nicht aus. Breite Lachsalven zeigen an, das alle verstanden haben. Nach so viel Sport gab es eine Pause, danach ging es unter anderem mit dem Fremdartigen weiter. Eine dunkel verhüllte Gestalt betrat die Bühne, die Zuschauer durften raten, ob nun eine muslimisch verhüllte Frauengestalt oder eine tief verschleierte Nonne auf der Bühne stehen würde. Wo ist also der Unterschied? Es folgten weitere Versuche, die großen Unterschiede zwischen Christen und Muslimen herauszuarbeiten – ohne großen Erfolg.

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Anhand des bekannten Jauch´schen Ratespiels „Wer wird Millionär“ spielte die Alleindarstellerin dann gemeinsam mit dem Publikum spannende Rätselfragen durch. Einschließlich der Mimik des Fernsehmoderators und der die Spannung steigernde Begleitmusik. Einmal demonstriert bekommen, übernahm das Publikum die Geräuschkulisse und durfte auch die Rolle des Kandidaten übernehmen. Die Fragestellungen und die dazu gehörenden Antworten zeigten auf, dass es auch in unserem Land mit der Gleichberechtigung der Frauen noch nicht besonders gut bestellt ist oder es noch gar nicht so lange her ist, das alte Zöpfe abgeschnitten wurden. So dürfen verheiratete Frauen in Deutschland ein eigenes Bankkonto erst seit 1970 ohne Vollmacht ihres Mannes eröffnen.

Wer so viel lernt, darf auch entspannen und gut essen. Ein Ausflug in die Ernährungswelt folgte. Kaffee und ein großes Stück Obstkuchen standen vor dem Verzehr, allerdings bekamen die Zuschauer nichts davon ab („Ich kann ja nichts dafür, dass ihr auf Diät seid“). Stattdessen schichtete Alice Hoffmann nach jedem Bissen vom Kuchen dicke Schichten von Schlagsahne über das Gebäck („Obst ist gesund, und Sahne macht nichts, ist ja nur Luft“).

Nach sehr viel Beifall am Ende des Programms gab es eine Zugabe „ohne Mikrofon, aber mit Musik“. Udo Schneider legte auf, Alice begann einen Striptease. Zum höchsten Vergnügen der Besucher entledigte sie sich einer Kittelschürze nach der anderen, vom Hausmeister in rotes Licht gehüllt. Mit „eine weitere Zugabe würde jetzt unanständig werden“, beendete Hoffmann ihr Programm.

Quelle: op-online.de

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