Große Sprünge mit Mini-Roller

Drei Jahre Beharrlichkeit bringen jungen Altheimern eine Skaterbahn

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Schattenspiel: Zur Eröffnung der Skateranlage führten die jungen Ideengeber einige „Tricks“ vor.

Wer am Samstagnachmittag Skateboardfahrer an der Freizeitanlage in Altheim erwartete, wurde enttäuscht. Allerdings nicht lange, denn die Jugendlichen im Ort zeigten auch ohne Boards einige beeindruckende Kunstfiguren auf der neuen Bahn.

Altheim – „Stunt-Scooter“ sind die Skateboards von heute. Im Prinzip sind dies kleine, wendige Tretroller mit schmaler Stellfläche, die sich um sich selbst drehen kann, während der Lenker stehenbleibt. Diese Fähigkeit ist nötig, damit die Sportler mit ihren Scootern kunstvolle Figuren fahren können. Auf der Anlage in Altheim ist dies nun möglich.

Ohne das außergewöhnliche Engagement von sechs Jugendlichen gäbe es die moderne Skaterbahn nicht. Adrian, Lenny und Nils, Justin, Diego und Jan haben mit einer guten Idee, viel Einsatzfreude und großer Beharrlichkeit für sich und alle anderen Jungs und Mädchen im Ort ein neues Freizeit- und Sportangebot geschaffen. Vor drei Jahren – damals waren die Jungs gerade zwölf Jahre alt – zählten sie bereits zu den leidenschaftlichen Skatern und BMX-Fahrern.

„Wir mussten aber immer nach Münster, um trainieren zu können“, erzählt Adrian. Auf die Dauer sei dies nicht nur umständlich, sondern auch langweilig. „Ein Skifahrer will ja auch nicht immer auf der gleichen Piste unterwegs sein“, erklärt er. Deshalb beschlossen die Jungs, einen Brief an Bürgermeister Gerald Frank zu schreiben und ihn um den Bau einer entsprechenden Anlage zu bitten. Um es den Erwachsenen etwas leichter zu machen, schickten die pfiffigen Freunde gleich die Skizze eines „groben Bauplans“ mit.

Von dem handschriftlich verfassten Brief war Münsters Rathauschef tief beeindruckt, wie er sagt. „Sogar über die Finanzierung der Anlage hatten sich die Jungs schon Gedanken gemacht“, erzählt Gerald Frank. Bei einem ersten Treffen schlugen die Buben vor, bei Geschäftspartnern ihrer Väter Spendengelder zu akquirieren. Obwohl sie auf die ersten Briefe Absagen erhielten, ließen sich Adrian, Jan und deren Freunde nicht entmutigen.

„Bei unserem nächsten Treffen verabredeten wir, eine gemeinsame Spendenaktion bei der Gewerbe- und Vereinsschau durchzuführen“, berichtet der Bürgermeister. Das war im Sommer 2017, und es war der Startschuss für den Bau. Denn stolze 665 Euro konnten die Jungs bei der Gewerbeschau sammeln. Dazu hatten sie Plakate gestaltet und Kunststücke auf ihren Scootern vorgeführt.

Weitere Aktionen in verschiedenen Geschäften folgten und mit ihnen eine immer üppiger gefüllte Spendenbox. Denn das Vorhaben war nicht nur baulich ambitioniert. Auch die Investitionskosten mussten gestemmt werden. 41 500 Euro würde die Skateranlage inklusive einer Aufbereitung des Untergrunds und der Errichtung eines Zauns kosten. Mit 24 500 Euro wurde das Projekt aus dem europäischen Leader-Förderprogramm bezuschusst. Rund 17 000 Euro sammelten die Jugendlichen.

Ihnen bestätigten Bürgermeister Frank und Landrat Klaus Peter Schellhaas beeindruckendes Durchhaltevermögen und Ausdauer. Denn bis alle Formalitäten – vom Bauantrag bis zur Bewilligung des Fördergelds – erledigt waren, dauerte es einige Zeit. „Zwischendurch waren wir schon ziemlich frustriert“, sagt Jan. „Das Warten hat am meisten genervt.“ Doch nun sind die Jungs zufrieden. Vor allem, weil sie sehen, dass sie mit ihrer Aktion auch für viele andere Kinder und Jugendliche im Ort ein Freizeitangebot initiierten, das schon beim Eröffnungstag viele Nutzer fand.

Auch die Regenbogen-Grundschule in Altheim habe bereits Interesse an der Nutzung der Skaterbahn bekundet, so Gerald Frank. Es werde nicht lange dauern, bis sich dort eine neue AG gründet, die ebenso beeindruckende Figuren fahren wird wie Adrian, Nils und ihre Freunde.  zeta

Quelle: op-online.de

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