Seit über 20 Jahren

Ein Leben für den Tierschutz

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Schau mir in die Augen: Der Altheimer Wolfgang Schwarz in einer Tierauffangstation in Indonesien.

Altheim - Engagement und Leidenschaft für sein Hobby zeichnen den Naturschützer Wolfgang Schwarz aus. Seit über 20 Jahren setzt er sich während seiner jährlichen Urlaubszeit weltweit für unterschiedliche Naturschutzprojekte ein. Von Martina Emmerich

Seine erste Reise in Sachen Umwelt und Natur führte Schwarz 1991 nach Sizilien. Und im vergangenen Spätsommer kam er von seinem aktuellen Projekt aus Indonesien zurück.

Von Kindesbeinen an hat den 50-jährigen Südhessen die Natur fasziniert. Begeistert war er als Kind vor allem von „Daktari“, einer amerikanischen Fernsehserie über eine Tierpflegestation in Afrika, die in den 60er-Jahren jeden Samstag ausgestrahlt wurde. Daher war die Begegnung mit einer der Haupttierfiguren dieser Serie ein besonderes Highlight seiner Kindheit: „Um den Heranwachsenden den afrikanischen Tierschutz näher zu bringen, ging man mit den Tieren von Daktari auf Tour.

Lieblingstier Schimpansin Judy

So kam es, dass ich mein Lieblingstier, die Schimpansin Judy, eines Tages live in der Klein-Umstädter Schule erleben konnte“, erzählt Blacky, wie Schwarz von seinen Freunden genannt wird.

Die Tierforscher und -filmer Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann haben Schwarz in seiner Jugendzeit ebenfalls stark beeinflusst. Hinzu kam, dass Schwarz’ Bruder sich auch in Sachen Natur- und Tierschutz engagierte: „Er war Mitglied im Vogelzuchtverein und hatte eine Voliere zu Hause. So waren wir immer von vielen Tieren umgeben“, erzählt der Altheimer, der lange im örtlichen Kaninchenzuchtverein aktiv war.

Da Schwarz Tierpfleger werden wollte, absolvierte er in der neunten Klasse im Darmstädter Vivarium ein Praktikum. Es bereitete ihm viel Spaß, doch ein damaliger Tierpfleger empfahl, besser einen Beruf mit höherem Verdienst zu erlernen. So kam es, dass der engagierte Umweltaktivist, der seit 1989 Mitglied im Naturschutzbund ist, eine Maurerlehre absolvierte und zwei Jahre bei der Gemeinde Münster tätig war. Anschließend wechselte er im Sommer 1992 zur Fraport AG an den Frankfurter Flughafen.

Erste Naturschutzreise nach Sizilien

Ein Jahr zuvor unternahm Blacky seine erste Naturschutzreise nach Sizilien. Auf der Mittelmeerinsel, die auf der mittleren Route der Vogelzüge liegt, überwachte das engagierte NABU-Mitglied mit Gleichgesinnten die Vogelzucht und führte Zählungen durch. Übliche Touristenurlaube an den Strand oder in die Berge macht Schwarz schon lange nicht mehr. Der Grund: In seinem letzten dieser Art, 1990 in die Türkei, hatte Schwarz eine verheerende Entdeckung gemacht. Er sah einen Jungen, der ein Boot voll mit leeren Getränke-Dosen aus dem Restaurant ins Meer kippte.

„Das gab für mich den Ausschlag, keine Touristenurlaube mehr zu machen“, so der Altheimer. Beruflich arbeitet Schwarz seit 20 Jahren bei der Fraport AG, wo er nun seit sieben Jahren die Stelle als Dokumentenfahrer inne hat.

In den vergangenen Jahren nahm Schwarz an verschiedenen weltweiten Projekten teil. So betreute er zum Beispiel während seiner Jahresurlaube internationale Projekte auf Malta, in Tunesien, Polen und Schottland. „Ich bewerbe mich für die jeweiligen Projekte, zahle meinen Flug sowie pro Aufenthaltstag 25 US-Dollar, damit ich dort arbeiten darf. Das können viele nicht verstehen, aber dafür erlebt man absolut faszinierende Dinge und tut Gutes“, erklärt der engagierte Naturschützer.

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Besonders fasziniert war der Südhesse von einem Projekt in Costa Rica, an dem er 2011 und im Frühjahr 2012 teilnahm. Dort hat er an der Karibikküste bei einem Meeresschildkröten-Schutzprogramm mitgearbeitet, Schildkröten gemessen und gewogen. Diese Tiere sind in ihrem Lebensraum bedroht, denn die Einheimischen plündern ihre Nester und essen die Eier. Neben den olivgrünen Meeresschildkröten beeindruckten Schwarz vor allem die Lederschildkröten. Dabei handelt es sich um die größte lebende Schildkrötenrasse auf der Erde. „Ich hab die Lederschildkröten zum ersten Mal gesehen. Die Tiere hatten eine Länge von 1,70 Meter und wogen 600 Kilogramm.“

Ganz frisch sind noch die Erlebnisse und Erfahrungen von seinem letzten Projekt. Von Ende Juli bis Ende August nahm Schwarz in Tasikoki auf der indonesischen Insel Sulawesi an einem Tierschutzprojekt teil. „Genau 35 Jahre nach meinen ersten Erfahrungen als Tierpfleger-Praktikant im Vivarium konnte ich wieder in meinem Traumberuf arbeiten: auf einer Tierauffangstation, dem Tasikoki Wildlife Rescue Center“, berichtet Schwarz.

In dem von einem internationalen Team geführten und durch freiwillige Helfer aus der ganzen Welt unterstützten Center hat er von morgens bis abends Tiere gefüttert und die Gehege gesäubert. „Einen Großteil der Zeit verbrachten wir damit, die rund 150 Vögel verschiedener Rassen und zirka 50 Primaten - inklusive Makaken, Gibbons und Orang Utangs - sowie viele andere Tierarten wie Sonnenbären, Leoparden, Babirusa, Rehe und Krokodile kontinuierlich mit bestimmten Spielen und Beschäftigungen zu betreuen“, beschreibt der 50-Jährige seinen etwas anderen Arbeitsurlaub.

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Das Tasikoki Wildlife Rescue Center ist ein Teil der Masarang Stiftung, die von dem Tierschützer Dr. Willie Smits gegründet wurde. Den Niederländer und größten Oran-Utan-Schützer lernte Schwarz persönlich kennen. „Indonesien war wegen der Tiervielfalt absolut faszinierend. Die Makaken dort in freier Wildbahn zu sehen, war ein einzigartiges Erlebnis. Aber jede Tour, jedes Projekt hat unvergessliche Momente“, sagt Schwarz.

Die nächste Reise ist bereits in Planung. Diesmal soll es nach Namibia oder Südafrika gehen. Wenn möglich, möchte Wolfgang Schwarz dann auch wieder in seinem Traumberuf als Tierpfleger arbeiten sowie Tier- und Naturschutzprojekte vor Ort unterstützen. Vor allem wünscht sich der Südhesse, dass die Menschen behutsamer mit der Natur umgehen, damit zukünftige Generationen überhaupt noch die Möglichkeit haben, solche Erfahrungen „erleben zu dürfen“.

Wer selbst einmal an einem internationalen Naturschutzprojekt teilnehmen möchte, kann sich bei Schwarz unter Tel.: 06071 34970 melden. Darüber hinaus sind weitere Informationen unter www.tasikoki.org zu finden.

Quelle: op-online.de

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