Der Anruf kam auf Mallorca

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Neuer Sportlicher Leiter des Hessischen Triathlon Verbands: Andreas Kropp. Im Sommer will er zum 7.-mal einen Ironman bewältigen.

Münster - „Sport - das kann ich“, sagt Andreas Kropp, und meint damit nicht die Tatsache, dass er schon sechsmal einen „Ironman“ bewältigt hat. Von Jens Dörr

Als er Anfang März auf dem Verbandstag des Hessischen Triathlon Verbands (HTV) im Smalltalk vor der Sitzung gefragt wurde, ob er den vakant gewordenen Posten des Schatzmeisters übernehmen wolle, lehnte der 39-Jährige, der in Dieburg wohnt, aber gebürtiger Münsterer ist, ab. Wenige Stunden später war er in anderer Funktion dennoch – einstimmig – in den Vorstand gewählt worden: Kropp ist neuer Sportlicher Leiter des Verbands.

Unter anderem die Nachwuchsarbeit möchte er forcieren, ohne sich aber als großen Reformer, der die jetzigen Strukturen umwälzen will, zu bezeichnen. Das erste Jahr werde ohnehin eine „Phase der Einarbeitung“. Bei rund 130 Vereinen in Hessen, in denen Triathlon angeboten wird – in Münster beim VfL, in Dieburg beim Turnverein, dem SV Blau-Gelb und dem Knastclub SV Altstadt, in Groß-Zimmern beim Turnverein – muss Kropp über die Monate hinweg sein Profil schärfen und zugleich diverse Befindlichkeiten beachten.

Im Berufsleben Verkaufsleiter in der Elektronikbranche

Kropp, im Berufsleben Verkaufsleiter in der Elektronikbranche – das Amt beim HTV übernimmt er ehrenamtlich – steht also vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Auf die wurde er im Frühjahr erstmals angesprochen. „Der Anruf kam auf Mallorca“, sagt er, obwohl sich in letzter Instanz erst kurz vor der Vollversammlung in Frankfurt herauskristallisiert habe, dass sowohl Schatzmeister-, als auch Sportleiterstelle vakant waren.

Unbedarft geht er derweil nicht an die Herausforderungen heran. Im HTV betreute und trainierte er als Inhaber der A-Lizenz bereits den Landeskader der 14- bis 19-jährigen Junioren. „Da geht’s schon um Leistungssport“, weiß Kropp aus Erfahrung, von der er in verschiedenen weiteren Ämtern und Funktionen reichlich weitere gesammelt hat.

Obwohl gebürtiger Münsterer, turnte er von klein auf beim TV Dieburg, wo bis heute die Angebote seines Vaters Heinz Kropp zu den Aushängeschildern im Gesundheitssport zählen und zur Strahlkraft des Turnvereins auch über die Stadtgrenzen hinaus beitragen.

Seit 1987 beim VfL Münster

1987 ging Andreas Kropp allerdings zum VfL Münster, betrieb dort Leichtathletik. Anfang der 90er wurde er Jugendwart, später Zweiter Vorsitzender. Bis heute arbeitet er im Vorstand des VfL, einem der regsten Triathlon-Vereine in Südhessen, mit. „Unser Team ist gut durchmischt, versteht sich blendend“, erläutert Kropp, weshalb ihm die Arbeit für den Münsterer Verein nach wie vor Freude macht. Der Vorsitzende Gerd Kenke ist 63, Manfred Hahn mit 67 Jahren der Älteste an der VfL-Front. Die Volleyball-Vertreterin ist wesentlich jünger, Kropp liegt altersmäßig dazwischen.

Schülertriathlon und Gersprenz-Lauf zählen zu den bedeutendsten Aktivitäten der VfL, der vor allem aber durch die Ausrichtung des Moret-Triathlons hessenweit und darüber hinaus Beachtung findet. Hier wirkt Kropp am Rennablauf mit.

Möglich scheint, dass er in diesem Jahr offizieller Renndirektor wird. Die Großveranstaltung bietet 500 Startplätze. „50 kommen nicht, 50 stornieren“; derlei Werte schüttelt der 39-Jährige, ehemals auch vier Jahre lang Jugendwart beim HTV, aus dem Ärmel. Das Umgehen mit den „tollen Ideen der Behörden“, wie er ironisch anmerkt, habe er im Zusammenhang mit dem Moret-Triathlon (zwei Kilometer Schwimmstrecke im Babenhäuser Hardt-See, etwa 90 Kilometer Radstrecke durch den vorderen Odenwald und 21,1 Kilometer Laufen rund um das Sportzentrum Altheim) gelernt. Früher etwa habe man zwecks Genehmigung schlicht den Streckenplan zugeschickt. Nun müsse man, weshalb, könne er kaum nachvollziehen, jede passierte Straße namentlich aufführen.

Moret-Triathlon im Juni zum 29. Mal

Dennoch wird es den Moret-Triathlon im Juni dieses Jahres zum 29. Mal geben. Fast seit Beginn an sind auch die Hessenmeisterschaften auf dieser Distanz bei der VfL-Veranstaltung involviert. Kropp zählt zudem zu den Männern der ersten Stunde des „Römerman Dieburg | 140.6 team“, dem Ironman für jedermann, der im Sommer 2012 seine Premiere feierte. Dort fungierte Kropp als Ressortleiter für die Wechselzone, in der die Schwimmer aufs Rad stiegen und nach der Radstrecke ihren Drahtesel fürs Laufen zurückließen. Auch in diesem Jahr werde er diese Aufgabe übernehmen.

„Die Veranstaltung ist Gold wert. Sie bringt den Triathlon in die breite Masse hinein.“ Die wiederum sei Basis für Topathleten: „Ohne Breite kriegst du keine Spitze“, sagt Kropp, dessen VfL aktuell etwa ambitionierte Athleten wie Martina Maul oder Nils Haase vorzuweisen hat.

Hier sieht der neue Sportliche Leiter des HTV viele Vereine noch vor einem „Lernprozess“: Es gelte eben, Breiten- und Spitzensport gleichermaßen zu fördern.

Die Sporthöhepunkte des Jahres 2012 in Bildern

Die Sporthöhepunkte des Jahres 2012 in Bildern

In der Welt genießt der deutsche Triathlonsport einen guten Ruf. Umso besser sei es, wenn er durch neue Rennen wie den Dieburger Römerman zusätzliche Schichten anspreche, die womöglich keine extreme Trainingspensen absolvierten, dennoch aber hin und wieder einen Triathlon „finishen“ wollten. Auch die Einführung des Römerman als lockere Distanz für Frau und Mann fast jeden Alters hänge entscheidend mit den verantwortlichen Menschen zusammen: „Mit Sebastian Dehmer und David Thomas sind da zwei Leute mit echtem Herzblut dabei“, lobt Andreas Kropp. Diese Aussage ließe sich auch guten Gewissens auf ihn selbst anwenden.

Quelle: op-online.de

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