Fächerübergreifend Bogen spannen

+
Robin Hood machte das so - Sigrid Vollhardt erklärt den Dieburger Schülern die Handhabe von Pfeil und Bogen.

Münster - „Bis zum Kinn ziehen“, ruft Sigrid Vollhardt, während der 14-jährige Dominik den Bogen spannt. Obwohl die Scheibe nur fünf Meter entfernt steht, landet der Pfeil schlapp auf dem Boden. „Du hast ihn festgehalten“, klärt die Expertin auf. Von Michael Just

Doch trotz der kleinen Startschwierigkeiten ist der Junge vom Bogenschießen positiv überrascht: „Das ist das erste Mal für mich. Und es macht Spaß. “.

Zwei Klassen der Dieburger Anne-Frank-Schule mit 14 Schülern waren jetzt beim Schützenverein „Waidmannsheil“ zu Gast. „Wir haben gerade das Thema Mittelalter im Unterricht. Handlungsorientiert sollen die Kinder dazu mal schauen, wie die Menschen früher gejagt haben. Dafür ist dieser Ausflug ein guter Jahresabschluss“, sagt Lehrer Matthias Wolf. In Münster wohnend, stellte er den Kontakt zwischen Verein und der in Dieburg beheimateten Schule für Lernhilfe her.

„Selbst mal einen Bogen gebastelt“

„Als ich noch kleiner war, habe ich selbst mal einen Bogen gebastelt“, erzählt Assad (15), der wie sein Mitschüler Dominik schnell feststellen muss, dass das Bogenschießen nicht so einfach ist, wie es aussieht. Dass vor einigen Jahrhunderten davon das Mittagessen abhing, wollen sich die beiden lieber nicht vorstellen: „Wir hätten dann bei unseren Freunden mitgegessen“, führen sie die mögliche Alternative an.

Verfehlten am Anfang noch viele Pfeile die Scheibe, erreichten mit der richtigen Technik bald immer mehr ihr Ziel. Wie die 13-jährige Jenny bewiesen vor allem die Mädchen eine ruhige Hand und die nötige Konzentration.

Seit 2008 haben die Münsterer Schützen einen Bogenplatz eingerichtet. „Das ist ein Trendsport, dazu wollten wir unser Angebot erweitern“, erklärt Vollhardt.

Derzeit hat der Verein rund zehn junge „Erben von Robin Hood“. Im Winter bei Eis und Schnee wird in der Altheimer Halle trainiert. Während die Erwachsenen den Bogen vor allem aus Spaß spannen, zeigt sich der Nachwuchs ambitionierter. So will man im nächsten Jahr zum ersten Mal an den Kreismeisterschaften teilnehmen.

Anne-Frank-Schule mit zwei Klassen

Da die Anne-Frank-Schule mit zwei Klassen kam, teilte Vorsitzender Harald Vollhardt die Schüler auf: Ein Teil schoss mit Pfeil und Bogen, die anderen durften das Luftgewehr kennenlernen. Wie die Nachfrage ergab, war dies für fast alle Schüler der erste Kontakt mit einem Schützenverein. „Geschossen habe ich bisher nur in Computerspielen“, berichtet Fabian (12). Eine Aussage, die Vollhardt nicht neu ist und über die er gleich klarstellt: „Ballerfreuden erfüllen sich bei uns nicht. Hier herrscht Disziplin und Ordnung. Beste Freunde werden wir nur dann, wenn alle Regeln bedingungslos eingehalten werden.“

Da der Besuch von Schülern keine Seltenheit ist, muss der Vorsitzende regelmäßig seine „Kameraden“ erstmal desillusionieren und aufklären, was Sportschützen eigentlich machen und wollen. Bei Projektwochen zählte man schon bis zu 50 Gäste. Wie Vollhardt bedauert, müsse man größeren Gruppen in jüngster Zeit aus Personalmangel absagen. Viele Rentner, die sich vorher hierfür engagiert hätten, stünden nicht mehr zur Verfügung. Schade, da sich durch solche Besuche neue Mitglieder rekrutieren ließen.

Trotzdem kann sich die Jugendabteilung der Münsterer Schützen sehen lassen: Mit 42 Jugendlichen zählt sie bei stetigem Zuwachs zu den stärksten Gruppen der Region. Bis von Roßdorf und Ober-Ramstadt kommen mittlerweile die Schüler. Eine Sache, die den Vorstand in Bezug auf die geleistete Sozialarbeit zurecht stolz macht. Bis hin zu autogenem Training wird reichlich Zeit für den Nachwuchs investiert und damit ein Schützenverein präsentiert, wie er eigentlich sein soll.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare