Altheimer Professor kämpft mit BIBDD

„Rote Ballons haben beeindruckt“

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Fiege-Ansiedlung: Der Altheimer Professor Hans Jochen Reinert kämpft mit der BIBDD derzeit an verschiedenen Fronten.

Altheim - Eines sollte vorweg gesagt werden: Hans Jochen Reinert lebt mit seiner Frau zwar in Altheim – im südlichen Teil der Sudetenstraße ist vom Verkehr der B26 derweil wenig zu hören. Von Jens Dörr 

„Wir selbst sind nicht allzu stark betroffen“, gibt der Professor der Bundes-FH für Öffentliche Verwaltung, inzwischen im Ruhestand, zu. In der Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck (BIBDD), die sich seit Sommer 2013 dafür einsetzt, den Riesenbau des Logistikunternehmens Fiege zwischen Dieburg, Münster und Altheim zu verhindern, engagiert sich Reinert dennoch – und hat gerade dadurch derzeit alle Hände voll zu tun. Der 65-Jährige gebürtige Nordhesse, der aber schon seit mehr als drei Jahrzehnten in Altheim zuhause ist, ist eins von mehr als 400 Mitgliedern der BIBDD und kümmert sich im Vorstand insbesondere um Rechtsfragen. „Mich hat die Veranstaltung der Bürgerinitiative mit den roten Ballons sehr beeindruckt“, blickt Reinert auf den August des vergangenen Jahres zurück, als die BIBDD auf diese Weise die Höhe des rund 17 Meter über den Boden ragenden Baus anschaulich gemacht hatte. Zwar sei er schon vorher Mitglied gewesen, „aber ohne heftiges Engagement“.

Für sein Wohngebiet hätte ein Bau mit seinen Folgen „keine bedeutenden Auswirkungen. Die würden meine Frau und ich als begeisterte Radfahrer am ehesten beim Trip nach Dieburg spüren. Aspekte wie der Eingriff in die Natur, die Schaffung eines wahren Betonklotzes und der zunehmende LKW-Verkehr in einer ohnehin schon angespannten Situation auf der B26 waren für mich aber die persönlichen Beweggründe, mich einzubringen“, sagt Reinert.

Beschwerde bei Europäischer Kommission

Mittendrin ist er derzeit besonders in zwei Bereichen: Einerseits stellte Reinert für einen Münsterer, der an der K128 mehr als 13 Hektar Land als Stilllegungsfläche gepachtet hat, den Kontakt zu einer Frankfurter Rechtsanwalts-Kanzlei her, die mit einer einstweiligen Verfügung den Stopp der Banngraben-Verlegungsarbeiten erreichte. Der Pächter wird sich mit dem Landeigentümer Hessen Mobil demnächst indes wohl auf Ende des Pachtverhältnisses einigen, so dass die Arbeiten bald wieder aufgenommen werden dürften.

Andererseits reichte Reinert kürzlich Beschwerde bei der Europäischen Kommission ein, deren Generaldirektion Wettbewerb prüfen soll, ob die Stadt Dieburg – trotz Hinzuziehung eines Gutachters – das Gelände an Fiege unter Wert verkauft und mögliche andere (Teil-)Käufer ausreichend berücksichtigt hat. „Das hat aber keine aufschiebende Wirkung“, sagt der Fachmann, der einst Personalrecht als Schwerpunkt lehrte und erforschte. Generell sei man „in einer schwierigen Situation“, kämpfe aber weiter für das übergeordnete Ziel, das Logistikcenter zu verhindern.

Eher bedingt selbst eingreifen kann Reinert an der dritten Front, an der die BIBDD momentan kämpft: Bis Ende März will sie mindestens 1107 gültige Unterschriften von Dieburgern gesammelt haben und mittels Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid herbeiführen, in dem dann mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten ihre Ablehnung gegen den Städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt Dieburg und Fiege kundtun sollen. Während die Dieburger Stadtverordneten nicht glauben, dass dann ein neuer, für Dieburg vorteilhafterer Vertrag entstehen würde, sieht Reinert die Lage optimistischer: „Keinen neuen, besseren Vertrag zu schließen wäre unsinnig – das sind ungeprüfte Thesen. Schließlich hat die Stadt das Wegerecht als dickes Faustpfand und Fiege bereits 72.500 Quadratmeter zum Sondertarif bekommen.“

Quelle: op-online.de

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