Abschluss mit großem Rausschmiss

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Aus dem Kindergarten in die Schule befördert werden in Altheim die Abgänger mit einem Rausschmiss.

Altheim - Wenn Kinder in hohem Bogen aus dem Kindergarten fliegen, muss das schon einen triftigen Grund haben. Im evangelischen Kindergarten in Altheim wurden jetzt gleich 28 „vor die Tür gesetzt“. Von Michael Just

Ausgefressen hatten die nichts, lediglich zu alt sind sie geworden, um noch länger hier bleiben zu können. Kurz gesagt: Mitte August ist die Zeit als illustrer Dreikäsehoch vorbei – dann geht’s in die Schule.

Seit mehr als zehn Jahren ist der Brauch nun schon üblich, die Kinder mit einer kleinen Flugeinlage zu verabschieden. Dafür wird die große, 30 Zentimeter dicke Schaumstoffmatte aus dem Turnbereich geholt. Ist die am Ausgang platziert, wird’s turbulent: Zwei Erzieher der jeweiligen Gruppe nehmen Arme und Beine der Kinder in die Hand und lassen die Engel fliegen. Das war zum Beginn der dreiwöchigen Ferienzeit, in der der Kiga geschlossen bleibt, nicht anders. „Die Delphine kommen zuerst, da ist die Lena dabei“, flüstert Mutter Melanie Bernhardt gespannt ihrem Sohn Tom (3) ins Ohr. Mit den beiden stehen viele Eltern und weitere Geschwister dicht gedrängt zusammen, um das beste Foto von den fliegenden Kids zu schießen. Einige der jungen Abgänger, die alle einheitliche gelbe T-Shirts tragen, hüpfen vor ihrem Flug nervös auf der Stelle, so als wollten sie sich für eine Leichtathletik-Disziplin warm machen.

Lena muss in die Schule gehen

„Die Kindergartenzeit ist aus, die Lena fliegt heut raus, sie muss nun in die Schule gehen, mach´s gut, auf Wiedersehen“, singen zwei Erzieher im Reim, während die Sechsjährige kurz danach auf der weichen Matratze landet.

Diese Form der Verabschiedung war früher eine unspektakuläre Sache. Mittlerweile haben die vielen, überaus engagierten Eltern daraus ein richtiges Fest mit Gottesdienst und Sektempfang gemacht. Einige richteten sogar ihren Urlaub nach dem Flugtag aus. „Für die Kinder beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Die meisten freuen sich“, weiß Leiterin Iris Kurz-Wolf.

Bereits seit Monaten werden die Schulanfänger aus den einzelnen Gruppen auf den Wechsel vorbereitet. Dazu gehört auch, dass die ABC-Schützen sich kennenlernen. So war man zusammen im Vivarium, hat eine Radtour gemacht und eine Übernachtungsaktion hinter sich. Auch der obligatorische Schulbesuch mit einem Blick in den Unterricht und das Miterleben einer großen Pause wurden absolviert. Beim Blick auf die große Pause geht es darum, zu sehen, dass Kinder verschiedenen Alters zusammen auf dem Schulhof stehen und dass davor niemand Angst zu haben braucht.

Schulranzen von den Großeltern

„Ich freue mich aufs Schreiben“, erzählt Lena kurz nach der Landung. Ihren Schulranzen hat sie schon im Frühjahr von den Großeltern zum Geburtstag bekommen. Für Mutter Melanie ist das Thema Kindergarten damit aber nicht beendet: Für ihren zweiten Sprössling, den dreijährigen Tom, geht‘s im Herbst nicht nur in den gleichen Kindergarten wie die Schwester, sondern auch mit den Delphinen in die gleiche Gruppe.

„Wir haben Eltern, die kennen wir mit ihren drei Kindern schon seit acht Jahren“, berichtet die Leiterin und verdeutlicht damit, warum es im evangelischen Kindergarten so familiär zugeht. Dass der Hort – und damit auch Altheim – keine Existenzsorgen haben braucht, wurde beim Rauswurf-Fest deutlich: Unzählige Eltern feierten nicht nur die Abgänger, sondern präsentierten parallel auch ihren jüngsten „Sonnenschein“. „Unser Haus hat wieder Nachwuchs bekommen. Der wird schon bald zu euch kommen“, kündigte ein Vater mächtig stolz an.

Quelle: op-online.de

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