EFC Altheim präsentiert „Kaviar trifft Currywurst“

Ein liebevoller 120-Minuten-Spaß

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Mal wieder ein gescheiterter Heiratsantrag von Blümchen (Sascha Diehl). Kneipenwirtin Erna Wutschke (Miriam Weihert, rechts) wendet sich ab, Stammgast Sandy Stutzke (Mona Horn) hat’s geahnt.

Altheim - Mit elf Schauspielern, so vielen wie erst einmal in der mittlerweile 30-jährigen Theaterhistorie, agierte der Eintracht-Fanclub (EFC) Altheim bei seinen drei Aufführungen der Komödie „Kaviar trifft Currywurst“. Von Jens Dörr 

„Wir fühlen uns wohl mit diesem Stück“, hatten die Schauspieler der Theatergruppe des Eintracht-Fanclubs (EFC) Altheim vor einigen Wochen erzählt, als sie eine ihrer Proben im Altheimer Gustav-Schoelzke-Haus hatten. Gemeint war die noch ziemlich neue Komödie „Kaviar trifft Currywurst“ der Autorin Winnie Abel, der sich in diesen Wochen auch einige Theatergruppen andernorts angenommen haben, wie eine Google-Suche offenbart. Ihr Behagen mit dem Dreiakter demonstrierten elf Akteure des Fanclubs des Frankfurter Fußball-Bundesligisten nun am Freitag, Samstag und Sonntag in Münsters Kulturhalle. Die war zur Premiere mit 200 Zuschauern schwächer besetzt als bei früheren Stücken der Altheimer. Für den Samstagabend vermeldete der EFC allerdings „annähernd ausverkauft“, was ein doppelt so großes Publikum bedeutete. Auch für die Vorstellung am Sonntag sei der Kartenverkauf besser gelaufen als für den Freitag.

Wer nicht da war, verpasste einen liebevoll inszenierten 120-Minuten-Spaß, in dessen Mittelpunkt die Kneipenwirtin Erna Wutschke stand. Die Hauptrolle, für die die Autorin 196 Einsätze geschrieben hat, nahm diesmal Miriam Weihert ein. Sie gehört zu den neueren Schauspielern in der EFC-Theatergruppe, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verjüngt hat. Gleich wohl war auch Weihert, die die burschikose Gastronomin unermüdlich und in treffender Manier mimte, bereits zum fünften Mal dabei. In Kathrin Wennel (als affektierte Frau des Bürgermeisters), Thekla Hartmann (Affäre von Prinz Harry von Anhalt) und Felix Mainka (arbeitsloser Stammgast Uwe) verzeichnete der EFC in diesem Jahr gleich drei Debütanten. Erstmals als Souffleuse fungierte Christina Weihert, die auch das Publikum begrüßte.

Angewidert vom „(W)Armen Würstchen“ sind der Bürgermeister (Klaus Damm) und seine Gattin (Kathrin Wennel).

Mit gleich elf Schauspielern hatte der EFC überhaupt erst einmal in seiner mehr als 30-jährigen Theaterhistorie agiert. Damals waren aber zwei Statisten darunter gewesen, diesmal nur einer: Werner Lehr spielte den schweigsamen Stammgast Heinrich, der das komplette Stück über auf der Bühne – die durchweg die Kneipe „Zum Warmen Würstchen“, wo der Schriftzug später das „W“ vom „Warmen“ verliert – ist, aber nur ein einziges Mal etwas sagt. Lehrs Einsatz: „Jeder muss an was glauben – und ich glaub’, ich trink noch einen!“ An derlei Kalauern ist das gesamte Stück reich, das die Darsteller durch die Bank urkomisch und mit der für diese Komödie gebotenen Theatralik auf die Kulturhallen-Bühne brachten. „Du bist ja total dicht!“, wirft die Bürgermeister-Frau dem Rathaus-Chef (Klaus Damm) vor. Der kontert: „Aber Goethe war (D)dichter!“ Insofern fiel es nicht schwer, den Dialogen zu folgen. Und der Handlung sowieso nicht.

Im Rahmen eben dieser muss Wirtin Wutschke binnen 24 Stunden ihre heruntergekommene Kneipe in ein Edelrestaurant verwandeln, weil sie eben das ihrem neureichen Cousin, Prinz Harry (Christian Lehr), in der Vergangenheit vorgegaukelt hat. Ihr Lebensgefährte Blümchen (wieder mal zum Schreien: Sascha Diehl) ist dabei ebenso wenig eine echte Hilfe wie Stammgast Sandy Stutzke (Mona Horn). Neben dem Bürgermeister, der den berechtigten Verdacht hegt, dass im „(W)armen Würstchen“ das Rauchverbot umgangen wird, macht auch noch die benachbarte Nobelgastronomin Waltraud Schuster (Edith Damm, der man wie ihrem Mann Klaus Damm die selbst verratene leichte Erkältung bei der Premiere nicht anmerkt) Stress. Die Hektik komplett macht der Besuch einer Feinschmeckerin und Testerin (Susanne Münch).

Am Ende wird aus dem „Warmen Würstchen“ zwar kein Gourmettempel, aber doch noch eine anständige Gaststätte. Auch Wirtin Wutschke wächst optisch und organisatorisch zusehends an ihren Aufgaben. Die Zeiten, als das einzig wirklich Warme auf der Speisekarte das Bier war, sind vorbei – und Blümchen kommt bei seiner Erna sogar noch mit seinem Heiratsantrag durch.

Quelle: op-online.de

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