„Arm, aber glücklich und zufrieden“

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Pater Dunstan Mbano (Zweiter von links) mit seiner Familie und Hildegard Stumm sowie deren Tochter Hildegard.

Münster - Mit 78 Jahren noch kein bisschen müde ist Hildegard Stumm, die vor wenigen Wochen erst Tansania bereist hat und das aus guten Grund: Sie betreut gemeinsam mit Richard Schadt seit mehreren Jahrzehnten die Priesterpatenschaft der katholischen Gemeinde St. Michael. Von Jasmin Frank

Über die Projektgruppe wird Geld für ein Priesterseminar in der Erzdiözese Songea in Tansania gesammelt.

„Als meine Töchter mich im vergangenen Jahr nach meinen Plänen für 2011 fragten, erzählte ich ihnen von meinem Herzenswunsch: Einmal nach Tansania reisen und dort vor allem Pater Dunstan Mbano wieder sehen“, erinnert sie sich lächelnd. Der Wunsch war schon vor vielen Jahren in ihr entstanden, als sie im Kloster Münsterschwarzach zufällig den Erzbischof der unterstützten Diözese Norbert Mtega traf. „Es war ein sehr bewegender Moment, als ich mich ihm vorstellte und er mich schnappte, mir spontan die Hände auf die Schultern legte und sagte: ‚Liebe Hildegard Stumm, ich werde mich freuen, wenn Du mich mal besuchen kommst.’ Da stand für mich fest, dass ich nach Tansania fahren will“, strahlt die Mutter dreier mittlerweile erwachsenen Töchter.

„Wenn nicht jetzt – wann dann?“

Doch aus gesundheitlichen Gründen musste die Reise jahrelang verschoben werden, zwischenzeitlich verweilte aber Pater Mbano, der in Frankfurt promovierte, regelmäßig in Münster. So wurden die Kontakte in das ferne afrikanische Land intensiver und persönlicher. Mbano, der inzwischen Sekretär des Erzbischofs ist, lud Stumm zudem ein. Und weil sie in diesem Jahr von ihrem Arzt grünes Licht bekommen hatte, gab es für sie kein Halten mehr. „Mein Hausarzt meinte, wenn nicht jetzt – wann dann? Als dann meine jüngste Tochter, die ebenfalls Hildegard Stumm heißt, erklärte, dass sie mitkommen wolle, traf ich alle Vorbereitungen“, freut sich die resolute Seniorin.

Die etwa 75 Mitglieder der Priesterpatenschaft, die einen monatlichen Spendenbeitrag von mindestens drei Euro entrichten, fieberten mit ihr auf die Reise hin. „Normalerweise sammeln wir ja nur kleinere Beträge ein, aber da ich direkt vor Ort sein würde, kamen noch weitere Geldspenden hinzu, so dass ich einen Scheck über 2 400 Euro überreichen konnte. Darüber herrschte im Priesterseminar in Peramiho natürlich eine große Freude, denn für die 160 Theologiestudenten bedeutet das einen erheblichen Zuschuss zu ihren Lehrmitteln, ihrer Verpflegung und zu allen sonstigen Kosten“, informierte Stumm.

Sie war vom Erzbischof persönlich eingeladen worden und verbrachte die zwei Wochen in Tansania mit dessen Sekretär Mbano. „Das war für uns ideal, denn er spricht ja perfekt deutsch und kennt das Land wie seine Westentasche“, erzählt Stumm.

Glücklicher und zufriedener

Gemeinsam mit ihrer Tochter bereiste sie zahlreiche Missionsstationen, besuchte Einrichtungen für Behinderte und das Priesterseminar selbst. Zwar sei Tansania keines der ärmsten Länder des Kontinents, doch aus deutscher Perspektive fehle es an vielem, wie Stumm berichtet, die jedoch hinzufügt: „Obwohl die Menschen viel weniger besitzen als wir, sind sie wesentlich glücklicher und strahlen eine wunderbare Zufriedenheit aus. Sie lachen viel, sind stolz und aufrecht, singen häufig und sind bei weitem nicht so verhärmt und unzufrieden, wie es hier in Deutschland bei vielen der Fall ist“, schildert sie ihre Eindrücke.

Spenden sind willkommen

Gerade die Gottesdienste hatten es der gläubigen Katholikin angetan. „Es war für mich schon fast enttäuschend, als ich wieder zurück war, denn die Stimmung in der Kirche ist eine gänzlich andere. Dort dauern die Gottesdienste etwa zwei Stunden, doch sie sind keinen Moment langweilig. Die Menschen singen und tanzen alle gemeinsam, nicht nur der Chor, sondern alle Teilnehmer. Es ist ein Jubel und eine Freude, die kaum zu beschreiben ist, die Stimmung ist überwältigend“, erinnert sie sich wehmütig und zugleich begeistert.

Ein wenig von dieser lebendigen Fröhlichkeit möchte sie auch den Menschen in Münster vermitteln, deshalb plant sie demnächst einen weiteren Vortrag über ihre Reise, nachdem ihr erster öffentlicher Bericht darüber großen Anklang gefunden hatte.

Wer sich über die Priesterpatenschaft informieren möchte, kann dies im katholischen Pfarrbüro Münster unter Telefon 06071 31313 tun, Spenden sind unter der Kontonummer 807400411 BLZ 50561315 VVB Maingau stets willkommen.

Quelle: op-online.de

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