Im Alter das passende Zuhause finden

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Zahlreiche Bewohner lauschten bei der Eröffnung den Worten der Redner, was diese über ihr zukünftiges Zuhause zu sagen hatten.

Münster - „Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir nicht mehr konnten“, zitiert Senio-Verbandsvorsitzender und Münsters Bürgermeister Walter Blank die regelmäßig gehörten Worte pflegender Angehöriger. Von Michael Just

Nicht selten komme die Einsicht auch von den älteren Menschen selbst, dass sie für ihren Lebensabend in einem Seniorenheim besser aufgehoben sind als zuhause. „Wir bieten hier eine Einrichtung, die diesen schweren Schritt um ein Vielfaches erleichtert“,lobte Blank die umgesetzten Vorgaben. Nun wurde das neue Senioren-Dienstleistungszentrum in der Wilhelm-Lehr-Straße, das seit November 2008 in Betrieb ist, offiziell eröffnet. Bauherr war der Senio-Zweckverband Reinheim, der zukünftige Betreiber ist die Gersprenz gGmbH. Die 4,8 Millionen Euro teure Einrichtung trägt zur Ergänzung der beiden Heime in Groß-Zimmern und Reinheim sowie dem geplanten Neubau in Groß-Umstadt bei.

Symbolisch überreichte Bürgermeiser Walter Blank (linkes Foto; rechts) einen goldenen Schlüssel an Heimleiterin Ina Herda-Götze und Gersprenz-Geschäftsführer Hubert Keiber.

Für das Projekt brachte sich die Gemeinde Münster mit der Bereitstellung des Grundstücks ein. Den angestrebten Standortvorteil sieht Blank erreicht: „Ich sehe viele Münsterer hier. Einige haben vorher in einem anderen Heim gewohnt und sind jetzt zurück gekommen.“ Dass sowohl in Münster als auch in der Umgebung Bedarf für eine solche Einrichtung besteht, daran lässt Hausleiterin Ina Herda-Götze keinen Zweifel: „Aktuell sind wir zu 97 Prozent belegt“. Lediglich beim Personal sei man noch auf der Suche nach Fachpflegekräften. Die neuen Bewohner erwartet eine hochmoderne Einrichtung, zu der im Erdgeschoss ein Demenzbereich gehört. Alle 60 Zimmer verfügen über einen separaten TV-Kanal, beispielsweise zur Übertragung von Gottesdiensten im Haus. Für Schwerhörige gibt es eine eigene Induktionsschleife. Die Eröffnungsfeier begann mit einem ökumenischen Gottesdienst, der von den beiden Pfarrern Bernhard Schüpke und Christoph Sames gestaltet wurde. Mit Kaplan Thomas Weiß machte man sich nach der Predigt in alle drei Etagen auf, um die Räumlichkeiten zu segnen.

Während des sich anschließenden offiziellen Teils übergab Walter Blank symbolisch einen großen, goldenen Schlüssel an Leiterin Ina Herda-Götze und Gersprenz-Geschäftsführer Hubert Keiber. Wie Keiber in seiner Rede sagte, reiche ein schöner Neubau und eine hochwertige Pflege aber nicht aus: „Genauso wichtig werden Fragen wie Autonomie und Selbstgestaltung der Bewohner sein.“Die Bediensteten rief er dazu auf, das Wort „Gestaltung“ in ihre Arbeitswelt einzuflechten und mit neuen Entwicklungsansätzen das mangelhafte Image der Altenpflege zu verbessern.

Mit der Übergabe des Hauses war auch ein Tag der offenen Tür und ein Sommerfest verbunden. Dabei sang der Singkreis der Bewohner, der katholische Kindergarten und der MGV. Als Symbol für ihren optimistischen Blick in die Zukunft pflanzte Heimleiterin Herda-Götze am Ende ein Apfelbäumchen.

Ebenfalls zu verbessern ist das Image der Betreiber-gGmbH selbst, die in den vergangenen Jahren durch tiefrote Zahlen und undurchsichtige Bilanzen die Schlagzeilen bestimmt hat. Wie Dietmar Schöbel in seinen Grußworten als Vertreter des Kreises sagte, „nehme man mittlerweile zur Kenntnis, dass das Schiff Gersprenz in einem ruhigen und sicheren Fahrwasser ist.“ Dem stimmte auch Walter Blank als Vertreter des Senio-Verbandes zu, dem die Betreiberaufsicht unterliegt: „Zumindest von unserer Seite ist es ruhig. Wir versuchen, dementsprechend zu steuern.“ Natürlich könne nicht von heute auf morgen gesagt werden, dass die bisherige Vorkommnisse abgelegt sind. So würden nach wie vor eine Reihe von Altlasten zu schaffen machen. „Die Zeiten der hohen Verluste sind aber vorbei.“ Grundlegend seien solche Einrichtungen nie mit Gewinn zu betreiben, erst recht, wenn man hervorragende Qualität bieten wolle. „Im Moment können wir aber mit der Entwicklung zufrieden sein“,konstatierte Blank.

Quelle: op-online.de

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