Wiedereinweihung nach langer Sanierung

„ARThaus dient Altheims Selbstbewusstsein“

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Bürgermeister Gerald Frank (links) bekommt die Urkunde zur Leader-Förderung von Landrat Klaus Peter Schellhaas.

Altheim - Nach „nahezu abgeschlossener Sanierung“ des ARThauses übergab gestern Bürgermeister Gerald Frank zur Wiedereinweihung das schmuck herausgeputzte Gebäude an der Hauptstraße vor zahlreichem Publikum seiner Bestimmung. Von Thomas Meier 

Und er strich die von Landrat Klaus Peter Schellhaas überbrachte Höchstförderung aus der Leader-Stiftung von 200.000 Euro ein. Die Schaffung der kulturellen Begegnungsstätte ARThaus, des im Jahr 1862 als Rathaus erstellten Gebäudes, hat ein Gesamtvolumen von 400.000 Euro brutto. Die Förderquote aus dem EU-Leader-Programm zur Unterstützung der ländlichen Region beträgt 70 Prozent der Nettokosten, und Münster erhielt so den Maximalzuschuss fürs Vorzeigeprojekt. Dies galt es gestern mit großem Bahnhof zu feiern.

Auf großes Interesse stieß gestern die Wiedereröffnung des ARThauses in Altheim nach „nahezu abgeschlossener Sanierung“, wie es Bürgermeister Gerald Frank im ehemaligen Sitzungssaal des als Rathaus konzipierten Gebäudes formulierte.

Bürgermeister Frank war stolz: „Jetzt ist ersichtlich, was Sanierung bedeutet.“ Das Haus erstrahle in neuem Glanz. Bei der Bewahrung des „Haus des Volkes“ sei die Demokratie voll zum Tragen gekommen. Vor allem dank des Bürgerengagements und des Leader-Programmes. Kurz ging der Bürgermeister auf die wechselvolle Geschichte des alten Gebäudes mit seiner vielseitigen Nutzung ein: Bürgermeisterei und Rathaussaal, Wiegeraum für Schweine, Trauzimmer, Gefangenenzelle, Krankenpflegestation, Bibliothek. Bis der lange Leerstand und eine Menge Gezänk ums Haus Einzug hielten.

So war Frank auch froh, als vor ein paar Jahren die Wandlung von Rat- zum Arthaus erfolgen sollte und sich eine Künstlerinitiative anschickte, das historische Gebäude, das niemand kaufen wollte, für sich entdeckte und zum Domizil für vielfältige künstlerische Aktivitäten machte. Im Juli 2015 wurde der Verein „ARThaus, Kunst und Kultur Münster-Altheim“ zum Erhalt des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gegründet, das weiter als Ort des Austausches und der Begegnung dienen soll.

Mit „Muskelhypothek und Manpower“ hätten sich die Kreativen ans Werk gemacht, erinnerte der Verwaltungs-chef, und zur Sanierung habe der Verein viele Ideen, beispielsweise zur Farbgestaltung und der Fliesenauswahl, eingebracht. Die historische Bedeutung des Bauwerkes sei so erhalten und überall sichtbar geblieben. Selbst die alten Zimmer-Schilder habe man über die Zeit und die Sanierung gerettet, so dass noch erfahrbar ist, wo das Archiv, der Sitzungssaal, die Amtsstuben waren.

Frank ist sich sicher, dass das Ex-Rathaus wieder mit viel Leben erfüllt sein wird. Mit künstlerischem Leben, Theater-, Ausstellungs-, Lesungs- und Konzertkultur. Als generationenübergreifende Begegnungsstätte habe es sich ja schließlich auch bis kurz vor Schließung zur Sanierung bereits entwickelt.

Auch freute sich Frank, dass während der Umbauphase zu Baustellenbegehungen zahlreiche Bürger den Weg ins ARThaus gefunden hätten. Und Lob zollte er dem Verein, dass er für 2019 bereits ein umfassendes Veranstaltungsprogramm vorgelegt habe. Spieleabende, Musiksessions, Vernissagen, Ausstellungen, Konzerte, Theater und vieles mehr machten das ARThaus schon jetzt zum ausgebuchten Ort.

Altheim feiert auf der Kerb: Bilder

Kai Herd, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Münster, oblag es, einen geschichtlichen Abriss zum architektonisch interessanten Gebäude zu geben. Aus dem Ort politischer Selbstbestimmung sei nun einer kultureller Selbstbestimmung geworden, begrüßte er die Entwicklung. Ob Rat- oder Arthaus: es sei stets ein Spiegel der Gesellschaft.

Landrat Schellhaas, der spät, aber mit Scheck kam, meinte, dass im „suburbanen Landkreis“ alte Rat- oder auch Schulhäuser in kleinen Orten Segen und Fluch gleichermaßen seien. Beides seien herausragende Gebäude, die von Gemeinschaften für die Gemeinschaft an zentraler Stelle im Ort errichtet wurden. Und weil es wichtige Häuser waren, wurde viel investiert. Deshalb stünden ja auch so viele dieser Gebäude noch, wenngleich kaum noch eines seiner alten Bedeutung gerecht werde. „Die meisten sind verkauft“, sagte Schellhaas.

„Die Häuser dienten in den Dörfern auch dem Selbstbewusstsein“, in Altheim gelte dies nun wohl auch fürderhin, so der Landrat.

Quelle: op-online.de

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