Eintracht-Fans machen Theater: Auguste in Dessous

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Die Putzfrau ( Christina Weihert) stiftet allerlei Unruhe. Albert Mecker (Roland Weihert) wird am Ende weich.

Münster - „Meiner Meinung nach ist das Leben selbst schon ernst genug, deshalb schreibe ich nur Komödien“, lässt Hans Schimmel auf seiner Website die Allgemeinheit wissen. Von Jens Dörr

Zu den Werken des Autors von Theaterstücken und Mundartgedichten zählt auch der Dreiakter „Darum prüfe, wie man sich ewig windet“. Ihn brachte am Freitag, Samstag und Sonntag die Theatergruppe des Eintracht-Fanclubs (EFC) Altheim in der Kulturhalle auf die Bühne. Das Publikum johlte schon bei der Anmoderation und unterhielt sich bestens. Bei der Premiere blieb fast kein Stuhl mehr frei.

Seit 25 Jahren unterstützt der EFC Altheim nicht nur die Frankfurter Eintracht, sondern spielt auch Theater - und ist damit längst eine Institution. Früher im „Hessischen Hof“ Altheim aktiv, ab 1998 sowohl dort sowie auch in Münster und seit 2003 ausschließlich in der Kulturhalle, setzen die Adlerträger ganz auf Zwerchfellstrapazen: „Wir spielen ausschließlich Komödien“, sagt Roland Weihert.

Der Altheimer, Vorsitzender des Fanclubs, zählte neben Monika Schramm, Miriam Weihert, Christina Weihert, Angela Weihert, Susanne Münch, Edith Dam, Klaus Damm, Werner Lehr und Sascha Diehl zum zehnköpfigen Schauspielerteam dieses Jahres. Souffleur Christian Lehr verlebte relativ entspannte Abende. Der ein oder andere Stammzuschauer dürfte derweil Helga Bürger-Lehr vermisst haben, die nach mehr als 20 Jahren auf den die Welt bedeutenden Brettern vor dem diesjährigen Stück ihren Abtritt bekannt gegeben hatte.

Erfrischendes Hessisch

Auf teils erfrischendem Hessisch machten die Verbliebenen das allerdings zumindest für die Dauer des Stücks vergessen. Der Inhalt in Kurzfassung: Bernhard Bleibtreu (herrlich politisch unkorrekt, inklusive Nackedei-Kalender an der Wand: Klaus Damm) hat es sich zum Ziel gesetzt, seine Geschlechtsgenossen vor dem Joch der Ehe zu bewahren. Seitdem ihn seine Ex-Frau nach der Scheidung ausgenommen hat wie eine Weihnachtsgans, ist er auf Frauen gar nicht gut zu sprechen. Aus diesem Grund hat er das Eheverhinderungs-Institut „Bleibe alleine, aber glücklich“ gegründet und steht Männern zur Seite, die zur Hochzeit gedrängt werden sollen.

Im gleichen Haus, in dem sich Bernhards Büro befindet, hat allerdings auch Sigrid Rapp (Monika Schramm) ihre Geschäftsräume. Sie führt das Eheanbahnungs-Institut „Gib der Braut eine Chance“ - und ihr höchstes Glück ist es, Frauen zu unterstützen, damit diese mit ihrer Hilfe in den Hafen der Ehe einlaufen können. „Wenn er wackelt und nicht fällt, komm’ zu mir, dann wird das Aufgebot bestellt“, lautet ihre Devise.

Zu Bernies Kunden gehört unter anderem Albert Mecker (Roland Weihert), ein rüstiger Senior, dem es bis jetzt gelungen ist, zwar die Freuden der Zweisamkeit zu genießen, aber eine feste Bindung meidet wie der Teufel das Weihwasser. Dieser wird von Auguste Meise (Miriam Weihert) bedrängt, die sich bei Sigrid Unterstützung holt, um das alte Schlitzohr endlich vor den Altar zu schleppen. Auch die anderen Kunden der beiden Kontrahenten sind nicht von schlechten Eltern und fordern von Bernie und Sigrid höchsten Einsatz. Dann will auch noch das Finanzamt beide Betriebe prüfen. Und die wunderbar schräge Putzfrau Martha Wiesner (schon beim ersten Betreten der Bühne vom Publikum mit Lachen und Pfiffen begrüßt: Christina Weihert) sorgt für weiteres Durcheinander. Von Grund auf neugierig, mischt sie sich in alles ein, was nicht selten ein Desaster nach sich zieht.

Problem in Zukunft: Miete für Kulturhalle wird höher

Bernie Bleibtreu (rechts, Klaus Damm) tut alles, um Männer wie Ulrich Meisenkaiser ( Werner Lehr) vor der Ehe zu bewahren.

Nach großem Hin und Her und Chaos pur kommt’s am Ende erstens, wie so oft, anders und zweitens als man denkt: Eheverhinderer Bernie verguckt sich in eine vor einem Tollpatsch fliehende Frau, Albert wird bei der irgendwann nur noch in Dessous vor ihm stehenden Auguste doch noch weich. Der ewige Junggeselle Ulrich Meisenkaiser (standhaft: Werner Lehr) geht derweil lieber ins Kloster, anstatt seine Verehrerin zu heiraten. Dass er dafür ausgerechnet jenes in Dieburg wählt, weil das ja jetzt so schön leer stehe, haben die Altheimer wohl zu Schimmels Zeilen ergänzt.

Für 2014 muss sich der EFC Altheim mit Blick auf den Erhalt einer halbwegs rentablen Veranstaltung unterdessen etwas überlegen - dann wird die Miete für die Kulturhalle und wohl auch die GEMA-Abgabe höher sein als derzeit noch. Darüber mochten sich am Wochenende aber die wenigsten den Kopf zerbrechen.

Quelle: op-online.de

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