Ort in USA mit Altheimer Wurzeln

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Zahlreiche Bücher hat er bereits geschrieben: Karl J. Müller.

Münster ‐ Wer etwas über die Münsterer Geschichte wissen möchte, der hat einen informierten Ansprechpartner vor Ort: Karl J. Müller hat schon so einiges über die kleine Gemeinde herausgefunden und publiziert. Von Jasmin Frank

Ich bin 1964 für die Sozialdemokraten in den Gemeinderat gewählt worden. Da habe ich natürlich immer mitbekommen, was gerade im Ort vorgeht. Aber bald habe ich mich gefragt, was denn wohl früher so los war“, erzählt der Hobbyhistoriker. Obwohl er als Verkaufsleiter beruflich sehr eingespannt war, hat er sich bald an die Arbeit gemacht und sein erstes Buch mit dem Titel „Münster 1254 - 1988. Ein Dorf verändert sein Gesicht“ zusammengestellt. Doch dabei blieb es nicht, wie der gelernte Elektromechaniker schmunzelnd berichtet: „Wer einmal angefangen hat, sich mit Geschichte zu beschäftigen, der ist infiziert. Man kommt von einem Thema zum nächsten, sozusagen vom Hölzchen zum Stöckchen.“

Bis heute Kontakte zu emigrierten Juden in New York

Es folgten weitere Veröffentlichungen, in denen auch die angrenzenden Ortschaften zu ihrem historischen Recht kamen und mit untersucht wurden. Nach einem Band über Juden in Münster folgte ein ähnliches Projekt über jüdisches Leben in Eppertshausen. Über diese Arbeit hat er bis heute Kontakte zu emigrierten Juden, die er sogar schon in New York besucht hat. Auch eine Broschüre über Amerika-Auswanderer aus Münster und Altheim liegt bereits vor. „Die Bearbeitung der jüdischen Themen war durchaus schwierig, da die Zeit des Nationalsozialismus bis heute von vielen am liebsten totgeschwiegen würde. Ein weiteres Problemfeld der Aufarbeitung sind die Heimatvertriebenen, die ja nach dem Krieg niemand haben wollte“, informiert Müller. Trotz aller Widerstände hat er dazu eine Abhandlung unter dem Titel „Wir hofften so sehr, dass wir willkommen wären. 50 Jahre Flucht und Vertreibung“ verfasst.

Doch damit nicht genug, dem Münsterer gehen die Themen nicht aus und in wenigen Wochen wird sein neuestes Werk veröffentlicht. Darin werden vier Münsterer Geschichten erzählt. „Ich bin ja technisch sehr interessiert, deshalb habe ich gleich zwei Abschnitte den beiden Münsterer Mühlen gewidmet. Schließlich war diese Technik ja eine der frühesten Formen von Mechanik“, weiß der gebürtige Eppertshäuser, der auch gerne Familienforschung für sich und andere betreibt. Neben den Mühlen gibt es in Müllers neuestem Werk auch noch einen Bericht über die Schule, in dem er das Lehrpersonal von 1664 bis 1945 auflistet.

Sein größter Schatz ist eine besondere Biografie

Sein größter Schatz ist aber eine ganz besondere Biografie, auf die er durch seine intensiven Recherchen, die der Rentner problemlos auch mit dem Computer über das Internet betreibt, aufmerksam wurde: Unter dem Titel „Wie Altheimer nach Amerika kam“ stellt er den Lebensweg eines jungen jüdischen Altheimers dar, der im Alter von nur 13 Jahren gemeinsam mit zwei Cousins und einem Bruder 1863 in die USA auswanderte. Der nach seinem Heimatort benannte Ludwig ‚Louis’ Altheimer arbeitete sich in der neuen Arbeit hoch und brachte es zu einigem Reichtum. In Arkansas hatte er mehrere Baumwollplantagen, für die er große Hallen errichtete, der sich bald eine kleine Siedlung anschloss. Diese wurde nach ihm „Altheimer“ benannt.

Noch heute gibt es den kleinen Ort Altheimer am Arkansas River und er hat etwa 1200 Einwohner“, freut sich Geschichtsforscher Müller über seinen Fund. Wer jetzt neugierig geworden ist, muss sich noch bis Mitte Mai gedulden, dann liegt der neueste Band aus Müllers Feder vor.

Quelle: op-online.de

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