Lärm an der B26

Im Garten bis zu 82 Dezibel

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Gerhard Bonifer-Dörr verschaffte sich mit weiteren ALMA-Fraktionsabgeordneten sowie Mitgliedern des Grünen-Ortsverbands Münster bei Anwohnern der Babenhäuser Straße in Altheim einen Eindruck der Belästigungen; hier bei Ludwig Wießmann (mit Zettel in der Hand in seinem Garten) und Herbert Hackel.

Altheim - Es ist laut an der B 26, schon immer, was es für die Anwohner allerdings nicht besser macht. Vor allem jedoch: „In den letzten zehn Jahren hat der Lärm deutlich zugenommen“, sagt Ludwig Wießmann und erntet dabei die Zustimmung von Herbert Hackel. Von Jens Dörr 

Beide wohnen in der Babenhäuser Straße in Altheim, wo ihre Gärten auf der Nordseite des Hauses direkt an die Bundesstraße heranreichen. Nicht nur der schon lange währende Stillstand rund um die wichtige Ost-West-Achse, insbesondere zwischen Darmstadt und Aschaffenburg, ärgert nahezu alle Anrainer besagter Altheimer Chaussee. Vor allem der Ausblick mit dem in Kürze in Betrieb gehenden Reifenlager der Firma Fiege macht Sorgen. Die hörten sich nun vor Ort auch die Fraktionsmitglieder der Alternativen Liste Münster-Altheim (ALMA) sowie Mitglieder des Grünen-Ortsverbands Münster an.

ALMA-Fraktionschef Gerhard Bonifer-Dörr hatte zur Begehung des Gartens von Wießmann ein Schallmessgerät mitgebracht, mit dem er den Pegel etwa 20 Meter von der B 26 entfernt erfasste. Standen die Fahrzeuge an der Altheimer B 26-Ampel, zeigte das Gerät 60 Dezibel an. Fuhren die Fahrzeuge an den Grundstücken vorbei, stieg der Pegel auf 70 Dezibel. Bei vorbeifahrenden Lastwagen und gemessenen 80 bis 82 Dezibel war eine Unterhaltung nicht mehr möglich. Zwar stehen die Häuser der Babenhäuser Straße etwas weiter entfernt von der B 26, meist zwischen 50 und 100 Meter. Doch auch dort wird der zumindest tagsüber fast dauerhafte Lärm als sehr störend bis gesundheitsgefährdend wahrgenommen.

Forderung nach Schallschutz-Maßnahmen

Das deckt sich auch mit den Zielwerten der Lärmbekämpfung, die das Umweltbundesamt nennt. Dort heißt es, „zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken“ sollten tagsüber 65 Dezibel und nachts 55 Dezibel nicht überschritten werden. Dabei handele es sich zudem um ein „Minimalziel“. Der optimale Schutz vor Schädigungen durch Lärm liege bei 50 (tagsüber) beziehungsweise 40 Dezibel (nachts). Je größer die Lärmbelastung, desto größer ist dem Amt zufolge etwa das Risiko eines Herzinfarkts.

Bei der Antwort, die man den geplagten Anwohnern der B 26 bei Altheim seitens der Lokalpolitik geben wolle, lag Bonifer-Dörr nahe bei den Empfehlungen des Umweltbundesamts, das sich bei Überschreitung der Zielwerte für „feste Hindernisse wie Schallschutz-Wände, Wälle, Überdeckungen und Einhausungen“ ausspricht. „Ein durch bauliche Maßnahmen erreichter Lärmschutz ist das Mindeste, was die Anwohner der Trasse der B 26 in der Ortslage Altheim brauchen,“ fasste es Gerhard Bonifer-Dörr zusammen. Bauen und bezahlen solle das aber nicht die Gemeinde Münster, sondern das Land über sein Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil.

Mit dieser Institution, vormals Straßenverkehrsamt, steht seit einiger Zeit auch Anwohner Wießmann in Kontakt. Und er hat eine konkrete Zusage erhalten: Voraussichtlich im März 2015 wolle die Behörde an der B 26 eine neue Verkehrszählung vornehmen, dann auch schon einen Teil des Fiege-Schwerlastverkehrs, der zumindest zu einem kleinen Prozentsatz auch gen Babenhausen abfließen soll, beinhaltend. Aus den Zahlen ließen sich aus Lärmwerte ableiten. „Hessen Mobil misst nicht, sondern zählt nur“, macht Wießmann deutlich. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Hessen-Mobil-Pressesprecher Veit Göbel indes, das aktuell keine neue Zählung anstehe, man die Situation jedoch im Auge behalte.

Bis zum Frühjahr heißt es also wohl vor allem: warten. Parallel dazu will sich die ALMA – neben der Kontaktaufnahme zum grünen Hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir – allerdings dafür einsetzen, dass Münsters Rathaus gegenüber „Hessen Mobil“ am Ball bleibt. Das hatte kürzlich auch der neue Bürgermeister Gerald Frank zugesichert.

Quelle: op-online.de

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