Lokalschau in der Sport- und Kulturhalle

Zwergwidder und Kleinsilber

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Die Altheimer Kaninchenzüchter stellen ihre Prachtexemplare in der Kulturhalle aus. Brachte für die Kaninchenzucht frisches Blut nach Altheim: Werner Schneider mit Kleinsilber schwarz.

Altheim - H242 - so lautet die Nummer der Altheimer Kaninchenzüchter im Landesverband Hessen. Am Wochenende lud der kleine Verein mit seinem mittlerweile selten gewordenen Hobby zur jährlichen Lokalschau in die Sport- und Kulturhalle ein. Von Michael Just 

116 Tieren wurden ausgestellt, anhand derer auch die H242-Vereinsmeister gekürt wurden. Nicht ganz unbemerkt „schlich“ sich dabei ein B871er ein: Werner Schneider, Mitglied des Kaninchenzuchtvereins Bamberg und Umgebung, scheute nicht die eineinhalbstündige Autofahrt, um nach Altheim zu kommen.

Hinter seinem Besuch stand mehr nur als ein Hallo für die Kollegen: Vor einem Jahr gab er dem 17-jährigen Florian Braun aus Münster zwei Rammler und zwei Häsinen zur Zucht. „Mich interessiert natürlich, was er daraus gemacht hat“, sagt der Bayer. Und Braun hat was draus gemacht, oder besser gesagt, die Langohren selbst: Die produzierten in den letzten Monaten 16 junge Hoppler. „Die Nachzucht hat sich gut entwickelt“, lautete das anerkennende Urteil des Gastes aus dem Freistaat.

Mit seinen Kleinsilber schwarz wurde Florian Braun Jugendvereinsmeister. Allerdings musste er sich dabei keiner großen Konkurrenz erwehren: Bei H242 züchtet mit ihm nur noch ein Jugendlicher. Bei den Erwachsenen machte Karl-Heinz Uebel den Durchmarsch: Mit seinen Zwergwiddern wurde er Vereinsmeister, dazu präsentierte er den besten Rammler und die beste Häsin.

50 bis 250 Euro pro Tier

Gerademal noch fünf erwachsene Aktive und zwei Jugendliche gehen bei H242 ihrem Hobby nach. 25 Mitglieder zählt der Verein insgesamt. „Passive Mitglieder lassen sich heutzutage weitaus leichter finden“, berichtet Helmut Braun. Auffällig: Aus Altheim direkt stammt keiner der Züchter. Sie kommen aus Münster, Babenhausen, Groß-Umstadt oder Zeilhard, da in ihren Wohnorten Gleichgesinnte Mangelware sind.

Die „letzten Züchter ihrer Art“ betreiben ihr Hobby passioniert: So wird H242-Vorsitzender Helmut Braun bald zur 30. Bayernschau nach Straubing fahren, wo über 10 000 Kaninchen zu sehen sind. Ende Januar geht‘s für den 66-Jährigen nach Ulm zur Bundesrammlerschau. Dort schaut er nach frischem Blut für seine Zucht, zum anderen versucht er eigene Exemplare zu verkaufen. Je nach Rasse lassen sich hier 50 bis 250 Euro pro Tier verdienen. Der Kontakt zu anderen Landesverbänden führte ihn auch schon nach Ostfriesland oder nach Bielefeld. „Wer mit Hingabe züchtet, der kommt in ganz Deutschland rum“, sagt Braun.

Der Austausch bringt auch Werner Schneider (49) regelmäßig auf die Autobahn. 80 Tiere hält er zu Hause in Bamberg. Mit seiner Leidenschaft steckt der Bauarbeiter andere an: Sowohl seine Frau, sein Sohn, seine Tochter und sein Schwiegersohn lieben und züchten ebenfalls Langohren. „Es gilt unheimlich viele Kriterien zu erfüllen“, antwortet er auf die Frage, was ihn an der Zucht begeistert.

Zuchterfolg keinesfalls garantiert

Ob Körperbau, die Form des Kopfes, Ohren oder Fell, für alle Partien des Körpers gebe es ein Ideal - und die Herausforderung, all das in einem Tier zu erreichen. Trefflich ist, wenn die Ohren eine ästhetische V-Form aufweisen oder das Fell, gegen den Strich gebürstet, Widerstand zeigt. Je langsamer es zurückgeht, je besser ist die Dichte und damit dessen Qualität.

Des Weiteren zählt der Gesamteindruck: „Zucht-Kaninchen sollen Typen darstellen“, erklärt der Bajuware, der neben Kleinsilber schwarz auch Zwergwidder züchtet. Kleinsilber schwarz kommt völlig dunkel zur Welt. Nicht als Alterserscheinung, sondern als Merkmal, bilden sich mit der Zeit weiße Haare - die Silberung - im Fell heraus. Eine mittlere Silberung kommt bei den Preisrichtern am besten an. „Für optimale Ergebnisse kreuzt man keinesfalls ein stark und ein schwach gesilbertes Tier, sondern jene, die schon eine schöne, mittlere Silberung besitzen“, erzählt Schneider. Wer ihm zuhört merkt schnell, dass sich ohne Kenntnisse über Genetik und Erbweitergabe dieses Hobby nicht betreiben lässt. Dieses Wissen besagt auch, dass man immer nur an einer „Baustelle“, etwa Fell oder Ohren, arbeiten kann. Da sich eine Vielzahl von Merkmalen quer durch die Kinderstube aufspaltet, ist der Zuchterfolg keinesfalls garantiert.

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Bekanntermaßen sorgt Mutter Natur dafür, dass in einem Wurf nie alle gleich sind. So braucht es bis zum besten Rammler, oder der besten Häsin, stets mehrere Schritte und viel Geduld. „Wie bei vielen anderen Dingen im Leben gilt: Beim ersten Mal klappt‘s eigentlich nie“, weiß Schneider.

Quelle: op-online.de

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