Auch Nacktschnecken probiert

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Die Aue-Schüler Moritz Willett und Julia Ries sammelten Erfahrungen und Souveniers im Reich der Mitte.

Münster ‐ Rund 9000 Kilometer Luftlinie von der Heimat entfernt tauchten 36 jugendliche Schüler aus Münster und Umgebung kürzlich für zwei Wochen in eine ihnen bis dato unbekannte Kultur ein. Von Ellen Jöckel

In der ersten Woche lernten sie als Teilnehmer eines Pilot-Austauschprogramms der Münsterer Schule auf der Aue das Zuhause ihrer Partner kennen: Huangyan in der chinesischen Provinz Zheijang. Auch die 15-jährige Julia Ries aus Münster und der 14-jährige Moritz Willett aus Altheim ergriffen im vergangenen Schuljahr die vielleicht einmalige Chance, Kultur und Menschen aus dem Reich der Mitte hautnah zu erleben.

„Ich habe mich für den China-Austausch entschieden, weil er der außergewöhnlichste von den Programmen der Schule ist“, begründet Moritz seine Entscheidung. „Ich wollte einfach wissen, wie es dort ist und die Menschen kennen lernen“, war für Julia der Ausschlag gebende Grund ihrer Teilnahme.

Die lange Reise nach China traten die Aue-Schüler nicht unvorbereitet an: Ein halbes Jahr lang lernten sie bei regelmäßigen Treffen mit ihren Begleitlehrern Karl-Heinz Nissen, Ingrid Arnold-Berndt, Mareike Bischof und Dr. Claus Walther einiges über das Heimatland und die Sprache ihrer Partner kennen. Per E-Mail gab es die erste Kontaktaufnahme. Dann kamen die chinesischen Austauschschüler mit ihren Lehrern nach einer Europarundreise Ende August für eine Woche nach Münster.

15 Stunden Flug bis nach Shanghai

Julias Austauschpartnerin, die 17-jährige Chen Xian, habe sich ihr gegenüber gleich sehr aufgeschlossen gezeigt: „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden.“ Chen Xian, die sich für ihre neuen deutschen Freunde „Toto“ nannte, spreche zudem sehr gut Englisch, was die Kommunikation zwischen ihnen immens vereinfachte.

Mehr Pech diesbezüglich hatte Moritz: Sein Austauschpartner, der 16-jährige Sun Luqiang, habe sich kaum mit ihm verständigen können und sei auch sehr schüchtern gewesen. „Das meiste, was ich ihm auf Englisch gesagt habe, hat Sun Luqiang verstanden. Nur leider hatte er Schwierigkeiten zu antworten. Zum Teil haben wir es mit Zeichensprache versucht“, schildert Moritz den Kontakt.

Schließlich war es dann auch für die Münsterer Schüler soweit: Nach 15 Stunden Flug bis nach Shanghai ging die Anreise mit einer fünfstündigen Busfahrt weiter an der Ostküste entlang in Richtung Süden bis nach Huangyan. Den deutschen Jugendlichen, die zum ersten Mal so weit weg von zuhause waren, sei als Erstes vor allem das hohe Verkehrsaufkommen aufgefallen. „Ich würde dort kein Auto fahren wollen“, meint Julia. Neben Teilnahmen am Unterricht in der Austauschschule, der Huangyan High School, lernten die Aue-Schüler das Zuhause ihrer Gastfamilien kennen. Normalerweise leben die chinesischen Schüler während der Woche im Internat. Doch aus dem besonderen Anlass nächtigten die Austauschpartner mit ihren deutschen Besuchern in ihren Familien.

„Es hat ganz gut geschmeckt“

„Meine Gastfamilie wohnt in einer modern eingerichteten Wohnung in einem bewachten Hochhaus“, erzählt Moritz. Doch auch die Eltern seines Partners hätten kein Englisch gesprochen, was sein Gefühl der Fremdheit verstärkt habe. Mehr „Narrenfreiheit“ dagegen hatte Julia: „Meine Austauschpartnerin hat eine eigene Wohnung, damit sie am Wochenende zum Lernen mehr Ruhe hat.“ Nur zum Frühstück und Abendessen seien die Eltern vorbeigekommen. „Kaum waren wir alleine in ihrer Wohnung, hat Toto ihre Schuluniform aus- und einen Minirock angezogen“, schildert Julia. Figurbetonte Kleidung oder auffälliger Schmuck seien nicht gern gesehen.

Besonders deutlich wurden kulturelle Unterschiede jedoch beim Essen: „Ich habe alles probiert, was mir angeboten wurde: Schlange, Qualle, Entenzunge oder aber eingelegte Wassernacktschnecke“, berichtet Julia frei heraus. Beim Zubereiten der Schlange habe Julia sogar mitgeholfen. Das Tier sei zuvor lebendig gekauft, geschlachtet und dann gebraten worden. „Nachdem mir gesagt wurde, die Haut sei das Beste von der Schlange, habe ich sie auch noch gegessen. Es hat ganz gut geschmeckt“, verrät Julia.

Moritz habe sich dagegen lieber an Reis und Fleisch gehalten. Einigkeit herrscht aber bei den beiden Schülern, was ihnen bei der anschließenden Rundreise durch China mit Besichtigung Shanghais, der Terrakotta-Armee in Xian, Pekings und der chinesischen Mauer am besten gefallen hat: Die Weltausstellung EXPO in Shanghai hat den tiefsten Eindruck hinterlassen. Vielleicht auch deswegen, weil ihnen hier so manches nicht allzu fremd vorkam.

Am Wochenende können sich Besucher des Münsterer Weihnachtsmarktes am Stand der Aueschule selbst ein Bild von den Austauschprojekten machen. Der Erlös aus dem Plätzchen- und Glühweinverkauf fließt in die Schüleraustauschprogramme im nächsten Schuljahr.

Quelle: op-online.de

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