Almauftrieb im Kaisersaal

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Regisseurin Tamara Staudt zog mit ihrem Film „Nur ein Sommer“ zahlreich Publikum in den Kaisersaal.

Münster ‐ Schon beim „Schweizer Frühstück“, das den „5. Frauenkinotag“ eröffnete, deutete sich an: Die Veranstaltung der Gemeinde Münster und des Kinos Kaisersaal wird wieder ein voller Erfolg. Von Jens Dörr

„Wir hatten bereits 75 Frauen zum Frühstück da, mussten einige wieder wegschicken, weil bereits alle Plätze belegt waren“, sagt Bettina Herzing-Müller, Betreiberin des Lichtspielhauses Kaisersaal. Etliche ließen es sich bei Berner Zopf, Bircher Müsli und natürlich reichlich Käse gut gehen, ehe weiter geschlemmt wurde – dann aber Kultur: Der Film „Nur ein Sommer“ stand auf dem Programm. Und Regisseurin Tamara Staudt, die familiäre Wurzeln in der Region hat – ihre Schwester betreibt in Eppertshausen ein Computergeschäft -, war persönlich gekommen, um mit den Frauen jeden Alters zu frühstücken und im Anschluss über den Film zu sprechen.

In dem packt Eva, 35-jährige Mutter eines fast volljährigen Sohnes, ihre Koffer. Ihr Freund Marco ist davon wenig begeistert, doch Eva hat keine Wahl: Gute Arbeitsplätze sind rar im brandenburgischen Eberswalde. Das einzige Job-Angebot kommt aus der Schweiz: drei Monate als Melkerin auf einer Berner Alm. Kurzentschlossen macht sich Eva auf den Weg ins Land des Alpenglühens, um Senner Daniel bei der Versorgung seiner 40 Milchkühe zur Hand zu gehen. Reichlich skeptisch steht der ruppige Käsemacher der deutschen Hilfskraft gegenüber. Doch die weiß alle Bedenken zu zerstreuen - durch harte Arbeit und großes Interesse an der hohen Kunst des Käsemachens. Aus Eva und Daniel wird schnell ein eingespieltes Team, das sich auch menschlich immer näher kommt. Das bleibt auch Marco im fernen Deutschland nicht verborgen. Am Ende kommt es aber erstens anders und zweitens als man denkt – ohne an dieser Stelle schon den Schluss zu verraten.

Film für die Zielgruppe „Frauen ab 35“

Denn den Film gibt es für alle, die ihn in Münster verpasst haben, auf DVD zu kaufen. Im Kino startete er schon vor gut einem Jahr – 25 000 Menschen sahen den Streifen seitdem auf der Leinwand, verrät Tamara Staudt im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Film liegt aber auch auf einem kasachischen Server und wird von dort manchmal illegal heruntergeladen“, sagt Staudt und wirkt dabei gar nicht wütend. Fast geschmeichelt sei sie deshalb, wenngleich diese Praxis natürlich rechtlich nicht in Ordnung ist.

„Nur ein Sommer“ sei tendenziell ein Film für die Zielgruppe „Frauen ab 35“, wie Staudt findet. Die Regisseurin hat indes zur Kenntnis genommen, dass ihr Film durchaus auch von Männern geschaut wird. „Und in Ostdeutschland, im Ruhrgebiet sowie im ländlichen Süddeutschland lief der Film besonders gut“, weiß sie. In Großstädten wie Berlin hätten hingegen weniger Leute ein Ticket für „Nur ein Sommer“ gekauft.

Apropos Berlin: Dort wohnt Staudt – arbeitet aktuell aber nur rund 3 000 Meter Luftlinie vom „Kaisersaal“ entfernt. Am Campus Dieburg hat die 48-Jährige eine Vertretungsprofessur im Studiengang Digital Media übernommen, vermittelt dort seit anderthalb Jahren Wissenswertes in der Bildgestaltung und dem Schnitt und betreut überdies Bachelor-Arbeiten. Am Dieburger Campus, der zur Hochschule Darmstadt (ehemals FH Darmstadt) gehört, lernen unter anderem angehende Filmemacher ihr Handwerk.

Idee zum Film in der Schweiz gehabt

Ob die es alle soweit bringen wie Staudt, bleibt zunächst dahingestellt. „Nur ein Sommer“ war jedenfalls schon der dritte Film der gebürtigen Göppingerin. „Bis Montagmorgen“ lief 1999 im Nachtprogramm des ZDF, „Svetlana“ wurde vom WDR ausgestrahlt. Ihren Film „Nur ein Sommer“ aus dem Jahr 2009 produzierte sie nur für das Kino: „Das deutsche Fernsehen wollte ihn nicht, nur in der Schweiz lief er.“ Entsprechend gab es auch kein Geld vom deutschen Fernsehen – die Produktionskosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro musste Staudt selbst eintreiben. „Das ist ein sehr kleines Budget“, sagt sie. Dennoch habe man stilecht in der Schweiz gedreht, obwohl man zeitweise schon mal die Reise nach Rumänien erwogen habe.

Auf die Idee zum Film kam Staudt, als sie selbst in der Schweiz weilte und Käse machte. „Das ist wie Kochen, man muss es aber erst mehrmals ausprobieren, ehe man es beherrscht“, sagt sie, die mit dem Publikumspreis des Mannheimer „Festival des deutschen Films“ dekoriert ist.

Quelle: op-online.de

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