Auch der Biber liebt klares Wasser

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Nicht nur die Naturfüchse hatten ihren Spaß beim Malen und Basteln.

Münster - Wo gelangt unser Abwasser hin? Über die Kanalisation ins Klärwerk. Dort wird es gereinigt und anschließend in die Gersprenz geleitet. Von Jasmin Frank

„Allerdings ist es dann nicht von allen Krankheitserregern befreit, deshalb ist das Gersprenzwasser kein Trinkwasser“, erläuterte Wolfgang Kleinheinz, stellvertretender Leiter des Münsterer Klärwerks, anlässlich des Tages der offenen Tür.

Zahlreiche Besucher waren gekommen, um sich das Klärwerk anzusehen. In kleinen Gruppen wurden sie etwa eine halbe Stunde lang durch das Gelände geführt und konnten an jedem der Becken den Reinigungsweg nachvollziehen, den das Wasser in der Anlage hinter sich bringt. Doch bevor es soweit war, begrüßte Bürgermeister Walter Blank die Gäste, die gleich zwei Gründe zum Feiern hatten: Nicht nur das Klärwerk feierte Geburtstag, auch die Münsterer Nabu Ortsgruppe hatte Jubiläum: Seit 60 Jahren ist sie für den Naturschutz vor Ort da und arbeitet dabei auch eng mit dem Klärwerk zusammen.

Stephan Scholz und Kilian Huther demonstrieren eine der Kameras, mit denen das Rohrleitungssystem in Münster überprüft werden soll. 

„Unser Betrieb arbeitet energiebewusst. Die Kooperation mit dem Nabu hat dazu geführt, dass das Gersprenzwasser derzeit so sauber ist, dass sich der Biber und der Eisvogel wieder angesiedelt haben“, erläutert Betriebsleiter Kilian Huther die Auswirkungen der Anlage, deren technische Daten Bürgermeister Blank in seiner Rede darstellte: „Zehn Millionen Mark wurden in das Klärwerk investiert, das 1986 fertig gestellt wurde. Es war für 15.000 Einwohner ausgelegt und bestand aus den Bereichen der Regenwasserbehandlungsanlage, der Abwasserreinigung und der Schlammbehandlung. Natürlich wurde auch eine Überwachungsanlage, eine Werkstatt, das Magazin und ein Labor zur Eigenkontrolle eingerichtet.“

Neue Eigenkontrollverordnung zur Grundstücksentwässerung

In den letzten Jahren wurde das Klärwerk ausgebaut und auf den neuesten Stand gebracht. So erneuerte man 2007 die technische Ausrüstung der biologischen Stufe der Kläranlage für rund 1,25 Millionen Euro. Blank ging auch auf die Erfolge der Ortsgruppe des Nabu ein und listete zahlreiche Projekte auf, die von den Naturschützern in den vergangenen 60 Jahren umgesetzt worden waren, darunter die Errichtung eines Teiches am Rotkäppchen, die Anlage eines Komfortinsektenhotels in den Hergershäuser Wiesen und die Erstellung einer Abbruchkante für Uferschwalben.

Über diese und andere Aktionen konnten sich die Besucher auf zahlreichen Infowänden in Kenntnis setzen, zudem wurde für die kleinen Gäste ein abwechslungsreiches Programm mit Bastelangeboten und Rallye angeboten.

Doch ein Thema interessierte viele der Anwesenden besonders: die neue Eigenkontrollverordnung zur Grundstücksentwässerung. Stephan Scholz, Bauingenieur und zertifizierter Kanalsanierungsberater, erläuterte, was auf Hausbesitzer zukommen wird: Die Gemeinde gibt die Kontrolle der Kanalisation per Kamera in Auftrag. Jeder Hauseigentümer erhält im Anschluss einen Bestandsplan, auf dem er sehen kann, wo auf seinem Grundstück Rohre verlaufen, zudem bekommt er Informationen über deren Zustand. Sind die Rohre schadhaft, muss der Eigentümer für die Beseitigung der Mängel Sorge tragen.

Wasser und Fremdwasser

„Löcher in den Rohren haben gleich doppelt negative Folgen: Zum einen fließt schmutziges Abwasser heraus und belastet die Umwelt. Zum anderen dringt aber auch sauberes Fremdwasser ein und erhöht den Arbeitsaufwand im Klärwerk, wodurch enorme Kosten entstehen“, so Scholz.

Klärwerksleiter Huther kennt die Zahlen und informiert: „Etwa 35 Prozent des Wassers, das wir hier reinigen, ist Fremdwasser wie Regen- oder Grundwasser und erhöht somit unseren Arbeitsaufwand.“ Gerade durch die gesplittete Abwassergebühr, bei der versickertes Wasser nicht berechnet wird, entstehen durch schadhafte Rohre Kosten. Von Gebührenerhöhungen durch die Maßnahme war von den Fachleuten jedoch nicht die Rede, es wurde auf eine Gebührenerweiterung verwiesen. Zudem werde durch die Instandhaltung der Rohre nicht nur der Wert des jeweiligen Eigentums erhalten, sondern auch die Kosten im Klärwerk gesenkt, was ebenfalls Auswirkungen auf die Wassergebühren haben könnte.

Trotz der vielen Zahlen und Berechnungen standen aber nicht die Kosten des Abwassers im Vordergrund, sondern die bunten Feierlichkeiten anlässlich der beiden Jubiläen.

Quelle: op-online.de

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