Einjährige Einzelausstellung

Rigorths „Über-See“ in den Alpen

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Seine kunstvollen Korbskulpturen flechtet Roger Rigorth auch aus Kokosfasern, die er aus Indien bezieht. Seine Kunst ist witterungsbeständig, aber nicht vor roher Vandalen-Gewalt gefeit. An der Reparatur von „Über-See“ arbeitete er drei Wochen.

Altheim - „Über-See“, die monumentale Skulptur des Künstlers Roger Rigorth, ist repariert. Doch wird das Kunstwerk nicht zurück vor die Kulturhalle kommen, sondern Bestandteil einer Einzelausstellung Rigorths im norditalienischen Trentino sein. Überhaupt ist der Künstler, gerade von einer Iranreise zurück, derzeit sehr umtriebig. Von Thomas Meier 

Nicht einmal drei Wochen stand „Über-See“ mit seinen drei großen Korbgeflechten, die um eine hölzerne Stele gruppiert sind, als Leihgabe des renommierten und global agierenden Künstlers vor Münsters guter Stube. Dann waren die Vandalen vor ziemlich genau einem Jahr am zerstörerischen Werk. Andernorts erfreute und erfreut es sich indes einer großen Beliebtheit. Der 51-jährige Rigorth, der in der Schweiz das erste Licht der Welt erblickte aber in Deutschland aufwuchs, schuf seine raumgreifende Skulptur auf einem Künstlersymposium in Hamburg, wo sie sogleich Aufsehen erregte und nach Fertigstellung für ein Jahr vor dem Gebäude des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in der Hamburger Hafen-City die Blicke auf sich zog. Bevor „Über-See“ nach Altheim kam, stand das Werk noch zwei Jahre zu den Feierlichkeiten rund um „750 Jahre Ahrensburg“ am Alten Markt der Schlossstadt.

Nur Münster war kein guter Standort für den Kunst-Koloss, einen fünf Meter hohen Mast aus honigfarbenem Holz, der sich in die Luft reckt, umgeben von drei eiförmigen Riesen (1,80 Meter breit, drei Meter lang) aus Eisen, Holz und Flechtwerk.

Um die Einzelausstellung in Norditalien mit 16 seiner Werke zu bestücken, rücken demnächst drei Tieflader vor Rigorths Werkstatt in Altheim an. Noch muss letzte Hand angelegt werden.

Das Vandalenwerk zu beseitigen kostete den gelernten Holzbildhauer drei Wochen Zeit. Doch die war lohnend. Denn für den neuen Standort auf Castel Pergine im Trentino musste das gute Stück herausgeputzt werden. Dort lockten die Burgherren, das Gastronomen-Paar Verena und Theo Neff, den Altheimer Kreativen mit einer einjährigen Einzelausstellung. 16 Plastiken und Skulpturen Rigorths sollen im Burggraben vor dem kulinarischen Musentempel mit angeschlossenem First-Class-Hotel zwölf Monate ein erlesenes und überwiegend kunstverständiges Publikum erfreuen. „Über-See“ ist darunter. Und als Zugabe bekommt der Altheimer eine eigene Publikation in einer Auflage von immerhin 1000 Stück gesponsert. Ein Buch über Rigorths Vita und sein Schaffen mit zahlreichen Vierfarb-Illustrationen auf hochwertigem Papier.

Zwar verdient der Bildhauer nichts an der einjährigen Schau, doch ist sie ihm eine Prestigeangelegenheit. Außerdem liebt der Schweizer die Berge und den italienischen Wein. Bereits Ende kommenden Monats muss Rigorth drei Tieflader vor seinem Domizil, dem ehemaligen „Hessischen Hof“ an Altheims Hauptstraße, vorfahren lassen, um die Werke nach Trento auf die Reise zu schicken. Die Transportkosten hin und zurück übernehmen ebenfalls die Initiatoren. Am 22. April ist Eröffnung der Schau, bis dahin wollen auch die zwölf sieben Meter hohen Stelen mit Korbflechtwerken installiert sein, von denen derzeit einige in Darmstadt ausgestellt sind und die der optische Hingucker im Burggraben werden sollen.

Der global arbeitende Bildhauer wird also nicht lange im heimischen Domizil verweilen. Erst im Dezember reiste Rigorth, der in Korea, Australien, Afrika und dem europäischen Kontinent arbeitet und ausstellt, in den Iran, um am „Global Nomadic Art Project“ mitzuwirken. Diese weltumspannende Kunst-Aktion begann 2014 in Südorea und wird in diesem Jahr in Deutschland, Litauen und Frankreich Einzug halten. In Iran war es 2016 zugegen, und Rigorth sowie acht weite Künstler aus verschiedenen Ländern waren Gäste, die die Idee in ihre Heimatländer tragen sollen (siehe Info-Kasten).

Und weil man auch als weltwandelnder Künstler Geld verdienen muss, wird sich der in Altheim Ansässige im Sommer mit dem Darmstädter Bauverein um ein „Projekt Blütenallee“ kümmern. In Zusammenarbeit mit den Bewohnern des Neubaugebietes sollen Kunst-Landschaften entstehen. „Auf diese Arbeit freue ich mich bereits riesig“, sagt Rigorth.

Quelle: op-online.de

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