„Nauru – Ein Krimi vom Ende der Welt“

Altheimer veröffentlicht seinen zweiten Roman

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Da ist Nauru! Der in Altheim lebende Lehrer und Hobbyautor Thomas Fuhlbrügge zeigt in einem Atlas auf den Inselstaat im Pazifik, wo sein neuer Politthriller spielt.

Altheim - Vor einem Jahr berichtete unsere Zeitung über den aus Dieburg stammenden und in Altheim lebenden Lehrer Thomas Fuhlbrügge, der in seiner Freizeit schon als Autor religionspädagogischerBücher in Erscheinung tritt. Nun hat Fuhlbrügge seinen zweiten Roman veröffentlicht. Von Jens Dörr 

2016 aber brachte er seinen ersten Roman heraus: „Gassenspieß“ nennt sich sein Debütwerk, das in und um Altheim und Dieburg spielt und als historischer Krimi Anfang des 16. Jahrhunderts aus der Ich-Perspektive die Geschichte des jungen Inquisitors Isnard von Trutz erzählt. Nun stellt der Altheimer Autor seinen zweiten Roman vor. Er ist bereits in diversen Online-Shops (Bestellmöglichkeit über Suchmaschinen und den Suchbegriff „Nauru Thomas Fuhlbrügge“ zu finden) als digitale Ausgabe oder als Taschenbuch bestellbar: „Nauru – Ein Krimi vom Ende der Welt“.

Wer von Nauru noch nie etwas gehört hat, könnte sämtliche Bibliotheken dieser Welt durchstöbern und würde doch kaum etwas finden, was ihn besser darüber aufklärt als Fuhlbrügges neuster Erguss. „Es gibt fast keine anderen Bücher zu Nauru“, erzählt der Altheimer. Einzig das Werk „Nauru – Die vermisste Insel“ habe ihm als Quelle gedient, darüber hinaus die Website der Deutsch-Naurischen Gesellschaft und die englischsprachige Lokalzeitung Naurus. Zudem habe der Weltenbummler Rolf Bilo mal ein Nauru-Blog betrieben, auch mit ihm tauschte sich Fuhlbrügge aus. „Er hat mein Buch vor der Veröffentlichung gelesen und fand es gut recherchiert, vor allem dafür, dass ich noch nie da war.“

Was auch eine wahrlich lange Reise wäre, wollte Fuhlbrügge dies eines Tages nachholen: „Zwischen Altheim und Nauru liegen Luftlinie 13 000 Kilometer.“ Nauru ist ein Inselstaat im Pazifik und mit 10 000 Einwohnern die kleinste Republik der Erde. Unter allen Staaten auf dem Globus hat nur der Vatikan weniger Einwohner. Und doch brach Nauru einst Rekorde: „Das Land war mal das reichste der Erde“, sagt Fuhlbrügge.

Nauru mit seiner Hauptstadt Yaren, in der mit 5 000 Menschen die Hälfte der Inselbewohner lebt, liegt nordöstlich von Australien, Papua-Neuginea und den Solomonen. Das Land bildet tatsächlich so etwas wie das Ende der Welt, weil die Insel nur über eine lange Schiffsreise oder mit dem Flugzeug erreichbar ist. Einmal pro Woche geht eine Maschine vom australischen Brisbane aus, ein Ticket koste 3 000 Dollar, hat Fuhlbrügge herausgefunden. Ebenso den Fakt, dass die Insel nach dem Ersten Weltkrieg mal deutsche Kolonie war, später zu Australien gehörte und 1968 unabhängig wurde.

Vom Jahr der Unabhängigkeit an durfte Nauru seinen größten Schatz in Eigenregie abbauen: Phosphat. „Die Insel entsteht aus Guano, einem Phosphatgemenge, also reinstem Dünger“, weiß Fuhlbrügge. Der Rohstoff kommt in der Landwirtschaft, aber auch in der Sprengstoffherstellung zum Einsatz und machte Nauru stinkreich. „Pro Kopf gesehen hatte man dort das höchste Steueraufkommen weltweit“, sagt der Autor. Mit der Betonung auf „hatte“.

Denn aus dem einst so reichen Nauru ist inzwischen wieder ein Entwicklungsland geworden. Um die Jahrtausendwende herum waren die Phosphatvorkommen weitgehend abgebaut; doch lebte die Bevölkerung weiter auf großem Fuß, hatten die Politiker des Landes zudem Unsummen in Fehlinvestitionen versenkt.

„Nauru hat mal ein Football-Team in Australien, eine floppende Musicalproduktion in London und nie zu Ende geführte Hotelprojekte finanziert“, berichtet Fuhlbrügge. „Und jetzt haben sie kein Geld mehr.“ Eine Not, die die Insulaner, die inzwischen nur noch den Titel als dickstes Volk der Welt (die WHO etwa erforscht dort Diabetes) halten, erfinderisch macht. Beispielsweise nimmt das Land einen Teil jener „Boat People“ auf, die Australien als Flüchtlinge nicht auf seinen Kontinent lässt. Dafür fließt Geld aus „Down Under“.

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

In dieser abgewirtschafteten Mini-Demokratie – das Parlament besteht aus 18 Leuten – und in einer Gesellschaft, die je zur Hälfte aus Polynesiern sowie Christen besteht, platziert der Altheimer Hobbyschreiber sein neues 400-Seiten-Werk. Aus dem soll erneut nicht zu viel vorab verraten werden. Nur so viel: Im Politthriller geschieht eine Mordserie, die zunächst ein naurischer Polizist aus der Ich-Perspektive erzählt. „In der Mitte des Buchs erfährt man, wer es war. Dann gibt es einen Wechsel in der Perspektive.“ Vor allem aber lernt der Leser wieder viel über eine selten beleuchtete Welt und darf wie schon beim bislang 400-fach verkauften Altheim-Krimi „Gassenspieß“ immer wieder auch kräftig lachen.

Bliebe noch zu klären, wie ein in Altheim lebender Lehrer, der Katholische Religion, Philosophie, Ethik sowie Politik und Wirtschaft an einer Schule in Babenhausen unterrichtet, auf ein Thema vom „anderen Ende der Welt kommt“. „Schon als Kind fand ich es immer faszinierend, im Atlas zu blättern“, erzählt Fuhlbrügge. „Das Thema hat mich schon mein Leben lang begleitet. In den 80er Jahren habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen.“

An den Erkenntnissen von Thomas Fuhlbrügge können nun auf ein Neues seine Leser – und solche, die es noch werden wollen – teilhaben. Und eine Idee für seinen dritten Roman, der dann wieder in Altheim und Umgebung spielen soll, hat der Autor ebenfalls schon.

Quelle: op-online.de

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