Mehr als „knicken, lochen, abheften“

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Armin Probst (rote Krawatte) berät unter anderem Christian Keller, Betriebsleiter der Kreisklinik in Groß-Umstadt.

Altheim/Dieburg - Personal einstellen, Gehalt berechnen, Personal freistellen – Armin Probst nennt das „knicken, lochen, abheften“. Der 47-Jährige aus Altheim war jahrelang Personal-Chef eines Großkonzerns und hatte einen weltweiten Geltungsbereich. Von Jens Dörr

Bis er sich der Maschinerie entzog, in der ihm besonders das oft allzu kurzfristig angelegte unternehmerische Handeln aufstieß. „Häufig nur bis zur nächsten Bekanntgabe der Quartalszahlen“, wie Probst anmerkt.

Unter dem Namen InterHRim – HR für „Human Ressources“, also Personal, kombiniert mit „inter“ (zwischen) und interim (vorübergehend) – machte er sich selbstständig, verzichtete zunächst auf ein gutes Salär und betrieblichen Einfluss. Den gewann er nach und nach allerdings bei mehreren Kunden wieder: Probst fungiert inzwischen erfolgreich als Berater und eine Art „mobile Personalabteilung“. Sitz von Probsts Unternehmen ist im Dieburger „Technologie- und Innovationszentrum“ (TIZ) am Landratsamt, wo Gründer und fortgeschrittene Unternehmer wirken. In der Regel findet man Probst „draußen“ beim Kunden.

So etwa bei der Kreisklinik in Groß-Umstadt oder dem Verein für Behindertenhilfe im Industriegebiet-Nord (siehe auch blauen Kasten). Beide haben Probsts Expertise in Anspruch genommen und sind damit schon weiter gegangen als viele Mittelständler. Obwohl laut Probst viele Betriebe „ab 250, 300 Leute zumindest irgendetwas“ hätte, was als Art Personalabteilung fungiere. Die wenigsten indes würden deren zentrale Aufgaben allumfänglich wahrnehmen: „Es wird nicht gelebt“, formuliert Probst das Resultat seiner vieljährigen Bestandsaufnahme.

Korrekter Ausdruck des Lohnzettels

„Es“: Das sind neben dem korrekten Ausdruck des Lohnzettels etwa allerlei Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung. „Die gewinnt aufgrund der demografischen Entwicklung dramatisch an Bedeutung“, wie Probst betont. Dass sich Mitarbeiter im Unternehmen wohl fühlten, habe zunächst nichts mit Geld zu tun: „Es geht um Anerkennung und Respekt, aber auch um eine vernünftige Informationsstruktur“, reißt der Altheimer ein Thema an, dessen ausführliche Aufbereitung Bücher füllen kann. Wobei es dennoch oft um ganz einfache Dinge gehe: Wertvoller als ein Intranet oder „Systeme wie ein betriebliches Vorschlags-Management“ seien regelmäßige Zusammenkünfte der Belegschaft. Es komme auf Transparenz, Information, Nachvollziehbarkeit von Dingen an. Und eine „Offene-Tür-Politik“ der Entscheider, wie Probst ergänzt.

Das klappt nicht überall, was für den 47-Jährigen einen ergiebigen Markt darstellt. Wie man sich in Steuerfragen einen Steuerberater an Bord hole, könne man das in Personalfragen auch mit Spezialisten wie ihm tun, so Probst. Was nötig werde, weil seiner Einschätzung nach authentische Führungspersönlichkeiten in den vergangenen Jahren rarer geworden seien. „Das hat an Wert verloren. Stattdessen regieren die Werte an der Wand, Kurzfristigkeit und Sprücheklopfen.“

Klartext redet Probst auch im Umgang mit seinen Kunden – praxisbezogen und nach ausführlichem Zuhören. „Dem Mittelstand können Sie nichts vormachen“, sagt er. Doch auch den dortigen Verantwortlichen sei Personalführung „nicht gottgegeben“. Also versucht er zu leisten, was eigene Personaler nicht immer leisten oder leisten können. Was auch mit den finanziellen Mitteln zu tun hat, wie Probst aus Erfahrung weiß: „Einen kompletten Personaler kann sich nicht jeder leisten, wohl aber einen, der alle zwei Wochen für einen Tag da ist.“ Hier und auf Zeit setzt Armin Probst an - interimsweise.

Quelle: op-online.de

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