Von der Aueschule in die weite Welt

+
Valerie, Patricia, Julia und Annebjörg gehen für ein Jahr ins Ausland, aber jede in ein anderes Land, wie sie auf dem Globus zeigen.

Münster - Fernweh ist eine Motivation, Erfahrungen sammeln und selbstständig werden eine andere. Beide lagen jedoch gemeinsam bei vier Schülerinnen der Schule auf der Aue zu Grunde, als sie die Entscheidung fällten, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Von Jasmin Frank

„Wir sind ganz unabhängig voneinander auf die Idee gekommen, ein Schuljahr woanders zu verbringen und wurden dann sehr dabei unterstützt. Von Seiten der Schule wurde uns dazu geraten, dafür die elfte Jahrgangsstufe zu nutzen, denn so können wir nach der Auszeit zurück in unsere Klassen“, berichtet das reiselustige Kleeblatt. Jede der Schülerinnen zieht es dabei in ein anderes Land: Valerie Kramer geht nach Chile, Patricia Schledt nach Australien, Julia Frühwein in die USA und Anne-Björg Ries verweilt in relativer Nähe: in Norwegen. „Für mich ist es noch am einfachsten, denn meine Mutter stammt aus dem Land und ich kann bei meiner Tante wohnen, kenne also die Gegebenheiten schon ganz gut. Andererseits fahre ich nicht über eine Organisation und muss mir Dinge wie die Versicherungen selbst organisieren“, erzählt die Eppertshäuserin. Sie war mit der Münsterer Schule bereits auf Austausch in China und in den USA, weshalb die Eltern nun für ein weniger unbekanntes Reiseziel plädiert hatten.

China war auch von Julia und Valerie besucht worden und beiden war danach klar: Dort wollten sie kein komplettes Jahr verbringen. „Den Menschen dort ist es völlig unbekannt, selbstständig und frei zu denken. Das liegt uns überhaupt nicht, wir werden ja genau umgekehrt erzogen“, meinen die beiden 16-jährigen Schülerinnen.

Wie Julia, die schnell eine Gastfamilie in Kansas gefunden hatte, wollte Valerie zunächst auch in die Vereinigten Staaten fliegen. Doch nachdem sie selbst einen Gast aus Brasilien zu Hause beherbergt hatte, änderte sich ihre Einstellung: „Ich wollte unbedingt nach Brasilien. Doch das Land war meinen Eltern zu gefährlich, so fiel unsere Entscheidung auf Chile, das ist auch in Südamerika, jedoch politisch und wirtschaftlich stabil.“

Alle Mädchen werden in dem Austauschjahr die Schule besuchen und haben Zeit, fleißig die Landessprache zu lernen, denn um ihre Versetzung müssen sie nicht bangen, weil die Noten nicht gewertet werden. Schulen und Politik wollen mehr Schüler in Austauschjahre vermitteln, deshalb wird ihnen die Versetzung ins nächste Schuljahr garantiert. „Ich werde aber nach meiner Rückkehr trotzdem noch sehr viel lernen, gerade um Mathe mache ich mir ein bisschen Sorgen“, meint Julia.

Jede der Schülerinnen hatte einen anderen Weg gewählt, um die richtige Organisation für sich zu finden: Erfahrungen von Bekannten, Recherche im Internet und die Darmstädter Fachmesse Avanti waren Ausschlag gebend. „Bei mir war es etwas kompliziert, denn ich hatte schon Kontakte in die USA geknüpft, mich aber später für Australien entschieden, denn ich habe bei einer Wanderung auf dem Jakobsweg eine tolle australische Familie kennen gelernt, die mich jetzt aufnimmt. So musste ich eine Organisation finden, die nur noch ‚den Rest’ wie Reise und Schulbesuch koordiniert“, informierte Patricia.

Nun besuchen sie alle Vorbereitungsseminare, auf denen sie etwas über Land und Leute erfahren und andere junge Menschen treffen, die ein solches Jahr schon erfolgreich hinter sich gebracht haben. Ein Tipp war überall zu hören: Wenig Gepäck mitnehmen, denn vor Ort wird in der Regel noch viel eingekauft.

„Ich habe erfahren, dass es in chilenischen Schulen sehr streng zugeht: Kommt man zu spät, steht man vor verschlossenen Türen und muss eine Stunde warten, bis man hereingelassen wird. Dazu müssen dann auch noch die Eltern kommen und eine Unterschrift leisten.“ Waren die Mädchen vor wenigen Wochen noch voller Vorfreude, schleicht sich derzeit so langsam auch die Wehmut ein, denn die Jugendlichen werden ihre Freunde und Familien vermissen. „Ein Teil in uns möchte hier bleiben, doch der größere Part will natürlich doch weg“, fassen die Mädchen die gemischten Gefühle zusammen.

Im nächsten Sommer sind sie zurück und dann werden sie unseren Lesern sicher berichten, was sie in der Ferne alles erlebt haben.

Kommentare