Alternativen zum Doaschdefest?

+
Viele Feierfreudige haben ihren Spaß auf dem Doaschdefest, doch es fehlt an mitausrichtenden Vereinen.

Münster - Es ist Sommer und ein Heimatfest folgt dem anderen: Ob Schlossgartenfest in Dieburg, das Altstadtfest in Babenhausen, das Ortskernfest in Roßdorf, die Kerb in Urberach und Groß-Zimmern oder das Winzerfest in Groß-Umstadt - nur in Münster bleibt es nach der Absage des Doaschde-Festes aufgrund der mangelnden Beteiligung der Vereine in diesem Jahr ruhig. Von Michael Just

Wir haben uns einmal bei Vereinsvertretern und Bürgern umgehört, inwieweit die Absage des Festes schmerzt.

Anton Frank.

Anton Frank (77), Pressewart Verein Radsport, sagt: „Für uns ist die Sache in erster Linie ein finanzieller Verlust. Unser Stand und unsere Halle waren direkt dabei. Trotzdem haben wir uns schnell mit der Wahrheit abgefunden. Wie andere Vereine verfügen wir über ein Altersproblem und eine geringe Zahl an Helfern. Man braucht sich nichts vorzumachen, dass es in Münster viele Vereinsmitglieder gibt, die nicht böse drum sind, keinen Dienst machen zu müssen. Unser Verein hofft auf ein neues Fest, dennoch glaube ich, dass das nichts mehr wird.“

Markus Frühwein (39), Vorsitzender Angelsportverein Münster, erklärt: „Ich bin nicht enttäuscht. Die Sache ist kontinuierlich weniger geworden. Für mich ist die Absage nicht nur eine Frage der lokalen Vereine sondern auch der Konkurrenz. Die Leute werden überall verwöhnt, damit steigt die Erwartungshaltung und man muss mehr bieten. Parallel klettern die Kosten mit Bands, Security und den Auflagen. Die Gründe der Münsterer Vereine sind nachvollziehbar. Es wird immer schwieriger, das Risiko zu kalkulieren. Durch die finanzielle Beteiligung der Städte und Gemeinden wird für mich der Wettbewerb überall nur noch weiter hochgeschraubt. Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Bei diesem Druck stellt sich die Frage, ob Münster so ein großes Fest überhaupt noch haben muss. Es gibt zu viele im Umland. Vielleicht sollte man mit dem Erfolg anderer Veranstaltungen, wie der Gewerbemeile, zufrieden sein.“

Wilfried Legler

Wilfried Legler (64), Wirtschaftsausschuss SV Münster, befindet: „Traurig sind wir unter diesen Umständen nicht. Der Standort war nicht attraktiv und am Fest-Namen dürfte es auch gelegen haben. Der SV und sein Förderkreis haben mittlerweile eigene Veranstaltungen zur Finanzierung. Dabei suchen wir uns Nischen wie den Rumpsteakabend. Trotzdem sagen wir, die Sache ist schade für Münster. Mit einem anderen Konzept würden wir wieder teilnehmen. Vielleicht wäre der große Schirm vom Dieburger Maimarkt auf dem Abtenauer Platz eine Alternative. Die Stände der Vereine könnten sich darunter in einem großen Kreis gruppieren.“

Sabina Bouchet

Sabina Bouchet (44), Bankkauffrau, meint: „Für mich ist eine Begegnungsstätte weggefallen. In jedem Ort sollte es ein Fest geben, wo man Zugezogene, Alte und Junge trifft. Vielleicht wäre es gut, das Altstadtfest in einer neuen Form wieder aufleben lassen. Man müsste alle Beteiligten, ob Anwohner oder Vereine, ins Boot holen und dabei einen Mittelweg gehen, mit dem alle klarkommen. Dazu Kleinigkeiten ändern, wie mehr Toilettenwagen, sodass nicht gegen Hauswände gepinkelt wird. Das war einer der Hauptkritikpunkte gegen das Altstadtfest. Heute besitzt jeder kleine Ort sein Fest, da ist es schon schade, dass Münster es nicht schafft, was Eigenes auf die Beine zu stellen.“

Stephanie und Rene Scharf

Stephanie und Rene Scharf (32 und 35 Jahre), Ingenieur und Angestellte, erklären: „Wir haben uns vor vier Jahren auf dem Doaschde-fest kennengelernt und jetzt geheiratet. Da ist es doppelt schade, dass das Fest stirbt. Hier waren die Stände nicht so auseinandergezogen wie beim Altstadtfest. Leider gab es die letzten Jahre immer mehr Jüngere, die sich betranken und ihre Getränke mitgebracht haben. Läuft die Sache wieder an, kommen die Alteingesessenen bestimmt wieder. Auf andere Feste müssen wir jetzt nicht ausweichen – auf die gehen wir auch so.“

Und Bürgermeister Walter Blank erklärt zur Sachlage:

„Es ist schwer zu sagen, ob das Fest wieder kommt. Die letzte Besprechung mit den Vereinen besagte nur, dass es 2012 ausfällt. Für die Zukunft ist die Vereinsfamilie gefordert. Eine bestimmte Anzahl an Vereinen muss es einfach sein. Dann würde die Gemeinde die Sache auch wieder unterstützen. Das waren immerhin 10.000 Euro als Zuschuss mit zusätzlichen Personalkosten und Bauhofunterstützung. Wichtig ist uns, dass eine richtige Vereins- und keine Stammtischförderung vorliegt. Stammtische sollen mitmachen, aber nicht nur. Traurig bin ich schon ein wenig, vor allem, weil das Konzept mit den Vereinen am Anfang funktioniert hat. Dass nun alles vorbei ist, sollte man nicht sagen, vielleicht wird ja eine Alternative geboren.“

Quelle: op-online.de

Kommentare