Altheimer Unternehmer Armin Probst

Erstes Werk für stabile, ultrareine Hypochlorige Säure

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„Es kann sich messen mit dem ersten Flug, dem ersten Auto, dem ersten Computer – das ist nicht mehr trivial“: Der Altheimer Unternehmer Armin Probst erklärte zur Eröffnung des Werks in Obernburg chemische Zusammenhänge.

Altheim - Einen „Technologiedurchbruch“ für Wasseraufbereitung, Lebensmittel-Reinigung und vieles mehr sieht der Unternehmer Armin Probst in der Entwicklung einer ganz besonderen Säure. Von Jens Dörr 

Bei der Eröffnung eines Werks zur Herstellung von PUR-HOCL pries er dessen Möglichkeiten an. Wenn ein gemachter Mann noch einmal volles unternehmerisches Risiko geht, bürokratischen und sonstigen Hürden trotzt, über sein Netzwerk eifrig Kapital einsammelt und mehr als eine Million Euro in eine Produktionsstätte investiert, dann muss er ziemlich überzeugt von dem sein, was da kommt. Der Mann heißt Armin Probst und lebt in Altheim, war einst Oberleutnant der Bundeswehr, leitender Personaler bei Pepsi und einem Technologieunternehmen, Vorstand des Dieburger St. Rochus-Krankenhauses und bis heute Händler von Inhalatoren für Pferde und Medizinlasern.

All das trat und tritt seit einiger Zeit in den Hintergrund angesichts jenes Coups, den der Unternehmer zu landen geglaubt hat: Kürzlich eröffnete Probst im Beisein von Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Politikern, Freunden und seiner Familie im Industriecenter Obernburg das weltweit erste Werk für stabile, ultrareine Hypochlorige Säure. Das Produkt mit dem Namen PUR-HOCL darf Probst als einziger Lizenznehmer europaweit vertreiben und sieht darin einen „Technologiedurchbruch“.

Zur Werkseröffnung wählte der Altheimer große Worte: „Es ist nicht irgendwas, nicht irgendein weiteres Produkt. Es kann sich messen mit dem ersten Flug, dem ersten Auto, dem ersten Computer – das ist nicht mehr trivial.“ Der bisherige Weg habe neben viel Geld auch reichlich „Kraft und Stress“ gekostet, nur seine „Rottweiler-Mentalität“ habe ihn durchhalten lassen. Nun soll PUR-HOCL diverse Märkte erobern und teils sogar „revolutionieren“.

Technologisch basiere es auf dem gleichen Wirkstoff, wie ihn wohl jeder aus Hallen- und Freibädern kennt, wie er beim Betreten stets die Nase erfüllt, das Wasser desinfiziert, beim Schwimmen allerdings auch die Augen bis hin zur Rötung reizt. Probst Produkt unterscheide sich jedoch aufgrund des besonderen Herstellungsverfahrens von vielen anderen Produkten auf Basis dieses Wirkstoffs. Man könne den Kernstoff dank eines neuen, streng geheimen Verfahrens nun aber so produzieren, dass er „wesentlich reiner, höher dosiert und ungefährlicher“ sei: „Das war bis vor kurzem unmöglich.“ Der Altheimer hatte das Glück, recht zufällig den Kontakt zu britischen Chemikern zu bekommen, denen der Durchbruch gelungen war. Er habe das Potenzial erkannt und sei so an die Europa-Lizenz gekommen.

Das bisherige Problem, dass man den Stoff nicht stabil und lagerfähig habe herstellen können, sei inzwischen gelöst. Nun stünden viele riesige Einsatzgebiete offen. So soll PUR-HOCL die Wasseraufbereitung in Hallen- und Freibädern verbessern: Neben der wegfallenden Reizwirkung gegenüber dem Schwimmer hinterlasse das Produkt im Gegensatz zu den bisher verwendeten Desinfektionsmitteln auch keine Schäden an Metallen oder Gummi mehr, sei zudem unbedenklich, wenn mit dem Mittel versetztes Wasser im Boden außerhalb der Becken versickere. Die DLG in Groß-Umstadt hat das Mittel inzwischen – nachzulesen in einem online öffentlich abrufbaren Prüfbericht – auf die Anwesenheit schädlicher Chlorate in verschiedenen Konzentrationen untersucht. Schon wenige Minuten nach der Anwendung, aber auch sieben Tage nach der Fertigstellung der Lösungen, seien keine Chlorate mehr nachweisbar gewesen.

Münster feiert Doppeljubiläum auf der Kerb: Bilder

Sehr plastisch ist auch ein Anwendungsbeispiel von PUR-HOCL in der Hygienisierung von Lebensmitteln. Dies führte im Gespräch mit unserer Zeitung bei der Werkseröffnung Klaus Wolf, Inhaber des „Odenwälder Käsekellers“ (Lengfeld), konkret aus: Er bekommt Rohkäse geliefert und veredelt ihn dann mit diversen Zutaten, darunter Karotten, Porree oder Radieschen. Genau die seien bei der Haltbarkeit des Endprodukts das Problem, nicht der Käse selbst. „Bisher haben wir unsere Zutaten mit Wasser gewaschen, hatten dann aber nur ein relativ niedriges Mindesthaltbarkeitsdatum von zehn bis 14 Tagen“, berichtete Wolf. Zutaten wie Kräuter und Gemüse seien natürlicherweise mit Schimmelpilzen und Hefe verunreinigt. Besonders bei Frischkäse führe das zu viel unverkauftem Ausschuss. Wolf nahm dann jedoch an einer Testreihe mit PUR-HOCL teil, wusch die Zutaten damit und staunte nicht schlecht: Selbst nach 28 Tagen seien die Proben immer noch frisch und zum Verzehr geeignet gewesen. Inzwischen biete man deutlich längere Haltbarkeiten des eigenen Käses an.

Auch das „Chlorhühnchen“ soll Probst zufolge bald kein Thema mehr sein, wenn sich PUR-HOCL verbreite. In der Oberflächendesinfektion (in Krankenhäusern, Restaurants, Küchen, Klimaanlagen), der Pharmazie (Entwicklung neuer Antibiotika) und der Landwirtschaft warteten ebenfalls große Einsatzgebiete. In Obernburg könne er nun zwar 12.000 Liter in vier Stunden (mit Konzentrationen von bis zu 8000 Milligramm pro Liter) herstellen, „die Anlage wird aber nicht ansatzweise dem Bedarf gerecht werden“, glaubt er. Deshalb hat er sich zudem den Vertrieb der Produktionsstätte gesichert.

Bilder: Gewerbeschau in Münster

Armin Probst ist felsenfest davon überzeugt, dass PUR-HOCL in etlichen Anwendungsbereichen durch die Decke gehen wird, er spricht gar von einem „Milliardenmarkt“. Sprudeln bald die großen Gewinne, profitieren über die Gewerbesteuer derweil weder seine Heimatgemeinde Münster noch Obernburg: Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Groß-Umstadt. Den Bürgermeister dort lobt er sehr für sein Interesse und die Unterstützung, während er am Landkreis Darmstadt-Dieburg und der IHK kaum ein gutes Haar lässt.

Das Industriecenter Obernburg machte derweil das Rennen gegen zwei andere Städte aus der Region: Der Standort Dieburg sei „zu teuer“ gewesen, Hanau „zu teuer und die kamen nicht aus dem Quark“. In Obernburg sei man sich vier Stunden nach der Besichtigung der vorhandenen Infrastruktur handelseinig gewesen. Dort soll auch das weltweite Forschungszentrum entstehen, das sich mit den vielen Möglichkeiten des Einsatzes stabiler, ultrareiner Hypochloriger Säure befassen soll.

Quelle: op-online.de

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